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Pfarren und "ihre" Flüchtlinge schon vielfach zu Familien zusammengewachsen - mit allen Zahlen aus der Diözese

St. Pölten-Horn-Ybbsitz-Randegg-Göttweig, 26.09.2015 (dsp) Immer mehr Pfarr- und Ordensgemeinden nehmen Flüchtlinge auf. Die Pfarren unterstützen diese Menschen in Not vielerorts in Kooperation mit der Caritas und anderen Stellen großartig. Hier stellen wir einig Beispiele und geben einen Überblick über die Hilfe.

„Wo so große Not herrscht, muss man helfen“, betont Monika Bramauer. Sie wirkt im Sozialausschuss der Pfarre Ybbsitz mit und begleitet seit März mit anderen Pfarrmitarbeiter/innen zwei syrische Flüchtlingsfamilien mit insgesamt neun Personen. Acht davon haben mittlerweile Asylstatus, einer einen befristeten. Gab es anfangs auch Vorbehalte im Ort, so wüssten nun alle: „Es gibt absolute keine Probleme mit ihnen.“ Familienvater Amadi sagt: „Wir sind mit unseren Ybbsitzer Begleitern mittlerweile wie eine Familie zusammengewachsen und sind dankbar für alles.“
 
Amadi denkt oft an Zuhause. An die Menschen, die er zurücklassen musste. An die vielen, die unter schwerster Not leiden und dauernd um ihr Leben fürchten müssen. Wichtig ist ihnen rasch Deutsch zu lernen. Sie leben sehr selbstständig, kümmern sich um den Garten des Hauses und wollen sich rasch integrieren. Da hat sich bereits viel ergeben: Teilnahme am Bergfest der Katholischen Jugend oder beim Mitkicken beim Ortsturnier. Umgekehrt leben sie auch selber die Gastfreundschaft vor und luden die Ybbsitzer Helfer als Dankeschön zu einer Hausfeier ein, wo sie syrische Speisen servierten.
 
Die Pfarre Ybbsitz betont: „Es sind Menschen wie wir, sie haben gelebt wie wir und es sind unsere Freunde und Familie geworden.“ Wichtig sei es, gleich von Beginn an etwas für die Integration zu tun, das würde später bestimmt helfen. Die Stunden, die die Pfarrmitglieder aufbrachten, könne man nicht mehr genau zählen. Das habe begonnen mit der Renovierung des Hauses, die fast zwei Monate in Anspruch nahm. Weiters seien da das Erlernen der Sprache und Hilfe geben bei den Schulaufgaben. Oft gehe es auch nur darum, dass man einfach da ist, dass sie Zeit bekommen zum Reden, dass man Interesse zeigt an ihrer Geschichte und ihrer Kultur. Gemeinsame Ausflüge holen sie heraus aus ihrem oft sehr trüben Alltag. Wichtig sei auch das Einkaufenfahren oder die Begleitung zu Ärzten und Behörden. Lobenswert zu erwähnen seien die gute Kooperation mit den Behörden und Schulen. Das Lehrerteam mit ihren Direktoren seien sehr bemüht, das Bestmögliche für die drei schulpflichtigen Kinder zu tun. Bürgermeister Josef Hofmarcher erklärt, die Gemeinde stünde zu 100 Prozent hinter der Initiative der Pfarre. Hilfreich sei sicherlich, dass es in Ybbsitz eine starke Pfarre gebe, die viel bewege. Das seien oft Menschen die weniger reden, aber mehr tun, so Hofmarcher.

Göttweig: Familie lebte „ganz nah bei Jesus“

Auch immer mehr Orden nehmen Flüchtlingsfamilien auf – etwa das Stift Göttweig eine fünfköpfige syrische Flüchtlingsfamilie. „Wir hatten bei der Flucht kein Geld und nur das Nötigste mit, unser Haus haben wir gegen den Flug getauscht und dann sind wir in ein fremdes Land gekommen, wo wir niemanden kannten.“ Es sei schrecklich gewesen, sagt Mutter Taline. „Mein Glaube und das Gebet haben mir in meiner Not viel geholfen. Gott hat mich nicht im Stich gelassen, er hat mein Gebet erhört.“ In Göttweig hätten sie ein neues Zuhause und viele liebe Freunde kennen gelernt. Die Kinder Peter und Perla sind eifrige Ministranten geworden und haben fast keine Messe ausgelassen. Sie schwärmen beide von Göttweig und Sohn Peter sagt: „ Wir haben zehn Monate ganz nahe bei Jesus gewohnt“. Die Patres hätten viel Zeit mit ihnen verbracht, sie sehr unterstützt, viel geholfen, „sie sind unsere neue Familie geworden“. Seit September wohnen sie in Furth. Der Abschied von Göttweig sei ihnen schwer gefallen, „aber hier haben wir unsere Schulfreunde, das Geschäft, den Arzt neben uns und brauchen nicht immer ein Taxi“. Taline sagt: „Ich bin Jesus dankbar für die neue Heimat, die lieben Menschen, die wir hier kennen lernen durften. Mit unseren neuen Freunden können wir auch wieder herzhaft lachen und Spaß haben.“

„Willkommen Mensch in Horn“

„Es war ein großer Vorteil, dass bereits im März 2015 zwei Familien aus Syrien von der Pfarre Horn aufgenommen wurden, eine davon wohnt im Pfarrzentrum“, berichtet Pater Albert Groiß. Es sei im Vorfeld ein Anliegen gewessen, dass beide Familien aus demselben Kulturkreis stammen sollten, damit sie sich gegenseitig helfen konnten. Mit ihnen begannen die ersten Sprachkurse, mit ihnen wurden als erste Freundschaften geschlossen.
 
Sie waren auch bei der Informationsveranstaltung im Juni dabei, zu der Bürgermeister Jürgen Maier auch alle besorgten Horner/innen eingeladen hatte, als es hieß: „Ins Stephansheim, dem ehemaligen Altenheim, werden unter der Leitung der Caritas 100 Flüchtlinge einziehen.“ 400 Menschen waren zu dieser Bürgerversammlung gekommen, bei denen den Flüchtlingen ein Gesicht gegeben werden konnte, denn Murad aus dem Horner Pfarrheim konnte seine Geschichte vom Fußmarsch über die Balkanroute auch anhand von Handyfotos erzählen.
 
Bei dieser Versammlung sagten auch Stadtpfarrer P. Albert, die evangelische Pfarrerin und der Imam der muslimischen Gemeinde der Bevölkerung, dass sie sich gemeinsam mit ihren Gemeinden der „Gäste“ im neu entstehenden Haus „Helina“ (kurdisch: Geborgenheit) annehmen würden. Innerhalb weniger Tage entstand die überkonfessionelle Plattform „Willkommen Mensch in Horn“. Ausgehend von einer Facebook-Inititative saßen schließlich 120 Menschen beisammen, um zu beraten, wie das „Willkommen“ in Horn aussehen kann.
 
Die meisten der Gäste des Hauses Helina kamen in Familienverbänden, rund 30 Kinder sind mittlerweile in den Schulen und Kindergärten in Horn verteilt. Es handelt sich um Syrer, Iraker, Afghanen, Ukrainer, Menschen aus Eritrea und Somalia. Es sind Muslime und Christen. Die christliche Familie aus Mossul kommt jeden Sonntag zur Heiligen Messe, es war selbstverständlich für die Jugendlichen, beim Pfarrheurigen Ende August mitzuarbeiten. Die zuerst gekommenen Familien, die von der Pfarre betreut wurden - mittlerweile sind es drei -, helfen als Brückenbauer und Dolmetscher überall mit. Viele private Geldspenden (von Geburtstagsfeiern, Hochzeiten usw.) werden für die Horner Flüchtlinge bereitgestellt. Seit dem Einzug nehmen sich zahlreiche Ehrenamtliche Zeit, um den Flüchtlingen in Horn eine möglichst gute Zeit zu bereiten und mit ihnen Deutsch zu lernen.

Flüchtlinge in Randegg: Mit der Pfarre zur Familie zusammengewachsen

„Unser Haus wurde zerstört, ich wurde eingesperrt und man verlangte Lösegeld“, erzählt Emad. Der palästinensisch-stämmige Syrer aus Damaskus hat viel hinter sich, flüchtete unter mühsamen Umständen nach Österreich und lebt seit März mit seiner Frau Malak und vier Kindern in Randegg. Hier wird die Familie von der Pfarre begleitet und nach Kräften unterstützt.
 
Anfangs hätten sich einige Leute im Ort gefürchtet, doch bald sahen sie: „Es sind nette, freundliche Menschen, die höflich grüßen und genauso ihren Alltag bewältigen“, erzählt Uli Naske von der Pfarre, eine der Hauptunterstützer/innen der muslimischen Familie. Gleich am Anfang informierte die Pfarre über die Flüchtlinge, um Unwissen zu nehmen und die Randegger vorzubereiten. Ihr Mann, Diakon Thomas Naske, berichtet: „Sie helfen Nachbarn im Garten und bekochten uns beim Pfarrcafe nach syrischer Tradition.“ Und ein Sohn der Familie, Mosleh, gewann im Mai gar beim Maibaum-Kraxeln. Dennoch dauere es natürlich, bis sie das 1x1 der kulturellen Bräuche und der Kultur des Mostviertels genauer kennen.

Emad und seine Familie – die bereits asylberechtigt sind – führten in Syrien ein typisches und gutes Mittelschichtsleben: Er arbeitete bei einer Öl- und Gasgesellschaft als Elektriker. Jetzt lernen sie Deutsch, um bald ins Arbeitsleben einsteigen und mit den Nachbarn reden zu können. Dafür müssen er und seine Frau täglich mehrere Stunden auf sich nehmen, um nach St. Pölten zu fahren. Es sei eine echte Herausforderung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Landeshauptstadt zu gelangen. Malaks beide Brüder leben jetzt ebenfalls seit Juli im Mostviertel, sie warten noch auf ihren Asylstatus. Besonders beeindruckend ist die Integration der Kinder – sie beherrschen schon recht gut die deutsche Sprache und sind äußerst wissbegierig. Die Eltern sind immer wieder stolz, wenn die Kinder Lob aus der Schule und aus dem Kindergarten mit nach Hause bringen.

Uli und Thomas Naske berichten, dass die Kerngruppe der Unterstützer aus 10-15 Randeggerinnen und Randeggern besteht. Die pfarrliche Initiative nennt sich „Willkommen Menschen!...in Randegg“. Hilfe sei ansteckend, so Uli Naske. Viele sahen, dass sich die bekannt lebendige Pfarre engagiert und brachten sich ebenfalls ein. Die Unterstützung reichte von der Finanzverwaltung der Spendengelder über viele Fahrten zu Behörden oder zu Kursen bis hin zur Bereitstellung einer Wohnung, in der die Familie von Emad und Malak leben können. Das Gebäude wurde von einem Randegger zur Verfügung gestellt, der bald zum Diakon geweiht wird, nur die Betriebskosten müssen bezahlt werden. Auch die kirchlichen Hilfsorganisationen Diakonie und Caritas sowie die Behörden würden großartig helfen bzw. sehr gut kooperieren, erzählt das Ehepaar Naske. Die syrischen Flüchtlinge und die Pfarre Randegg sind schon so etwas wie eine Familie geworden.

Infos zusammengefasst:

- 266 Flüchtlinge sind in privaten Wohnungen und werden von 25 Pfarren betreut.
- 88 Flüchtlinge sind in pfarrlichen Unterkünften untergebracht.
- 285 Flüchtlinge sind in 14 Pfarren in der Grundversorgung.
- Weitere 17 Pfarren bereiten Flüchtlingsunterkünfte konkret vor.
- Etliche Pfarren riefen oder rufen zu Sachspenden auf und verteilten diese an Flüchtlinge.
- Weitere Pfarren stellen Räumlichkeiten und Ressourcen zur Verfügung. Konkretes Beispiel: die Pfarre Amstetten Herz Jesu ist derzeit voll ausgelastet: Es werden Räumlichkeiten und Ressourcen kostenlos für Folgendes zur Verfügung gestellt: Lernen mit Flüchtlingskindern; Näherinnenkurse; mehrere Sprachkurse - und das schon seit Monaten- die Caritas der Diözese St. Pölten hat alleine am Wochenende über 670 Transitflüchtlinge und Asylwerber in St. Pölten betreut, und betreut aktuell gemeinsam mit dem Roten Kreuz und Samariterbund 250 Asylwerber, die derzeit in Räumen der Stadt St. Pölten untergebracht sind. 

Aus den Pfarren verspüren wir großes Engagement und Hilfsbereitschaft, dabei untersützen die Diözese St. Pölten und die Caritas. Die Stärke der Pfarre liegt in der Integration, der Fokus liegt also auf die Integration von Flüchtlingen. Die Hilfe ist vielfältig: Hilfe bei Wohungssuche, Fahrten zu Behörden, Deutschunterricht, oder Lernen mit Kindern.
 
Die Klöster und Stifte in der Diözese sind ebenfalls aktiv: Im Stift Gottweig ist eine syrische Familie untergebracht, weiterer Platz wird geschaffen, im Stift Lilienfeld sind drei Familien, das Stift Melk bereitet im Meierhof Wohnmöglichkeiten für 12 Flüchtlinge vor. Im Kloster Hainstetten leben 12 Flüchtlinge, die auch von den Schwestern betreut werden.

Der Flüchtlingskoordinator der Diözese ist laufend auf der Suche nach geeigneten Objekten und Räumlichkeiten der Diözese und von Pfarren, um möglichst vielen weiteren Flüchtlingen eine Unterkunft zu geben. Es ist seine Aufgabe, in Zusammenarbeit mit den Pfarren, der Caritas und den zuständigen Einrichtungen von Land und Bund den baulichen und infrastrukturellen Zustand von Objekten zu beurteilen sowie die organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Für welche Anzahl von Personen noch Platz gefunden werden kann, ist jedoch schwer abzuschätzen.
 
Foto: Flüchtlinge in Ybbsitz