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Franziskaner – ein Orden im Zentrum

P. Klemens, P. Elizeusz, Br. Beatus (Foto: Planitzer)

St. Pölten, 15.12.2016 (dsp) Die letzte Exkursion im Rahmen des Jahres der Orden der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk führte zu den Franziskanern in St. Pölten. Die erste Station war - zumindest baulich gesehen – bei ihren Ursprüngen: Hatten doch die Franziskaner einst ihren Sitz an der Wiener Straße - dort, wo heute das Priesterseminar und auch die Philosophisch Theologische Hochschule (PTH) untergebracht sind.

Doch der Reihe nach: Durch die Tätigkeit des heiligen Johannes Kapistran kamen die Franziskaner um 1450 in die Gegend um St. Pölten. Sie erhielten zunächst die Maximilianskapelle an der Wienerstraße, dazu ein Grundstück zur Errichtung eines Klosters. 1507 wurde die Klosterkirche geweiht und um 1645 ein frühbarocker Neubau des Klos­ters errichtet.

Franziskaner übersiedelten in ehemaliges Karmeliterkloster

Wie vielen anderen Klöstern damals drohte auch dem Franziskanerkloster im josephinischen Zeitalter die Aufhebung. Doch der damalige Bischof Johann Heinrich von Kerens, übrigens der erste Bischof der 1785 neu gegründeten Diözese St. Pölten, konnte dieses Schicksal abwenden. Er errichtete an der Kirche des aufgehobenen Karmeliterklos­ters am Rathausplatz eine zweite Stadtpfarre und übertrug 1785 deren Betreuung den Franziskanern, die in das ehemalige Karmeliterklos­ter übersiedelten, während das Klos­ter an der Wienerstraße zum Priesterseminar – und dann auch Sitz der PTH – wurde.

Das heutige Franziskanerkloster war in den Jahren von 1757 bis 1779 für die Karmeliter erbaut worden. Die östlich an das Kloster angrenzende Kirche  entstand in der Zeit von 1757 – 1768 unter Beteiligung des Barock­baumeis­ters Matthias Munggenast.  Mit ihrer Rokoko-Hauptfassade dominiert die Kirche seither die Nordseite des Rathausplatzes mitten in St. Pölten, im Zentrum der Stadt.

Die Franziskaner in St. Pölten gehören heute der „Franziskanerprovinz Austria vom heiligen Leopold in Österreich und Südtirol“ an und sind eine kleine Gemeinschaft von drei Mitbrüdern: P. Elisäus Hrynko OFB ist Hausoberer und Pfarrer; P. Klemens Pieczko OFM ist Kaplan und Br. Beatus Klammer OFM der Sakristan. Die Franziskanerkirche ist nicht nur für einen Teil des Stadtgebietes die zuständige Pfarre, sondern auch für sieben Landgemeinden: Pummersdorf, Waitzendorf, Winzendorf, Hafing, Schwadorf, Mooshöfe und Neubach.

Beichte, Anbetung und Ausspeisung

Einst war die Franziskanerkirche durch ihre zentrale Lage mitten in der Stadt als die „Beichtkirche“ bekannt, wo die Menschen praktisch den ganzen Tag das Sakrament der Buße empfangen konnten. Aufgrund der vielen pfarrlichen Aufgaben ist das heute nicht mehr so einfach möglich, berichtet P. Elisäus Hrynko. Regelmäßig zur Beichte wird am Montagvormittag im Rahmen der Eucharistischen Anbetung eingeladen. Aber auch sonst während des Tages kommt es immer wieder vor, dass Menschen anklopfen, um die Beichte abzulegen.

Aber nicht nur für die Beichte klopfen die Menschen an – auch mit der Bitte um etwas Essen. P. Elisäus: „Regelmäßig kommen Obdachlose und Bedürftige und fragen gerade in der kalten Jahreszeit nach einer warmen Mahlzeit.“ Jedem wird zumindest ein Stück Brot oder eine warme Suppe gegeben. Denn auch wenn die Franziskaner heute sehr in den seelsorglichen und pfarrlichen Aufgaben engagiert sind, sehen sie ihren Grundauftrag vor allem in der Mission und im Wirken für die Armen. P. Elisäus betont: „Wenn bei uns jemand anklopft, dem wird geholfen.“

Sonja Planitzer