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Wie "Profis" Weihnachten feiern

Marienschwestern von Klein Erla

St. Pantaleon-Erla, 22.12.2016 (dsp) „Einmal haben wir zu Weihnachten eine Glückwunschkarte bekommen, die beim Aufmachen das Lied ‚Stille Nacht‘ spielte. Irrtümlicherweise nahmen wir sie mit in unsere Kapelle. Und als es gar nicht gepasst hat, kam das Lied wie von selbst und hörte nicht mehr auf“, schmunzelt Schwester Margret Grill von der Kongregation (Gemeinschaft) der Marienschwestern vom Karmel von Klein Erla (Bezirk Amstetten). Bei ihnen wird der 24. Dezember bzw. der Heilige Abend fröhlich begangen. Viele Menschen sind oft überfordert, wie sie diesen besonderen Tag begehen könnten. Daher geben sie gerne Impulse und Tipps wie sie als „Profis“ feiern.

 Der Tagesablauf bei den acht Ordensfrauen von Klein Erla beginnt mit der Laudes, dem morgendlichen Gebet. Anschließend werken sie – je nach ihren Talenten – um einen stimmungsvollen Abend zu ermöglichen. Es wird gekocht, dekoriert und auf den Musikinstrumenten geübt. Zu Mittag gibt es ein fleischloses Mahl, auch in vielen Haushalten wird gefastet. Berühmt ist die Rahm- oder Stosuppe, die gut zubereitet wunderbar schmeckt, bei Kindern aber nicht wirklich populär ist. Der Nachmittag wird dann eher in Stille verbracht, es ist eine bewusste Vorbereitung auf das Geburtsfest Jesu.

 Mit einer Feier in der hauseigenen Kapelle beginnt der Heilige Abend, danach nehmen sie das Jesus-Kind aus der Weihnachtskrippe und ziehen damit in das Refektorium, dem Speise- und Aufenthaltssaal. Was vor der Weihnachtskrippe gewünscht werde, werde übrigens besonders von Gott erfüllt, so Sr. Maria Angela. Das sei Ausdruck des Glaubens, dass Gott jeden Menschen begleitet. Im Refektorium gibt es Worte des Dankens von Oberin Sr. Rosa Wieser und die Frauen freuen sich über ihre gute Gemeinschaft. Das wird an diesem Abend besonders betont. Ein weiterer Höhepunkt ist das Singen von „Stille Nacht“ – ganz ohne störende Hilfe durch das Glückwünsch-Billet. Was wird es zu Weihnachten zu essen geben? Es gebe immer zwei Variationen – und das ganz klassisch: entweder Bratwürstel mit Krautsalat oder Karpfen. Das gemeinsame Mahl ist den Ordensfrauen besonders wichtig, das ist fest verankert in der klösterlichen Tradition aller Orden. Am Abend wird viel musiziert und es werden zahlreiche Witze und Anekdoten erzählt. Weiters wird mit einem Glaserl Wein auf das Geburtstagskind Jesus angestoßen. Oberin Sr. Rosa teilt kleine Geschenke aus, etwa Schnitzereien aus Bethlehem, dem Geburtsort Jesu. Auch Geschenke aus der Bevölkerung werden überreicht. Dann besucht der Konvent eine Christmette in einer der naheliegenden Pfarren, meistens ist es St. Valentin, wo man sich immer über die wunderbare Gestaltung durch Pfarrer Johann Zarl freue. Die große Gottesdienstgemeinschaft in dieser Nacht sei jedenfalls eine wichtige Bereicherung.

 Die Marienschwestern vom Karmel betonen den religiösen Aspekt des Festes: Gott wurde Mensch, Jesus ist der Retter, der Erlöser. Das werde zu Weihnachten gefeiert. Bei den tiefgründigen liturgischen Texten gebe es Gänsehaut-Stimmung, ebenso durch die wunderbare Musik. Daher könne es gar nicht passieren, dass Weihnachten nicht etwas Besonderes ist. Dazu kommen Weihrauch- und Kekserlduft oder die drei Christbäume beim Hauseingang, Refektorium und in der Kapelle. Das Fest bereitet noch immer innere Freude wie in der Kindheit.

 Übrigens das traditionelle Ausräuchern am Heiligen Abend gibt es nicht. Das wird am Fest der Epiphanie, am 6. Jänner nachgeholt. Denn das wird in dem großen Gebäude mit dem Segen für die Internatsräume für die 70 Schüler nachgeholt. Die insgesamt 130 Jugendlichen kommen nach den Ferien wieder und so ist das große Schul- und Internatsgebäude in der Weihnachtszeit wirklich eine Zeit der Stille.