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Ansprache zu Leitlinien der Kurienreform: Wohin der Papst will

Dieser Ansprache sahen die Kardinäle teils mit Freude und Hoffnung, teils mit brennender Sorge entgegen: Statt dem üblichen "Ein-erfolgreiches-Jahr-liegt-hinter-uns"-Grußwort hatte Papst Franziskus 2014 der Kurie einen Gewissensspiegel von "15 Krankheiten" in die Weihnachtspause mitgegeben. Das Jahr später legte er ihnen zwölf Tugenden ans Herz. Was, fragte sich jeder, kommt jetzt?

Es kam ein Marschplan der Kurienreform. Seit dreieinhalb Jahren ist sie im Gang, begleitet von einem Rat von neun Kardinälen, derzeit in schwerer See wie nie zuvor. Innerhalb der Kardinalsriege formiert sich Widerstand, teils allerdings mehr gegen den theologischen Kurs des Papstes als gegen seinen Kurienumbau. Das Gesicht der Unzufriedenen ist US-Kardinal Raymond Leo Burke. Er saß am Donnerstag unter den Zuhörern in der Sala Clementina des Apostolischen Palasts.

Reform sei ein Zeichen von Vitalität und damit notwendig, sagte Franziskus in seiner Rede, stehend vorgetragen, das Skript gespickt mit 43 Fußnoten. Es gehe um einen "Prozess des Wachstums und vor allem der Bekehrung" - kein Selbstzweck, keine "Schönheitsoperation, um die Falten zu entfernen", sagte der Papst. "Es sind nicht die Falten, vor denen man sich in der Kirche fürchten muss, sondern die Schmutzflecken."

Hürden auf dem Weg der Veränderung nannte er "normal, ja heilsam". Neben konstruktiver Kritik, Angst und Trägheit gebe es aber auch "böswillige Widerstände" aus einem "verqueren Geist". Diese Art von Reformverweigerung, die "oft im Schafspelz" daherkomme, verstecke sich "hinter rechtfertigenden und in vielen Fällen anklagenden Worten und flüchtet sich in Traditionen, Schein, Formalitäten, in das Bekannte".

Konkreter wurde der Papst nicht. Die vernehmlichste Kritik an seiner Amtsführung betraf zuletzt Auslegungsunsicherheiten in seinem Schreiben "Amoris laetitia", wo es um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen geht. Dies ist nun eine Frage von Moral und Recht, und darauf bezieht sich auch Burke, der mit anderen Kardinälen eine Klarstellung des Papstes fordert.

Franziskus allerdings betont als Zweck der Kurie die Verkündigung der Liebe Gottes; Pastoral und Verwaltung sind verschränkt, und Kritik im einen Bereich kann auch als symptomatisch für Unmut im anderen gesehen werden.

In seinen zwölf Leitlinien der Reform mahnt Franziskus die Kurialen zu einer "persönlichen Bekehrung" und zu mehr seelsorglichem Denken. Eine Haltung des Dienens und der Gemeinschaft sei zugleich Gegenmittel gegen "alle Gifte des eitlen Ehrgeizes und der trügerischen Rivalität".

In der Kurienorganisation setzt der Papst auf  "Vereinfachung und Verschlankung", auf Subsidiarität und Synodalität, eine Anpassung an heutige Bedürfnisse und mehr Effizienz durch die Zusammenlegung thematisch verwandter Bereiche. Dies solle der betreffenden Behörde auch mehr Gewicht in der Außenwirkung geben, so der Papst. Eine solche Entscheidung betraf im September die Bündelung der Ämter für Menschenrechte und Entwicklung, humanitäre Hilfe und Gesundheitswesen.

Ausdrücklich verlangt Franziskus eine stärkere Beteiligung von Laien vor allem in Behörden, in denen jetzt hauptsächlich Kleriker oder Ordensleute arbeiteten. Die "Würdigung der Rolle der Frau und der Laien im Leben der Kirche und ihre Integration in Leitungsaufgaben der Behörden" sei sehr wichtig, sagte er. Besonders gelte es kulturelle Vielfalt zu fördern.

Mit der Praxis, ungeeignete Amtsinhaber zu befördern, um sie wegzuschaffen, soll nach dem Willen des Papstes endgültig Schluss sein. Er nannte diese Gepflogenheit einen "Krebs". Weiter verteidigte er die versuchsweise und befristete Einführung von Änderungen. Dies sei kein Zeichen von Unentschlossenheit, sondern einer "notwendigen Flexibilität, um zu einer echten Reform zu kommen".

Auch ein Weihnachtsgeschenk gab es für die Kurienmitarbeiter: die kleine Schrift "Handreichungen zur Heilung der Krankheiten der Seele" des Jesuiten Claudio Aquaviva (1543-1615). Franziskus hatte diese geistlichen Übungen als junger Mann studiert; nach seiner Weihnachtsansprache 2014 wurde er nach eigenen Worten von Kardinal Walter Brandmüller wieder daran erinnert.

(22.12.2016, KAP)