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Bestand mittelalterlicher Glasfenster in NÖ umfassend dokumentiert.

Bischof Klaus Küng blättert im neuen Buch

St. Pölten, 20.05.2017 (dsp) Im St. Pöltner Diözesanmuseum wurde der dritte Corpus-Band der „Mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich“ präsentiert. Der vorliegende Band des Österreichischen Corpus Vitrearum Medii Aevi stellt die Fortsetzung von zwei bislang erschienenen Teilbänden zu den mittelalterlichen Glasgemälden in Niederösterreich (1972 und 2015 im Böhlau-Verlag erschienen) dar.

Der im Rahmen eines international wissenschaftlichen Unternehmens entstandene Buchband, der vom Bundesdenkmalamt und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben wurde, legt den Schwerpunkt auf die dislozierten Bestände in- und ausländischer Sammlungen.

Die Tatsache, dass es sich bei der mittelalterlichen Glasmalerei um eine besonders gefährdete Kunstgattung handelt, verleiht diesem Inventarisations-Vorhaben Dringlichkeit. Die systematische wissenschaftliche Bestandsaufnahme und aufwändige Dokumentation erfolgt seit der Nachkriegszeit im Zusammenhang mit den vom Bundesdenkmalamt durchgeführten Restaurierungsmaßnahmen.

Diözesanbischof Klaus Küng zeigte sich dankbar über das Projekt. Im Laufe der Geschichte seien, gerade wegen verschiedener Umbrüche, viele Kostbarkeiten verloren gegangen, obwohl in Wirklichkeit der Kern der in den Kunstwerken dargestellten Botschaft zu allen Zeiten gleich bleibt und das Faszinierende gerade darin besteht, dass nur die Darstellungsweise sich wandle, manchmal auch die Blickrichtung und die Akzentuierung. Gerade deshalb sei es so wichtig, dass insbesondere die Meisterwerke geschützt und erhalten bleiben. „Übrigens sind ja der beste Schutz vor Diebstahl, auch vor Unvernunft die genaue Beschreibung, die Fotographie, die Publikation“, so der Bischof.

Die Präsidentin des Bundesdenkmalamtes, Barbara Neubauer, betonte bei der Präsentation die Wichtigkeit der Inventarisierung von Kunstschätzen. Für den Erhalt und die Weitergabe von Kunstschätzen an die nächste Generation sei das eine der wesentlichsten Aufgaben, die auch der nun präsentierte Band erfülle.

Diözesanmuseums-Direktor Wolfgang Huber verwies auf noch erhaltene Bestände in der Diözese St. Pölten, wie z. B. in den Pfarrkirchen in Gars-Thunau, Ardagger und Weiten. Große Teile von Verglasungen wurden im 19. Jh. ersetzt, da sie dem Zeitgeschmack nicht mehr entsprachen oder mussten im Zuge von großangelegten Kirchenumbauprojekten weichen. Vielfach kamen Glasscheiben demnach aus Schutzgründen in Museumsbestände. So ist es auch im Falle des St. Pöltner Diözesanmuseums Gründer Johannes Fahrngruber zu verdanken, der in weitsichtiger Weise einige mittelalterliche Verglasungen auf diese Weise rettete. Stellvertretend dafür steht auch die am Cover des vorliegenden Bandes abgebildete Stephanus-Scheibe aus der Pfarrkirche in Eggenburg.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert avancierten mittelalterliche Glasmalereien auch zu begehrten Sammlungsobjekten von Privatpersonen. So gab Kaiser Franz II./I. um 1800 den Auftrag, Glasgemälde von unterschiedlichen Kirchen und Klosteranlagen anzukaufen, um sie in die Fenster seiner damals als Gesamtkunstwerk errichteten Franzensburg in Laxenburg einzubauen.

Die mittelalterlichen Glasgemälde in Niederösterreich
Günther Buchinger, Elisabeth Oberhaidacher-Herzig, Christina Wais-Wolf
Corpus Vitrearum Medii Aevi – Österreich Band V,2
Böhlau-Verlag 2017