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71 Bürgermeister im Vatikan: "Netzwerk der Herbergsorte" stärken

Auf Einladung der Päpstliche Akademie für die Wissenschaften haben 71 Bürgermeister von Flüchtlingsstädten in Europa und dem Mittelmeerraum am Wochenende im Vatikan getagt und eine Abschlusserklärung veröffentlicht. Es wurden Erfahrungen im Umgang mit Flüchtlingen ausgetauscht und mögliche Lösungen für Probleme wie die Unterbringung und die Integration besprochen.

Gekommen waren die Chefs von Metropolen wie Rom, Paris und Berlin. Aus Österreich waren Salzburgs Stadtoberhaupt Heinz Schaden und Traiskirchens Bürgermeister Andreas Babler dabei. Papst Franziskus sandte eine Grußbotschaft, die von Akademie-Kanzler Bischof Marcelo Sanchez-Sorondo verlesen wurde und bat um Verständnis, dass er aus Termingründen keine Audienz geben könne.

In vielen Redebeiträgen sei die häufig fehlende Unterstützung und mangelnde Lösungskompetenz der internationalen Politik angesprochen worden, heißt es im Abschluss-Statement. Ein gerechteres und humaneres Europa wurde als Ziel angegeben. Dabei setze man auf verstärkte internationale Vernetzung.

Salzburgs Stadtchef Schaden zeigte sich am Montag im ORF zufrieden. Er habe die Lage in der Stadt Salzburg darstellen können, vom Sommer 2015 bis heute: "Ich habe erzählt, dass wir in einer Situation, auf die wir nicht vorbereitet waren, einfach alle mustergültig zusammengearbeitet haben - die sogenannte Zivilgesellschaft, die Einsatzorganisationen, die kirchlichen Einrichtungen, natürlich auch Stadtverwaltung und das Land Salzburg", sagte Schaden nach dem Treffen. "Dieses Zusammenwirken in einer Ausnahmesituation hat sehr gut funktioniert, weil einfach jeder und jede das Richtige gemacht hat."

Für den Vatikan haben die Bürgermeister eine Schlüsselrolle für den Umgang mit Flüchtlingen und Migranten. Daher wurde die Tagung auch einberufen, um über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus zu diskutieren. "Ich habe mitgenommen, dass auf der kommunalen und Bürgermeister-Ebene diese Thematik relativ ideologiefrei betrachtet wird - so nach dem Motto: 'Wir haben ein Problem, also müssen wir's irgendwie lösen und damit umgehen'", sagte Schaden. "Es war sicher ein Erfahrungsaustausch und ein bisschen ein Vernetzen."

Schlimmste Krise seit Zweitem Weltkrieg

Die großen Städte Europas seien ebenso wie Städte Amerikas und Asiens von der schlimmsten Krise der Zwangsmigration seit dem Zweiten Weltkrieg betroffen, heißt es in der Schlussresolution. Die Vertreter der Städte hätten in Rom das europäische Bewusstsein repräsentiert. Man habe die Notwendigkeit erkannt, ein Netzwerk von Bürgermeistern zu schaffen, das in der Lage sei, Städte als "Herbergsorte" zu erfassen, die in der Lage seien, sichere und legale humanitäre Korridore innerhalb der Europäischen Union mitzuorganisieren. Diese sollten von der internationalen Gemeinschaft anerkannt werden, und sie sollten deren Solidarität ausdrücken. Die Bürgermeister dieser Städte sollten befähigt werden, ihre Verantwortung in besserer Weise auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene auszuüben.

Das neue Netz der Bürgermeister solle auch Lösungen für Opfer der modernen Sklaverei und des Menschenhandels - in Form von Zwangsarbeit, Prostitution und Organhandel - anbieten. Das Netzwerk solle dazu beitragen, den entrechteten, arbeitslosen Jugendlichen und denjenigen, die wirtschaftlich durch die anhaltende Nachfrage nach billigen und nicht tarifkonform bezahlten Arbeitskräften Schaden erlitten hätten, einen Sinn für Gerechtigkeit und Chancen zu bieten. Dies impliziere die Umsetzung eines breiten Programms mit Sozialausgaben für Gesundheit, Bildung, Ausbildung, Arbeitslosenhilfe und Familienbeihilfen, die durch die Schließung von Steueroasen finanziert werden.

Wörtlich heißt es in der Erklärung: "Krieg und Terror, Armut, wachsende Ungleichheit, Klimawandel, Erniedrigung stehen hinter dem Drama der 65 Millionen Flüchtlingen. Es muss dringend ein Weg eingeschlagen werden, der nicht auf Verteidigung setzt, sondern auf nachhaltige Entwicklung, mit Hilfe der am meisten entwickelten Länder. Mauern werden nie die Suche nach Sicherheit, Würde und Frieden unterdrücken. Städte müssen Brücken der Nächstenliebe, Solidarität, des Vertrauens und der Hoffnung bauen, um unsere Flüchtlingsbrüder, unsere Flüchtlingsschwestern, unsere Flüchtlingskinder zu heilen und damit so in Gemeinsamkeit das Prinzip der Menschlichkeit gesichert wird."

Auch Vertreter der skeptischen Länder anwesend

Wie "Radio Vatikan" am Wochenende berichtete, seien auch Bürgermeister aus Ländern, deren nationale Regierungen der Aufnahme von Flüchtlingen eher skeptisch gegenüber stehen, anwesend gewesen. Auch sie setzten sich sehr für Integration und ein Willkommen ein, berichtete etwa Marcel Philipp, Bürgermeister von Aachen. Hier sei eine Spannung zwischen nationaler und kommunaler Ebene zu beobachten gewesen.

Im Blick auf Köln hieß es, dass sich durch den Zuzug von Geflüchteten in den letzten Jahren "weder die Sicherheitslage geändert" noch "durch die Silvesternacht die Willkommenskultur" verändert habe, wie Henriette Reker, Oberbürgermeisterin von Köln, sagte. Sie warnte in ihrem Beitrag bei der Vatikankonferenz vor einer Ghettoisierung von Geflüchteten. Ausgrenzung, Neid und Missgunst könnten am besten verhindert werden, wenn man sich kennenlerne und den Alltag teile, so Reker. "Ich bin zuversichtlich, dass die Integration gelingen wird, auch und gerade mit Hilfe der Religionsgemeinschaften."

(12.12.2016, KAP)