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70 Jahre Kirchenzeitung

junge Verteiler der Kirchenzeitung

St. Pölten, 04.01.2016 (dsp) Vor 70 Jahren erschien zum ersten Mal das „Kirchenblatt für die Diözese St. Pölten“. Da sie als einzige Kirchenzeitung Österreichs ausschließlich in der russischen Besatzungszone redigiert, gedruckt und verbreitet wurde, galt es mannigfaltige Schwierigkeiten zu überwinden.

Schon während des Krieges wurden in der Kirche Österreichs Überlegungen für den Aufbau des kirchlichen Lebens nach dem Krieg angestellt. Auch der St. Pöltner Bischof Michael Memelauer entwarf mit seinen Mitarbeitern solche Pläne. Schon zwei Wochen nach Kriegsende, am Pfingstmontag, dem 21. Mai 1945, veröffentlichte er ein Pastoralschreiben an den Klerus, in dem er den künftigen Kurs der Kirche als rein seelsorgliches Wirken fern aller Parteipolitik beschrieb.
Am Nachmittag dieses Pfingsmontags lud er dann alle Priester der Stadt St. Pölten zu einer Besprechung in das schwer beschädigte Bistumsgebäude ein. Der 70-jährige Bischof entwickelte ein umfassendes religiöses und kirchliches Aufbauprogramm, zu dem auch das Projekt einer Kirchenzeitung gehörte.

In der Frage, ob es eine gesamtösterreichische Kirchenzeitung oder diözesane Blätter geben solle, entschieden die Bischöfe bei ihrer Herbstkonferenz 1945 in Salzburg zugunsten diözesaner Kirchenzeitungen. Bischof Memelauer legte daher dem Konsistorium den Plan für die Gründung eines diözesanen Kirchenblattes vor und beauftragte den damaligen Ordinariatssekretär Franz Willinger mit der Redaktionsleitung. Ab Mitte November begann dieser mit den Vorarbeiten und holte Erkundigungen in anderen Diözesen ein, wo das Projekt einer diözesanen Kirchenzeitung schon früher angegangen werden konnte, da es nicht unter den Einschränkungen der russischen Besatzer verwirklicht werden musste.

Unter welchen Bedingungen solche Erkundungsfahrten stattfanden, schildert der 1985 verstorbene Chefredakteur Franz Willinger in seinen Aufzeichnungen: „Dezember 1945. Endlich hatte ich für eine Reise bis Innsbruck ein Permit der Besatzungsmächte erhalten. Wollte ich doch wissen, welche kirchlichen Pressepläne man im Westen verfolgt. Die Heizung im Zug war eingefroren, die Fenster mit Brettern zugenagelt, der Wind pfiff durch die Fugen. Man drückte sich schützend in eine Ecke …“

Zu den Problemen mit der Informationsbeschaffung kam die Sorge um das benötigte Papier. Irgendwie gelang es doch, dass die erste Ausgabe in der Pressvereinsdruckerei in der Linzer Straße am 20. Dezember 1945 gedruckt und von dort auch zeitgerecht versandt werden konnte. Die 15.000 Exemplare der ersten Nummer waren sofort vergriffen. In wenigen Wochen schnellte die Auflage auf 45.000 hinauf. Nach den Jahren des Krieges und der NS-Herrschaft war der Hunger nach Lesestoff, auch nach religiösem, groß. Doch woher das Papier nehmen für diese Nachfrage? Von den Russen war keine Unterstützung zu erwarten. „So galt es, Augen und Ohren offen zu halten um zu erfahren, wo ein Lastwagen mit Papierrollen ankam, um das notwendige Quantum aufzutreiben“, erinnert sich Willinger.

Zum Problem der Papierbeschaffung kam noch ein anderes: die russische Zensur. Hier hatte es die St. Pöltner Kirchenzeitung von allen diözesanen Blättern in Österreich am schwersten. Zwar erschienen auch die Wiener und die Eisenstädter Kirchenzeitung in der russischen Zone, sie hatten aber den Vorteil, dass Redaktion und Druckerei in Wiener Bezirken mit alliierter Besatzung lagen. Das befreite sie von der Zensur. Zum 10-jährigen Bestehen der Kirchenzeitung gehörten diese Probleme nach dem Abschluss des Staatsvertrages dann aber der Vergangenheit an.

Immer wieder bemühte sich die Redaktion, neue Informationsquellen zu erschließen und vor allem auch die Leiden und Verfolgungen der Gläubigen in den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang öffentlich bekannt zu machen. Viele Kontakte im Verborgenen gab es dazu vor allem in die Tschechoslowakei und nach Polen.

Aber auch die jeweils neuesten technischen Möglichkeiten in Redaktion und Druck wurden genutzt. Einen entscheidenden Einschnitt in der Herstellung brachte das Jahr 1960 mit der Einführung des Tiefdrucks, einen weiteren das Jahr 1985 mit der Umstellung auf Rollenoffset-Druck.
1990 haben die Computer in den Redaktionsräumen von „Kirche bunt“ Einzug gehalten und immer schnellere und funktionsreichere Programme ermöglichen es, dass heute die gesamte Zeitung inklusive der Bilder druckfertig als „Datenpaket“ von der Redaktion an die Druckerei des NÖ Pressehauses geliefert wird.

Bischof Michael Memelauer in Nr. 1/1946

Zum guten Geleit!
Ein Bote mit froher Kunde klopft an der Tür und bittet um Einlass: Das „Kirchenblatt für die Diözese St. Pölten“. Mit großer Freude schreibe ich ihm ein empfehlendes Wort, gerne legitimiere ich es als Boten der Kirche und des Bischofs und mit doppelter Freude erteile ich ihm meinen bischöflichen Segen für seine Wanderschaft durch die Diözese.
Was will das Kirchenblatt? Es will als wöchentlicher Bote der Kirche die Vater-unser-Bitte verwirklichen helfen: Zu uns komme dein Reich! Es will Glaubensüberzeugung wecken in den Herzen seiner Leser, es will Glaubensfreude wecken in den Herzen der Jugend, es will immer wieder zum Bewusstsein bringen, was für ein großes Gnadenglück es ist, ein katholischer Christ zu sein.
Möge das Kirchenblatt in allen Häusern und in jeder Familie freudige Aufnahme und eifrige Leser finden! Möge es den gläubigen Seelen ein guter Freund, den Zweifelnden ein kluger Ratgeber, den Irrenden ein verlässlicher Ratgeber zum Glück des Glaubens werden!
Kirchenblatt für die Diözese St. Pölten! Gottes Segen begleite dich auf deinen Wegen!

Bilder: Kopf des ersten Kirchenblattes; junge Verteiler der Kirchenzeitung (Archiv Kirche bunt)