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"Jahr der Orden" von Flüchtlingskrise geprägt

Das im Jahr 2015 gefeierte "Jahr der Orden" stand in Österreich unter dem Zeichen der Flüchtlingskrise: Das Asylthema und die Antwort der Ordensgemeinschaften darauf sei "in jedem Gespräch" präsent gewesen, erklärten die beiden Vorsitzenden der Männer- und Frauenorden, Abtpräses Christian Haidinger und Schwester Beatrix Mayrhofer, am Mittwoch bei der Präsentation des Jahresberichtes "Summa" im Wiener Begegnungszentrum "Quo Vadis".

Das Engagement der katholischen Orden im Flüchtlingsbereich habe im Vorjahr deutlich zugenommen und auch mehrere einst säumige Gemeinschaften hätten aufgeholt, betonte Haidinger auf Anfrage. Der Einsatz der Orden für Flüchtlinge sei je nach Gemeinschaft unterschiedlich ausgeprägt und finde auf verschiedensten Ebenen statt, von der Bereitstellung von Wohnungen oder Bauplätzen über die Betreuung bis hin zu Deutschkursen. "Wir können mit Dankbarkeit sagen: Viel ist geschehen und viel geschieht weiterhin", so der Benediktiner-Abtpräses. Da zu befürchten sei, dass die Flüchtlingskrise "uns noch ein paar Jahre beschäftigen" werde, sei es gut, dass es in einigen Klöstern "noch manche Reserven" gebe.

Als Beispiel für die geleistete Arbeit nannte Haidinger das Stift Melk, wo vor wenigen Wochen ein überdachtes Containerdorf für 30 Flüchtlinge aufgestellt wurde. Bei den Steyler Missionaren in Mödling-St. Gabriel wurde das einst für 70 Personen ausgelegte Flüchtlingsquartier im Vorjahr durch die Vermietung von weiteren 70 Plätzen an die Caritas erweitert, dazu kam im November 2015 ein Notquartier für 100 bis 170 Personen - "wir haben also zweimal verdoppelt", erklärte Pater Franz Helm, Generalsekretär der Superiorenkonferenz. Eine weitere Einsatzform zeigt das Stift Klosterneburg auf: In der 2015 vom Stift gekauften Magdeburg-Kaserne sind bis zu 300 Asylwerber untergebracht, wobei das Innenministerium das Gebäude bis auf weiteres unentgeltlich nutzt.

Es habe durchaus gut getan, dass die Orden im vergangenen Jahr von den Medien "herausgefordert" worden seien, erklärte die Frauenorden-Präsidentin Mayrhofer, denn "es war eine heilsame und veränderungsanstoßende Kritik". Viel geschehe jedoch weiterhin im Verborgenen und werde kaum kommuniziert. "Die Mitschwestern müssen wir immer wieder mobilisieren: Sagt, was ihr tut", so die Ordensfrau. Oft werde in der öffentlichen Wahrnehmung auch übersehen, dass manche vorhandenen Plätze schon in der Bosnienkrise an Flüchtlinge vergeben worden und deshalb nicht mehr verfügbar seien.

Neue Synergien

Bei der Flüchtlingsbetreuung, jedoch auch in anderen Arbeitsbereichen, seien die Orden rund um ihr Themenjahr näher aneinander gerückt, resümierten die Ordensvertreter. Konkret sichtbar sei dies bei der Bürogemeinschaft der Männer- und Frauenorden an der Wiener Freyung geworden, die neben wirtschaftlichen und inhaltlichen Synergien "auch spirituell bereichernd" sei, so Haidinger: "Ordensfrauen bringen einen anderen, empathischeren Blickwinkel ein." Neue Zusammenarbeit gebe es auch durch gemeinsame liturgische Feiern in manchen Diözesen oder etwa durch die nach langer Unterbrechung fortgeführte "uralte Waldviertler Konföderation" der Stifte Geras, Zwettl und Altenburg.

Als Neuerungen im Vorjahr verwies Schwester Beatrix Mayrhofer auf die erfolgte Einrichtung eines gemeinsamen Bildungsreferates der Orden, auf "Meilensteine" bei der Weiterentwicklung der Ordenskrankenhäuser sowie auf zunehmende internationale Vernetzung der Orden. Beschlossen wurde zudem auf Initiative der Frauenorden die künftige Möglichkeit eines "Freiwilligen Ordensjahres", als Angebot eines drei- bis 12-monatigen Mitlebens in einer Ordensgemeinschaft, als Auszeit, Neuorientierung und Einblick in die Orden, wobei der Aspekt der Werbung für Ordensberufe nicht im Vordergrund stehe. Gestartet werden soll das Programm im Herbst 2016.

"Spannende Zeiten"

Dankbarkeit, Leidenschaft und Zuversicht - drei Impulse von Papst Franziskus - nähmen die Orden aus dem "Jahr der Orden" für ihre Weiterarbeit mit, erklärte Haidinger und sprach von "spannenden Zeiten". Die Orden befänden sich mitten in einem Wandel und seien dabei "auf gutem Weg, ihre Charismen in der Gegenwart zu leben". Als unmittelbar nächster Höhepunkt im laufenden Jahr ist vom 28. bis 30. April 2016 in Innsbruck das 50-Jahre-Jubiläum der Vereinigung der Frauenorden Österreichs angesetzt.

Der rund 100 Seiten starke "Summa"-Jahresbericht wird in einer Auflage von 5.000 Stück produziert und richtet sich an Ordensleute und Mitarbeiter, Medienschaffende sowie Entscheidungsträger aus Gesellschaft, Politik, Kultur und Religion. Das Buch wird vom Medienbüro der Ordensgemeinschaften auf Anfrage (Email: medienbuero@ordensgemeinschaften.at) kostenlos zugesandt.

(17.02.2016, KAP)