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2.400 Pfarrgemeinderäte bei Dankfest des Landes Niederösterreich

2.400 Pfarrgemeinderäte bei Dankfest des Landes NÖ im Festspielhaus St. Pölten

St. Pölten, 06.11.2017 (dsp) Die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner lud die niederösterreichischen Pfarrgemeinde- und Kirchenräte zu einer musikalisch-literarischen Feierstunde ins St. Pöltner Festspielhaus. Damit wolle sie den Ehrenamtlichen für ihren Einsatz danken. Die Dankfeiern am Nachmittag und am Abend besuchten 2.400 Pfarrmitarbeiter/innen, auch evangelische Gemeindevertreter/innen waren vertreten. Von kirchlicher Seite nahmen Kardinal Schönborn, Bischof Klaus Küng, die Weihbischöfe Anton Leichtfried und Stephan Turnovszky sowie mehrere Bischofsvikare und Äbte teil.

Ehrenamt unverzichtbar und konstitutiv für Kirche

Im Mittelpunkt der Feierstunde standen die Bedeutung des Ehrenamtes, die Ökumene – anlässlich des Jubiläums 500 Jahre Reformation – und das Thema Jugend.
Bischof Klaus Küng zeigte sich „zuversichtlich“, was die Entwicklung des Ehrenamtes in der Kirche betrifft: „Wenn es draußen kalt wird, kommen alle dorthin, wo das Feuer brennt.“ In jeder Pfarre, die er besuche, gebe es Menschen, denen Glaube und Kirche ein großes Anliegen sei. Deshalb sei er überzeugt, „dass wir auch in Zukunft Menschen finden, die sich engagieren, auch wenn wir uns jetzt in einer schwierigen Phase befinden“. Damit die Familien, die Gemeinden und das Land christliche bleiben, müsse jeder einzelne etwas dazu beitragen, so Küng.
Weihbischof Turnovszky betonte, dass das Ehrenamt in der Kirche schon immer der „Normalfall“ sei, die Hauptamtlichen hingegen seien eigentlich ein „Sonderfall“. „Das Ehrenamt ist nicht nur unverzichtbar, es ist konstitutiv, auf ihm fußt die Kirche.“

Ökumene „unumkehrbar“ – gutes Verhältnis der Kirchen in NÖ

Zu Ökumene sagte Kardinal Schönborn, dass diese „unumkehrbar“ sei; evangelische und katholische Kirche hätten gelernt, dass man nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten müsse. Schönborn stellte auch die Frage, wie die Orte ohne die Nächstenliebe der Pfarren ausschauen würden, über sie würde das Evangelium erfahrbar gemacht werden. Der St. Pöltner Weihbischof Leichtfried sagte, die katholische Kirche könne von der evangelischen lernen. Es sei gut, dass es in der letzten Zeit so viele Begegnungen und gemeinsame Gebete gegeben habe, aber man wisse manchmal noch immer zu wenig voneinander. Bischof Küng betonte das „sehr gute Verhältnis“ der Kirchen im Land Niederösterreich. Im Reformations-Gedenkjahr sei das gegenseitige Verständnis weiter gewachsen, in vielen Fragen sei man sich wieder ein Stück näher gekommen. „Ich habe immer die Hoffnung gehabt, dass da noch mehr wachsen kann“, so Küng. „Es gibt einen großen Wunsch nach Einheit.“
Der niederösterreichische Superintendent Lars Müller-Marienburg verwies auf das große Interesse von katholischen Bildungseinrichtungen im letzten Jahr über das Wissen zur evangelischen Kirche. Er sei etwa gefragter Referent beim Katholischen Bildungswerk gewesen, so Müller-Marienburg. Umgekehrt habe er es geschätzt, dass katholische Kirchen für evangelische Groß-Gottesdienste hätten verwendet werden können.

„Geschenk des Glaubens“ an Jugend vermitteln

Die Kirchenvertreter gingen weiters auf das Thema Jugend ein. „Jugendbischof“ Turnovszky betonte die Bedeutung der Jugendarbeit auf drei verschiedenen, miteinander verbundenen Ebenen: in der Pfarre, im Land und in der Weltkirche. Weihbischof Leichtfried sagte, die Kirchen müssten helfen, Jugendlichen „Geschenk des Glaubens zu vermitteln“. Auch Bischof Küng unterstrich, dass es das wichtigste Anliegen sein müsse, „dass die jungen den Weg finden; da haben wir eine große Verantwortung“. Er sei „sehr dankbar“, das Papst Franziskus die Jugend zum Thema der kommenden Bischofssynode gemacht habe, und erhofft sich davon „neue Ideen und Impulse“.
Kardinal Schönborn war es ein Anliegen, aufmerksam auf die Lebensbedingungen junger Menschen zu sein. Es brauche ein „selbstloses Interesse an der Jugend“, sowie Ideen und ein echtes Hinhören. Müller-Marienberg betonte, dass es nicht darum gehe, Jugendliche zu beschäftigen, sondern eine Botschaft zu vermitteln: „Wenn es nicht um Gott geht, ist es keine kirchliche Jugendarbeit!“ Dafür sei es auch wichtig, Beziehungen zu pflegen und den Jugendlichen Aufgaben anzuvertrauen.

Mikl-Leitner unterstreicht Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Kirche und Land

Niederösterreichs Landeshauptfrau Mikl-Leitner würdigte die Leistungen der Ehrenamtlichen im Bundesland. Gut die Hälfte würde sich bei verschiedensten Institutionen wie Blaulichtorganisationen, in der Kultur oder etwa in den Pfarren engagieren. Gerade für Bereiche wie Nachhaltigkeit, Jugend oder Tradition sei das von großer Wichtigkeit. Ehrenamtliche würden nicht fragen, was sie bekommen, sondern „wie kann ich andere unterstützen“. Dafür gebühre ihnen großer Dank.
So sehr die Trennung zwischen Kirche und Staat „richtig und wichtig“ sei, so wichtig sei auch die Zusammenarbeit der beiden und eine Bereicherung, „besonders in schwierigen Zeiten“. Die Kirchen würden überdies für Werte und lebendige Tradition stehen, so Mikl-Leitner.

Die beiden Feierstunden wurden vom Chor Cantores Dei musikalisch umrahmt, den Festvortrag hielt der renommierte Tullner Kinderpsychiater und Buchautor Paulus Hochgatterer.

Bitte vormerken: Der große PGR-Tag der Diözese findet am 27. Jänner 2018 im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten statt.