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Beginn der Wallfahrtssaison in Heiligenkreuz-Gutenbrunn

Pfarrer Johannes Schörgmayer öffnet das Kirchentor

Herzogenburg, 28.03.2016 (dsp) Mit Ostern beginnt wieder die Wallfahrtssaison in der Barockkirche von Heiligenkreuz in Gutenbrunn. Pfarrer Johannes Schörgmayer dreht den großen Schlüssel herum und öffnet das schwere Tor zur Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt und Maria, Heil der Kranken. Über den Winter ist die Kirche nur zu den Gottesdiensten geöffnet, ab Ostern ist das Barockjuwel wieder täglich zugänglich. Der Freskenzyklus von Franz Anton Maulbertsch lädt zum Staunen, das Gnadenbild von Maria mit dem Kind am Hochaltar zum Gebet ein.

Schörgmayer ist es ein großen Anliegen, dass nach den Jahren Renovierung, die 2014 mit der Weihe des neuen Altars abgeschlossen wurde, die Wallfahrt “wieder in Schwung kommt“. Im Vorjahr waren bereits wieder 30 Wallfahrtsgruppen mit bis zu 350 Wallfahrern in Heiligenkreuz. „Heiligenkreuz bei Herzogenburg“, wie Schörgmayer betont, um den Wallfahrtsort vom bekannteren Stift Heiligenkreuz im Wienerwald zu unterscheiden. Die Begrüßung der Wallfahrtsgruppen und die Führung nimmt er immer persönlich vor.

Auch prominente Konzerte – etwa mit der a capella-Gruppe „mainstreet“ oder der „Königin der Panflöte“ Daniela de Santos – organisiert der umtriebige Oldtimer-Fan Schörgmayer. Zum 250-Jahr-Feier der Kirchweihe (2010) chauffierte er Bischof Klaus Küng und den damaligen Bischof von Feldkirch Elmar Fischer in einem antiken Rolls-Royce vor die Kirche.

Die idyllisch gelegene Wallfahrtskirche zählt zu den schönsten spätbarocken Landkirchen Österreichs. Ermöglicht durch die großzügige Stiftung des Wiener Weihbischofs Franz Anton Marxer (1703-1775), schufen hier erstrangige Künstler aus dem Umkreis des Wiener Hofes ein bedeutendes Gesamtkunstwerk. „Innerhalb von nur drei Jahren entstand ein Meisterstück, das sich beinahe unverändert bis heute erhalten hat“, erklärt Schörgmayer. Der junge Maulbertsch schuf hier seinen vierten Freskenauftrag mit dem Thema der Kreuzauffindung durch die hl. Helena im Zentrum. In der Flachkuppel über der Orgelempore ist eine Wallfahrtsszene zu Maria, Heil der Kranken dargestellt. 

Barockes Gesamtkunstwerk verdankt sich Lotteriegewinnen

Heiligenkreuz hat seinen Namen übrigens nicht von einer Kreuzreliquie, sondern von einer Kapelle im Geburtsort des Stifters. Franz Xaver Anton Marxer, stammte aus Tisis nahe Feldkirch. Nach dem Besuch des Jesuitengymnasiums in Feldkirch und dem Studium in Wien wandte sich Marxer vor allem sozialen Belangen zu. Gleichzeitig stieg er rasch in der kirchlichen Hierarchie auf: 1738 wurde er Domherr zu St. Stephan, 1748 erfolgte seine Weihe zum Titularbischof von Chrysopolis, ein Jahr später die Ernennung zum Weihbischof und Generalvikar von Wien. Als Dompropst von St. Stephan (ab 1753) fungierte Marxer gleichzeitig als Kanzler der Universität Wien.

Durch Lotteriegewinne vermögend geworden, erwarb Bischof Marxer 1754 mit Schloss Gutenbrunn auch eine Wallfahrtskapelle. Um der mit einem Gnadenbild verbundenen Marienverehrung einen angemessenen Rahmen zu verleihen, ließ er nach dem „Vorarlberger Münsterschema“ eine Kirche errichten, die 1758 geweiht wurde. In Erinnerung an seine Geburt in Heilig-Kreuz nannte er den Ort Heiligenkreuz. Den einschiffigen, mit Rokokodekoration versehenen Kirchenraum überspannen vier Platzlgewölbe und eine große Flachkuppel in der Mitte, die von Franz Anton Maulbertsch mit Deckengemälden vollendet wurden.

Die Glanzzeit von Heiligenkreuz fiel in die Jahre 1758 bis 1775, als es zu einem bedeutenden Marienwallfahrtsort wie Mariazell und Maria Taferl wurde. 1767 wurde der Westtrakt des Schlosses zu einem Priesterseminar für Unterösterreich (der damals riesigen Diözese Passau) ausgebaut. Das Seminar durfte nur bis 1783 bestehen, als es im Zuge der radikalen Reformen von Kaiser Josef II. aufgelöst wurde. Erst nach dem Tod Josefs II. konnte 1791 das Priesterseminar in St. Pölten neu eröffnet werden, nachdem dort bereits seit 1785 ein „Pastoraljahr“ für die angehenden Priester eingerichtet war.  

Wallfahrtskirche Heiligenkreuz