Sommerkampagne 2016
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Seitenstetten: 200 Pfarrgemeinderäte holten sich vor Wahl 2017 nochmals Schwung

200 Pfarrgemeinderäte im Stift Seitenstetten

Seitenstetten, 28.02.2016 (dsp) „Pfarrgemeinderäte (PGR) sind die Basis und der Reichtum der Kirche“, betonte der bekannte Wiener Pastoraltheologe Prof. Paul Zulehner beim „Tag der Pfarrgemeinderäte“ der Diözese St. Pölten im Stift Seitenstetten. Im kommenden Jahr sind Wahlen, die PGRs holten sich mit diesem Tag unter dem Motto „Warum nur will uns der Herr in dieses Land bringen“ (Num 14,3) nochmals neuen Schwung und Impulse für ihre Arbeit in den Gemeinden.

Die über 200 Anmeldungen zeigen laut den Organisatoren Peter Haslwanter und Michaela Lugmaier, dass „die Luft noch nicht draußen ist und dass die Pfarrgemeinderäte noch motiviert sind, vieles anzupacken“. Aufgrund der großen Teilnehmer/innenzahl musste man kurzerhand in die Stiftskirche ausweichen. Auch „Hausherr“ Abt Petrus Pilsinger freute sich über die vielen PGRs und sah dies als Zeichen, „wie viele sich für die Mitarbeit in der Kirche interessieren“. 

Pastoraltheologe Zulehner sagte, Christ zu sein, sei heute nicht mehr Schicksal, sondern Wahl. Heute gebe es alle möglichen Weltanschauungen und man wähle aus, was einem gut erscheine. Auch Pfarren müssten für sich entdecken, was anziehend sei – die so genannten Gratifikationen: etwa schöne Feste? Oder die Feiern wie Lebenswenden, Taufe oder Hochzeit? Was sind unsere Markenzeichen? Es gehe nicht einfach darum, die Irritationen zu beseitigen, das alleine sei zu wenig. Nicht die Arbeit an den Strukturen würden die Kirchen retten, sondern die Anziehungskraft des Evangeliums. Die Frage sei, wie Pfarren auch künftig lebendig bleiben könnten und wann die Pfarren lebendig seien. Organisationen hätten Lebensbögen, daran könne sich auch die Pfarre messen. Jede Gemeinschaft beginne mit einer Vision. Er empfahl einen einfachen Trick aus dem Judentum: Mitglieder von Pfarren sollten auf einem Bein stehend in einem Satz sagen, was die Vision Jesu sei, und dann davon einander erzählen. Jesu Vision sei es, dass der Mensch so aufblühen könne, wie Gott ihn gedacht habe. Dann stecke das Evangelium an und die Kirche müsse so leben, dass das Evangelium für andere attraktiv werde. Man müsse in Gott eintauchen und bei den Menschen auftauchen, das sei der Jünger-Bewegung bewusst gewesen, die von der Vision Jesu bewegt gewesen sei.

Es gehe dann bergab, wenn es keine Visionen mehr gehe, so Zulehner. Alles falle mit Struktur und Visionen, die zugeführt werden könnten – das seien dann Pfarr- oder Kirchenreformen. Strukturreformen seien die Abarbeitung des Notwendigen. Visionen seien entscheidend und orientieren, dazu müsse man Bibel-fit sein. Das Evangelium wiege aus der Verdrossenheit und aus der Müdigkeit heraus. In der Flüchtlingsfrage habe man etwa eine klare Orientierung vom Evangelium her. Neben der Orientierung brauche es Motivation und man müsse kritisch sein, weil man eben eine Vision hat. Das Evangelium sei ein Aufstand gegen die Nivellierung des Zeitgeistes und rufe zum Widerstand aus.

Visionen kämen von Gott an die, die er sich selber aussuchen, das zeige etwa das Beispiel des Propheten Samuel. Laien seien nicht die Mitarbeiter des Pfarrers, sondern Gottes. Der Pfarrer habe aber die Aufgabe die Spurtreue des Evangeliums zu sichern. Das sei eine „unvertretbare Aufgabe“, die uns Gott zutraue. Wenn es eine Vision gebe, dann müssten möglichst alle am Weg dieser Vision beteiligt werden. Der Ausgangspunkt für eine Vision sei, dass Gott eine Vision beim Einzelnen ins Herz lege. Darüber solle man einander erzählen. Das müsse man auf den Prüfstand der Heiligen Schrift stellen. Der Wiener Pastoraltheologe warnte vor Stillstand, das wäre der Tod. Wo es Entwicklung gebe, da gebe es auch Leben. Dazu brauche es ein Rausgehen zu den Menschen, oder anders formuliert: Man müsse raus und ran zu den Leuten.

Den Pfarrgemeinderäten ist laut den Ergebnissen der Workshops vor allem die Jugendarbeit wichtig. Zulehner sagte, dass Jugendlichen gerade das Soziale bzw. Nächstenliebe wichtig seien. Das wäre ein guter Anknüpfungspunkt. Erreiche man junge Leute damit, dann könne man mit ihnen auch über das Evangelium und andere christliche Inhalte sprechen.