Sommerkampagne 2016
Sommerkampagne 2016
 
 

130 Priester der Diözese St. Pölten drücken die Schulbank

Priesterstudientagung in St. Pölten

St. Pölten, 22.02.2016 (dsp) 130 niederösterreichische Priester sowie Diakone und Pastoralassistent/innen nehmen an der dreitägigen - bis Mittwoch laufenden - Priesterstudientagung im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt teil. Themen sind das Reformationsgedenkjahr 2017, die Kernpunkte evangelischer Spiritualität sowie Reformation und Gegenreformation.

Für die Diözese St. Pölten sei es zum Beispiel bedeutsam zu sehen, welche theologischen Ansätze es bei den evangelischen Christen gebe, so Weihbischof Anton Leichtfried, der für die Fort- und Weiterbildung der Priester der Diözese zuständig ist. In der Diözese St. Pölten seien zwar nur rund drei Prozent der Bevölkerung evangelisch, der Blick auf andere Konfessionen sei aber wichtig. Außerdem wolle man mit der Veranstaltung die Wertschätzung gegenüber der evangelischen Kirche betonen.

Der Wiener Kirchenhistorischer Prof. Thomas Prügl referierte über die historische Situation der evangelischen Kirche in Ostösterreich. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gebe es nicht mehr eine exklusive Sicht der Kirche, sondern eine inklusive, die auch andere Christen als Teil der Kirche sehe. Die evangelische Kirche zu verstehen, bedeute auch, die katholische besser zu verstehen. Mit Blick auf das Reformationsjubiläum meinte er, dass es hinsichtlich der epochalen Wirkung der Reformation Ernüchterung in der protestantischen Kirche gebe. Es sei eine Herausforderung, das Wesen des Protestantismus neu zu bestimmen und Holzwege und Irrungen einzugestehen. Das wofür dieser eingetreten sei, habe sich nicht verwirklicht: nämlich ein besseres Christentum. Es gebe mitunter auch starke Kritik an Martin Luther: dessen Plädoyer für einen Obrigkeitsstaat sei ein Problem für die Entwicklung des demokratischen Staates gewesen.

Der Einfluss der Reformation sei deshalb so tiefgreifend gewesen, so Prügl, weil religiöse Probleme eng mit sozialen, wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten verknüpft seien. Der Reformruf der damaligen Zeit sei keine Erfindung Martin Luthers gewesen, sondern geradezu das Grundgefühl der spätmittelalterlichen Kirche. Seit dem 14. Jahrhundert habe sich das Gefühl verfestigt, die Kirche sei ein zugewucherter Garten, der dringend der Reparatur – und zwar an vielen Fronten – bedürfe. Konzilien als Foren der Kirchenreform sollten die Reform ins Werk setzen und das habe gleichzeitig die Reformthematik angeheizt. Die nicht vollzogene Kirchenreform, v.a. die ausgebliebene Kurienreform habe die Frustrationen über das Reform resistente Papsttum am Köcheln gehalten. Reform sei in aller Munde gewesen, nicht erst seit den berühmten 95 Thesen von Luther. Prügl verwies auch darauf, dass das Spätmittelalter eine Zeit großer Frömmigkeit gewesen sei, das 14. und 15. Jahrhundert würden laut Prügl als eine der frömmsten Epochen der gesamten Kirchengeschichte gelten. Die Sorge um das Seelenheil und alles was damit zusammenhängt sei enorm gewesen. So seien persönliche und finanzielle Aufwändungen und das Engagement sehr hoch gewesen. Er nannte weiters die Heiligenverehrung, die vielen Wallfahrten, die Reliquiensammlungen, aber auch die Ablässe. Die Reformation, als ihr Luther mit seiner Kritik am Ablass 1517 die Initialzündung auslöste, sei also in vielfacher Hinsicht vorbereitet gewesen und sei auf breites Terrain gefallen.

Die Kirchenreform sei übrigens eine öffentliche Angelegenheit gewesen, die man breit diskutiert habe. Prügl nennt als Voraussetzungen dafür einen hohen Grad an Alphabetisierung, hohe allgemeine Bildung sowie den Buchdruck. Man habe sich gegenseitig vorgelesen, so wurden die Schriften Luthers bald sehr bekannt.

Weitere Referenten sind der Erfurter Theologe Prof. Josef Freitag, der über Reformation und evangelische Theologie aus katholischer Perspektive sprach, sowie Prof. Sven Grosse aus Basel, der über Kernpunkte evangelischer Spiritualität referierte.