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10.000 Jugendliche zum Taize-Treffen im lettischen Riga erwartet

Das nächste Europäische Taize-Jugendtreffen findet vom 28. Dezember bis 1. Jänner in Riga (Lettland) statt. Es soll eine weitere Etappe des "Pilgerwegs des Vertrauens auf der Erde" sein, den Taize-Prior Frere Roger Schutz (1915-2005) Ende der 1970er-Jahre ins Leben rief.

Zu dem Treffen werden 10.000 Christen der verschiedenen Bekenntnisse erwartet. Taize-Prior Frere Alois Löser wird in Riga eine Botschaft unter dem Titel "Gemeinsam Wege der Hoffnung eröffnen" präsentieren. <--break->

Riga hat eine lange evangelisch-lutherische Tradition. In Lettland sind die Christen der verschiedenen Kirchen eng miteinander verbunden. Die offiziellen Vertreter der römisch-katholischen, der orthodoxen, der evangelisch-lutherischen sowie der baptistischen Kirche hatten gemeinsam die Taize-Gemeinschaft eingeladen, ein europäisches Treffen in ihrer Stadt vorzubereiten. Zum ersten Mal erfolgt dies auch in einer Stadt, in der viele orthodoxe Gläubigen leben.

Riga ist jedoch eine deutsche Gründung. Die Deutschbalten haben die Geschicke der größten Stadt des Baltikums bis ins 20. Jahrhundert mitgeprägt. Die Ähnlichkeit mit Lübeck kommt nicht von ungefähr: Mit dessen Gründung 1159 war ein verkehrsgünstiger Ausgangspunkt für den deutschen Ostseehandel entstanden. Albert von Bokeshovede, Bischof von Livland, landete im Frühjahr 1201 mit einem Kreuzfahrerheer nahe dem Ufer der Daugava (Düna). Bereits 1211 wurde mit dem Bau der spätromanischen Bischofskirche begonnen - bis heute die größte des Baltikums.

Mit dem Zuzug deutscher Kaufleute und Handwerker war Riga, seit 1282 Mitglied der Hanse, spätestens vom 14. Jahrhundert an eine der bedeutendsten Handelsstädte der Ostsee. Seit dem 16. Jahrhundert, nach dem Eindringen der Reformation, folgten dann Jahrhunderte der Fremdherrschaft: Polen, Schweden und seit Anfang des 18. Jahrhunderts Russen hießen die neuen Herren.

Die Deutschbalten stellten in Riga allerdings noch bis Ende des 18. Jahrhunderts die Bevölkerungsmehrheit. Bis zur Russischen Revolution 1917 spielten sie im gesamten Zarenreich eine bedeutende kulturelle und politische Rolle. Späte Nachkommen aus Riga und Umgebung sind der Komiker Heinz Erhardt, der Architekt Meinhard von Gerkan oder der FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff.

Eine neue Blüte erlebte Riga mit der Industrialisierung seit Mitte des 19. Jahrhunderts, was ein Spaziergang durch die Innenstadt belegt. Ganz nebenbei ist Riga eine wenig bekannte Metropole des europäischen Jugendstils. Etwa 800 Gebäude, rund ein Drittel des Stadtzentrums, stammen aus dieser Epoche - der UNESCO eine Eintragung in die Liste des Weltkulturerbes wert.

Die Jahrhunderte der Fremdherrschaft gipfelten in der Erniedrigung unter dem Sowjetstern. Das erste kurze Intermezzo lettischer Unabhängigkeit seit 1918 wurde 1939 durch den Hitler-Stalin-Pakt beendet, der Platz um das symbolträchtige nationale Freiheitsdenkmal von 1935 von den Sowjets zum Busbahnhof degradiert. 

Wie schon im Ersten Weltkrieg machten Nazis und Sowjets Riga und das Baltikum zum Schauplatz und Spielball wechselnden Schlachtenglücks. Letztere behielten die Oberhand und betrieben über Jahrzehnte eine massive Russifizierung der Stadt. 1991 kam schließlich die Unabhängigkeit Lettlands, das 2004 der EU und d er NATO beitrat und 2014 den Euro einführte.

 

(KAP, 18.12.2016)