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Kirche trauert um Flüchtlingshelferin Maria Loley

Die Gründerin der "Bewegung Mitmensch - Flüchtlingshilfe Poysdorf", Maria Loley, ist tot. Die 1924 in Poysdorf geborene Flüchtlingshelferin ist am Donnerstag im St. Vitusheim im niederösterreichischen Laa an der Thaya im 92. Lebensjahr friedlich eingeschlafen, bestätigte die Heimverwaltung.

Kardinal Christoph Schönborn würdigte Loley in einer Stellungnahme als einen "Menschen, der für mich das Evangelium inkarniert hat - auch in seinem unerbittlichen Anspruch an die Menschlichkeit, mit dem sie ja bei manchen angeeckt ist, bis hin zum Briefbombenattentat durch Franz Fuchs". Loley engagierte sich seit 1945 in der Flüchtlingshilfe und votierte bis zuletzt dafür, Menschen auf der Flucht eine besondere Zuwendung zukommen zu lassen.

"Christus war die Mitte ihres Lebens. Ihm ist sie äußerst konsequent nachgefolgt", so der Wiener Erzbischof gegenüber "Kathpress". Für ihn und viele andere Menschen - besonders auch solche, die der Kirche wenig verbunden waren - sei Maria Loley "ein starker Bezugspunkt" gewesen.

Kennengelernt habe er Maria Loley Anfang der 1990er-Jahre, als ihre Flüchtlingsarbeit schon weithin bekannt war, sagte der Kardinal: "Ich durfte ihr einen diözesanen Orden verleihen und wusste noch nicht viel von ihr, außer dass sie in Poysdorf unter ziemlichem Widerstand ihr Flüchtlingswerk aufgebaut hatte. Ihre Dankesworte bei der Ordensverleihung haben mich aber tief berührt, so dass ich damals spontan sagte: Diese Frau trägt das Evangelium in sich."

Schönborn erinnert sich auch dankbar "an die für uns so segensreichen Jahre, als Maria Loley nach ihrer ,Flucht' aus Poysdorf im Priesterseminar der Erzdiözese Schutz gesucht und gefunden hatte - sie ist dort vielen Seminaristen wie eine Mutter geworden". In diesen Jahren gelang auch die große Entfaltung ihrer "Bewegung Mitmensch".

Wörtlich sagte der Wiener Erzbischof: "Ich konnte so ganz intensiv ihre Flüchtlingsarbeit miterleben. Einer der Höhepunkte war für mich, als mehrere hundert Christen aus dem Iran in Wien strandeten und wir mit dem damaligen Innenminister einen Aufenthaltstitel für die ganze Gruppe verhandeln konnten. Ich erinnere mich mit Bewunderung, mit wie viel Kraft, Kompetenz und Inbrunst sie für Menschen in Not eingetreten ist, an ihre schier unerschöpflichen Kräfte, wenn es galt, für andere, nicht nur Flüchtlinge, da zu sein."

Beeindruckt war Kardinal Schönborn auch davon, "wie Maria trotz des Alters und der Krankheit bis zum Schluss unermüdlich in ihrem Einsatz für die Menschen war". Ununterbrochen habe bei ihr das Telefon geläutet, ständig sei sie im Austausch mit ihren Schützlingen, aber auch den vielen Helferinnen und Helfern gewesen, die sich ihr angeschlossen und "ihr Werk weitergeführt haben und weiterführen werden". Dieses Hilfswerk sei in der gegenwärtigen Flüchtlingskrise "voll gefordert und hochaktiv". So sei Maria Loley "durch ihre Menschlichkeit und die vielen guten Früchte ihres großen Engagements zum Segen für unzählige Menschen und zur mitreißenden Zeugin der frohen Botschaft geworden".

Loley: "Jesus ist meine Kraft"

Die gebürtige Poysdorferin Maria Loley war ausgebildete Fürsorgerin und bis 1975 in St. Johann im Pongau und Mistelbach tätig. Schon damals engagierte sie sich in der Flüchtlingshilfe. 1994 erhielt Loley den erstmals vergebenen Preis des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR). Ein Jahr später wurde sie mit dem Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis für Menschenrechte ausgezeichnet und vom ORF-Landesstudio Niederösterreich zur "Frau des Jahres 1994" gewählt.

Die Frau, die in einzigartiger Weise auf ihren Nächsten eingegangen ist, wurde am 16. Oktober 1995 Opfer einer Briefbombe des Extremisten Franz Fuchs. Der Zeigefinger, den sie damals verloren hatte, gehe ihr manchmal ab, dem Attentäter habe sie aber verziehen, sagte sie: "Jesus sagt sinngemäß, dass keiner sein Jünger sein kann, der nicht von Herzen seinem Bruder verzeiht." Anlässlich von Loleys 80. Geburtstags überreichte ihr Kardinal Christoph Schönborn im Jahr 2004 den "Stephanusorden in Gold".

(04.02.2016, KAP)