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300 Jahre Wallfahrtskirche Maria Jeutendorf

Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Jeutendorf mit dem Karmel "Mater dolorosa"

Böheimkirchen, 01.09.2017 (dsp) Die Wallfahrtskirche Maria Jeutendorf feiert im Rahmen des Sieben-Schmerzen-Festes am 16. und 17. September ihr 300jähriges Jubiläum. Unter dem Motto „Leben im Kloster – vom Servitenkloster zum Karmelitinnenkloster“ können unter anderem die Hostienbäckerei und die Ikonenmalwerkstätte besichtigt werden.

Der Auftakt ist der Tag der offenen Türe im Karmel Maria Jeutendorf am Samstag von 10 bis 17 Uhr. Dabei kann der Karmel mit einer Führung jeweils am Vormittag und am Nachmittag besichtigt werden. Zu Mittag werden Besucher mit einem einfachen Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen versorgt. Weiters stehen am Nachmittag zwei Kirchenführungen und eine Ausstellung im Pfarrheim am Programm. Pater Gerhard Walder hält einen Festvortrag zum Thema „Serviten in Österreich“, von Josef Tscherny gibt es „Die Baugeschichte der Pfarrkirche“.

Am Sonntag findet von 9.00 bis 11.00 Uhr eine Ausstellung im Pfarrheim statt. Um 14 Uhr wird die Festmesse zum Hochfest der „Sieben Schmerzen Mariens“ mit Weihbischof Anton Leichtfried gefeiert.

Wechselvolle Geschichte

Die Karmelitinnen sind seit 32 Jahren im ehemaligen Klostergebäude der Serviten. Bei der Diözesansynode im Jahre 1972 wurde die Gründung eines kontemplativen Frauenklosters angeregt. Bischof Franz Zak bat die Schwestern in Mariazell um eine Tochtergründung in Maria Jeutendorf. 1985 zogen 8 Schwestern in das Kloster. Seit 2010 ist Sr. Maria Johanna Jarma im Amt als Priorin der Karmelgemeinschaft.

Die Kirche und das Kloster Jeutendorf verdanken ihre Entstehung dem Baron Maximilian von Sala. Er entstammte einer oberitalienischen Adelsfamilie und kaufte 1676 das Schloß. Seine Frau Johanna Dorothea, eine geborene Rossi, hatte ein Marienbildnis von ihrem Vater geerbt. Nun geschah es, dass die älteste Tochter Maria Anna schwer erkrankte. Da nahm Maximilian Zuflucht zu dem Bild der „Schmerzhaften Muttergottes" und fand Erhörung.

Aus Dankbarkeit für die Genesung seines Kindes ließ er zur Verehrung des Bildes 1678 auf dem Hügel gegenüber vorn Schloß eine Kapelle errichten. Zur ständigen Betreuung des Gnadenbildes und der Kapelle gründete Maximilian von Sala ein Servitenkloster. Der Stifterbrief wurde am 1. November 1693 unterzeichnet. Am 5. Oktober 1695 zogen bereits 6 Serviten feierlich in das Kloster ein.

Der Enkel des Stifters, Freiherr Maximilian Franz von Sala ließ die Kapelle wegen des großen Zustromes an Pilgern 1706 und 1715 erweitern. Da diese Zubauten aber immer noch zu klein waren, so wurde 1717 der Bau einer Kirche beschlossen. Der Grundstein wurde im Mai gelegt, am 22. August 1718 konnte Propst Michael Führer von St. Pölten drei Altarsteine und die Gruft weihen. 1721 wurde ein KIosterumbau bzw. Erweiterungsbau in Angriff genommen, der im Jahre 1750 abgeschlossen war. 1762/63 kam es zum Zubau des Bibliothek- und Sakristeitraktes durch Matthias Munggenast.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts erlebte das Kloster seine BIütezeit. Das Noviziat war nach Jeutendorf verlegt worden, und so lebten bis zu 20 Patres im Konvent. Die Lage änderte sich jedoch schlagartig, als Kaiser Joseph II. die Wallfahrt verbot und zahlreiche Klöster aufhob. Dem letzten Besitzer vom Schloß Jeutendorf aus der Familie der Sala, Ferdinand von Sala, einem hohen Staatsbeamten, ist es zu verdanken, daß die Serviten in Jeutendorf verbleiben durften.

Eine schwere Prüfung hatte das Kloster im Kriegsjahr 1809 zu bestehen. Herumstreunende militante Gruppen steckten im Mai die Kirche, das Kloster und die Ortschaft in Brand. Dieser Brand zerstörte den Turm, die Dächer und die Sakristei. Das Kloster erholte sich nur langsam von dieser Katastrophe.

Leider mussten die Serviten im Jahre 1978 aus Mangel an jungen Nachwuchskräften die Kirche und das schon sehr schadhafte Klostergebäude der Diözese St. Pölten abgeben. In der Folge trat Bischof Zak an die Karmelitinnen von Mariazell mit der Bitte heran, eine Tochtergründung im leerstehenden Servitenkloster vorzunehmen.