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Behinderter Psychologe macht Männern Mut

Mag. Dr. Georg Fraberger

St. Pölten, 05.02.2017 (dsp) Mut, sich so zu zeigen, wie man ist, machte der klinische Psychologe Georg Fraberger bei seinem Vortrag über „Männlichkeit und Liebe“ beim Diözesanen Männertag der Katholischen Männerbewegung der Diözese St. Pölten (KMB) im Bildungshaus St. Hippolyt. Der Referent kam ohne Arme und Beine zur Welt, studierte Psychologie und arbeitet seit über 15 Jahren in eigener Praxis und im AKH Wien sowie als Lehrbeauftragter. Fraberger ist glücklich verheiratet, hat vier Kinder, fährt begeistert Auto und führt laut Eigendefinition „ein gutes Leben“.

Als ältester von drei Brüdern habe Fraberger gemerkt, dass sie „alle die gleichen Fragen und Probleme“ hatten: „Ich habe früh erkannt, dass meine Behinderung nicht das Problem ist, und ich wie alle anderen auch meinen Weg finden muss“. Sich nur über den Körper und den Verstand oder auch Gefühle zu definieren sei zu wenig, wie Fraberger betonte, denn auch bei Mängeln und Behinderungen bleibe doch das Wesen des Menschen dasselbe. Es müsse daher im Menschen „noch etwas geben, das unabhängig davon ist, was ich die Seele nenne“. Diese mache den Menschen aus.

Jeder Mensch habe den selben Wert wie die anderen, „auch wenn das nicht gesehen wird, auch wenn ich das selbst nicht sehe“, so Fraberger. Deswegen sei es wichtig, eine Identität aufzubauen, unabhängig von den Werten wie äußere Stärke, Reichtum und andere. Dafür müsse die Identität von den Gefühlen abgekoppelt werden: „Ich bin das, auch wenn ich es gerade nicht fühle.“ Auch ohne „Sex und Geld“ bleibe noch ein Sinn, der aus dem Erkennen komme: „Wir sehen einen Lebenssinn darin, von anderen erkannt zu werden“, wie Fraberger betonte. Um mich so auszudrücken, dass andere mich verstehen und erkennen können, sei es nutzlos den anderen zu beschuldigen, sondern vielmehr „wichtig bei mir selbst zu bleiben und an mir zu arbeiten“.

Ein großes Problem von Männern ortete der Psychologe darin, dass Liebe oft als „schwach“ angesehen und daher nur Frauen zugeordnet werde. Zärtlichkeit, Umarmungen und das Zeigen von Zuneigung seien Männern oft unangenehm. Hier gelte es zu „erkennen, dass Männlichkeit und Liebe eine Einheit bilden können, dass wir in der Liebe auch schwach sein dürfen“. Aggression hingegen komme immer aus dem Bedürfnis, auftretende innere Spannungen abzubauen, die entstehen, „wenn man sich nicht so zeigen kann, wie man ist“.

Am Nachmittag des Diözesanen Männertages lud die KMB zum Kabarett „Männer mag man eben 2.0“ mit Lehrer und Schauspieler Franz Gurnhofer, dem Musiker und Komponisten Robert Schießbiegl sowie dem Schriftsteller Rudi Weiß.