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Alterzbischof Kothgasser feiert 80. Geburtstag

Der emeritierte Erzbischof Alois Kothgasser begeht am 29. Mai seinen 80. Geburtstag. Kothgasser stand von 2003 bis Ende 2013 als "Primas germaniae" an der Spitze der Erzdiözese Salzburg und leitete zuvor ab 1997 die Diözese Innsbruck. Der Geburtstag wird sowohl in Salzburg als auch in Innsbruck offiziell gefeiert.

Die Erzdiözese Salzburg lädt am 28. Mai um 15 Uhr zu einem Festgottesdienst im Salzburger Dom. Hauptzelebrant ist Kothgassers Nachfolger in Salzburg, Erzbischof Franz Lackner, der auch die Festpredigt hält. Der emeritierte Erfurter Bischof Joachim Wanke wird im Anschluss an den Gottesdienst im Dom einen Festvortrag halten. Danach gibt es eine allgemeine Agape im Bischofsgarten.

Alterzbischof Kothgasser hat gebeten, im Rahmen der Feiern von Geschenken abzusehen und stattdessen für die Salzburger Partnerdiözese San Ignacio de Velasco in Bolivien zu spenden (Kennwort "Geburtstag EB Kothgasser", IBAN AT39 2040 4000 0000 0810).

Die Diözese Innsbruck, das Land Tirol und die Stadt Innsbruck laden am Dienstag, 30. Mai, im Innsbrucker Dom um 18 Uhr zu einen Dankgottesdienst mit anschließendem Empfang und Agape auf dem Domplatz ein.

In einem Interview für die aktuelle Ausgabe der Kirchenzeitung "Tiroler Sonntag" blickte Kothgasser auf seine Zeit als Bischof von Innsbruck zurück und gab Auskunft über sein gegenwärtiges Leben. Zur Frage, was er sich für die Zukunft wünsche, meinte der Alterzbischof: "Als Christen glauben wir, dass das Eigentliche noch bevorsteht. Darauf freue ich mich. Ich glaube, es braucht viel, um wirklich zu ermessen, dass Gott Liebe ist."

Sehr gerne erinnere er sich u.a. an seine Besuche in den Tiroler Pfarren zurück, sagte Kothgasser. Je mehr er in den Pfarren unterwegs gewesen sei, "umso mehr ist mein Respekt gewachsen vor dem, was die Pfarrgemeinden leisten - meist in guter Zusammenarbeit mit den politischen Gemeinden". Er habe immer versucht, drei Tage in einer Pfarre zu sein, "damit wirklich Begegnung möglich wird - auch mit Vereinen und Betrieben". Auch die Besuche in den Schulen hätten ihm immer sehr viel bedeutet.

"Eine Besonderheit von Tirol ist sicher, wie die Menschen hier verstehen, Feste zu feiern - mit den Schützen und Musikkapellen", so Kothgasser weiter. Man könne die Bedeutung solcher Feste für den Zusammenhalt einer Gesellschaft nicht hoch genug einschätzen. "Ohne Feste, in denen Platz ist für alle, kann eine Gesellschaft nicht leben - und noch weniger die Kirche", sagte der Alterzbischof.

Kothgasser hob in dem Interview auch die Bedeutung der Ökumene hervor: "Sie ist eine Zukunftsfrage für die Kirchen." In seine Zeit als Bischof von Innsbruck fiel u.a. das Gedenken an die Vertreibung der Protestanten aus dem Defereggental und eine Versöhnungsfeier. Er sei sehr dankbar, "dass es möglich war, die evangelische Kirche um Vergebung zu bitten. Und dass es möglich geworden ist, gemeinsam auf die Mitte zu schauen, Christus."

Heimat bei den Salesianern Don Boscos

Alois Kothgasser wurde am 29. Mai 1937 im steirischen St. Stefan im Rosental (Bezirk Feldbach) geboren. Mit 18 Jahren trat er bei den Salesianern Don Boscos ein. Die Matura legte er zwei Jahre später am Aufbaugymnasium des Ordens in Unterwaltersdorf (Niederösterreich) ab. Es folgte das philosophisch-theologische Studium an der Päpstlichen Hochschule der Salesianer in Turin, wo er 1964 zum Priester geweiht wurde. Das Doktoratsstudium absolvierte er in Rom an der Päpstlichen Salesianer-Universität und lehrte dort von 1969 bis 1982. Es folgten Professuren an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern, deren Rektor er von 1982 bis 1988 sowie von 1994 bis 1997 war.

Vor bald 20 Jahren - am 10. Oktober 1997 - ernannte Papst Johannes Paul II. (1978-2005) Kothgasser zum Diözesanbischof von Innsbruck, die Weihe folgte am 23. November. Genau fünf Jahre später wählte ihn das Dom- und Metropolitankapitel zu Salzburg aus dem von Rom vorgelegten Dreiervorschlag zum neuen Erzbischof. Die Bestätigung des Papstes erfolgte am 27. November, die Amtsübernahme am 10. Jänner 2003 und die feierliche Amtseinführung am 19. Jänner. Sein Wahlspruch lautete: "Veritatem facientes in Charitate" (Die Wahrheit in Liebe tun).

In der Österreichischen Bischofskonferenz galt Kothgasser als Mann des Miteinanders und der Versöhnung. Er war hier zuständig für die Bereiche Liturgie, Priesterseminare, Theologische Fakultäten und Hochschulen sowie auch für die Laientheologen, gehörte der Glaubens- und Finanzkommission an und vertrat die österreichische Kirche in der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz und bei den Theologengesprächen in Mainz. Im Rat der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) war Kothgasser Referatsbischof für Berufungspastoral, zudem gehörte er auch der Gottesdienstkongregation an der Römischen Kurie an.

Wissenschaft, Ostkirchen, Lebensschutz

Die Erzdiözese Salzburg beschreibt ihren früheren Oberhirten als "tief verbunden mit Gott und den ihm anvertrauten Menschen". Kothgasser sei in den Visitationen, Besuchen in Pfarren, Schulen und Unternehmen stets guter Zuhörer gewesen. Auf seine Initiative entstand die Begegnungswoche "Offener Himmel", das "Haus für Mutter und Kind" für Schwangere in Not im Salzburger Kolpinghaus sowie die 2006 in den Salzburger Pfarren gestartete jährliche "Woche für das Leben", zumal dem Erzbischof das Thema Lebensschutz sehr am Herzen lag. Schwerpunkt war für ihn auch die Förderung des Dialogs mit der Wissenschaft und mit anderen Religionen, was sich etwa in seinem Mitwirken an der Neustrukturierung des Internationalen Forschungszentrums Salzburg (ifz) 2009 zeigte.

Bekannt war und ist Kothgasser weiter für seinen langen Einsatz für die Beziehungen der katholischen Kirche zu den Ostkirchen, im Rahmen derer er unter anderen Patriarch Bartholomaios I. in Istanbul, dem russisch-orthodoxen Patriarchen Aleksij II. in Moskau sowie Vertretern der bulgarischen Orthodoxie begegnete, jährlich zu einem Ökumenischen Empfang lud und sich für Stipendiaten aus den Ostkirchen einsetzte. Die Stiftung "Pro Oriente" 2015 ernannte Kothgasser 2015 zum Ehrenmitglied, in Anerkennung auch seines Engagements als Generalpräsident des Päpstlichen Werkes der Kongregation für die Ostkirchen (Catholica Unio Internationalis), das bis 2016 andauerte. Bis Jänner 2017 war der Erzbischof zudem Großprior der österreichischen Statthalterei der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

Zu den vielen Auszeichnungen Kothgassers zählen mehrere Ehrenbürgerschaften und Ehrenpreise von Städten und Gemeinden, das Ehrenzeichen des Landes Tirol, das große Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark mit dem Stern sowie das Großkreuz des Ehrenzeichens des Landes Salzburg. Der Erzbischof-Rohracher-Studienfonds verlieh ihm den Ehrenpreis und der Grabesritterorden die "Palme von Jerusalem in Gold". Manche Ehrungen nahm er nicht an - wie etwa 2007 durch das Land Salzburg, aus Protest gegen die damalige Landeschefin Gabi Burgstaller, die zuvor Abtreibungen im St.-Johanns-Landeskrankenhaus ermöglicht hatte.

Nach Emeritierung weiter aktiv

Am 4. November 2013 nahm Papst Franziskus den altersbedingten Rücktritt von Kothgasser an und ernannte ihn gleichzeitig zum Apostolischen Administrator der Erzdiözese Salzburg. Seit der Amtseinführung seines Nachfolgers Franz Lackner als "Primas germaniae" am 12. Jänner 2014 lebt Kothgasser bei den Don Bosco Schwestern in Baumkirchen im Tiroler Unterland.

Zur Frage, weshalb er seinen Alterssitz außerhalb der Erzdiözese Salzburg genommen hat, meinte Kothgasser gegenüber dem "Tiroler Sonntag", dass er in seiner Amtszeit als Bischof den Pfarrern immer gesagt, sie mögen ihren Ruhestand außerhalb jener Pfarre verbringen, in der sie zuletzt tätig waren. Eine gewisse Distanz sei einfach gut, um die neuen Verantwortlichen in der Seelsorge in aller Freiheit ihren Dienst tun zu lassen. Das gelte auch für die Bischöfe.

Zudem finde er in Baumgarten als Salesianer Don Boscos einen Boden vor, "der meiner Spiritualität entspricht. Ich kann bei den Don Bosco-Schwestern mitleben und fühle mich hier ganz zu Hause." Außerdem habe er die Möglichkeit, in den Pfarren als Seelsorger auszuhelfen: "Ich tue das immer wieder gerne - auch für Firmungen."

Er versuche, "so gut es geht, die Anliegen der Kirche mitzutragen, in der Begleitung von Exerzitien oder wie gesagt bei Aushilfen in den Pfarren". Wichtig sei ihm die Zeit für Stille und Gebet, betonte Kothgasser: "Ich glaube fest daran, dass aus dem Gebet jenen Kraft zukommt, die sie besonders brauchen - Arme, Notleidende."

(26.05.2017, KAP)