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Autorin Bachinger: Es gibt kein „Recht auf ein Kind“

Eva Maria Bachinger (Foto: Screenshot http://www.eva-bachinger.at)

St. Pölten, 01.06.2017 (dsp) Derzeit wird mit zahlreichen Veranstaltungen wie z.B. Familienfesten, die „Woche des Lebens“ gefeiert, bei der es um die Einzigartigkeit und den Wert des Lebens geht. Eva Maria Bachinger ist Journalistin und Autorin des Buches „Kind auf Bestellung“, in dem sie sich eingehend und kritisch mit Themen wie Leihmutterschaft und künstlicher Fortpflanzung auseinandersetzt. Florian Welzig hat mit ihr gesprochen:

Was war eigentlich der Auslöser für ihre Beschäftigung mit diesen Themenbereichen?

2013 habe ich im Zusammenhang mit dem Thema Stiefkindadoption für lesbische Paare in Österreich für einen Schwerpunktartikel in den Salzburger Nachrichten recherchiert. Ich kam dabei schnell zum Thema Samenspende und immer weiter. Da ergab sich ein Thema aufs andere. Man spürt auch immer stärker die existenzielle Dimension dieser Fragen. Es gab dann auch den Slogan „Jeder hat ein Recht auf Kind“, der mich irritiert hat. Dieser Irritation bin ich intensiver nachgegangen. Mir ist klar geworden, dass wir es letzten Endes mit einem enormen Besitz- und Konsumdenken zu tun haben, und es eben kein „Recht auf ein Kind“ gibt. 

Das heißt wir sind heute als Gesellschaft sehr stark vom „Wunsch- oder Idealmaß-Denken“ besetzt?

Das ist ein allumfassendes Dogma geworden. Es hört sich so schön an „Wir sind frei“. Das Gut der individuellen Freiheit ist wesentlich und wichtig, hängt aber immer mit Gleichheit und Geschwisterlichkeit zusammen. Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. Daher hat auch jeder Mensch das Recht auf eine vollständige Identität, aber die Freiheitsrechte späterer Kinder werden im Kontext der Fortpflanzungsmedizin heute stark beschnitten. Medizin wird vor allem als Wunschmedizin betrachtet, und der Begriff „Grenzen“ ist nur negativ besetzt. Ich halte das für einen Denkfehler.
Schönheitsideale hat es immer gegeben, aber heute geht es um eine optimierte Existenz, in der alles nur von mir abhängt. Ich bin meines Glückes Schmied. Das führt zu extremem Druck, und ist auch eine Illusion der Wohlhabenden. Wir wollen ja alle Originale sein; dazu gehört auch, scheinbare Defizite und Mängel anzunehmen, aber viele laufen nur optimierten Normen nach.

Da spielt natürlich stark die Frage hinein, wie informiere ich mich oder womit werde ich informiert. Wie ist ihre Erfahrung in ihrer Arbeit zu ihrem Buch? So haben Experten darauf hingewiesen, dass therapeutische Hilfen bei Kinderlosigkeit im Ergebnis fast den gleichen Erfolg haben wie die künstliche Fortpflanzungsmedizin.

Ich hatte viel Zeit für mein Buch zu recherchieren. Dabei habe ich schon gemerkt wie oberflächlich und einseitig berichtet wird. So schien es zum Beispiel bei der Gesetzwerdung des österreichischen Fortpflanzungsmedizingesetzes nur eine Meinung zu geben, alles andere galt als retro und erzkonservativ. Erst vor kurzem war ein Bericht über Samenspenden in einem Magazin: Ich verstehe nicht, warum dabei immer nur private Fortpflanzungsmediziner befragt werden, die natürlich Interessen haben, und nicht auch andere Experten. Hier bekommt man nur eine Perspektive geliefert. Die Aufgabe als Journalistin ist es aber umfassend zu informieren. 

Kann persönliches Engagement etwas bewegen?

Auf alle Fälle; es geht aber auch nicht nur darum „etwas zu bewirken“. Wenn ich z.B. ein Buch schreibe und dann einzelne Frauen erreiche oder Bestätigung von Experten bekomme, ist das schön. Manchmal komme ich mir aber bei dem Thema vor wie eine einsame Mahnerin in der Wüste. Man muss aber dem nachgehen, was man für wichtig hält. 

Eva Maria Bachinger, Journalistin und Autorin, u.a. „Kind auf Bestellung. Plädoyer für klare Grenzen“, Deuticke 2015.