Wallfahrt Aschbach
Schöpfungszeit
Ökumenisches Gespräch Schallaburg
Fatimafeier Vestenthal
 
 

Papst eröffnet das Heilige Jahr der Barmherzigkeit

Foto: Radio Vatikan/ANSA

Vatikanstadt, 09.12.2015 (dsp/KAP) Papst Franziskus hat bei einem Festgottesdienst im Vatikan das Heilige Jahr der Barmherzigkeit eröffnet. Am Ende der Messe, zu der sich am Dienstagvormittag mehrere Zehntausend Gläubige versammelt hatten, öffnete der Papst die sonst geschlossene Heilige Pforte am Petersdom. Franziskus verzichtete anders als seine Vorgänger in der Vergangenheit auf die symbolischen drei Hammerschläge und stieß einfach die zwei Flügel des Portals auf. In den kommenden zwölf Monaten wird es von vielen Millionen Pilgern durchschritten werden, die betend und meditierend um Vergebung und Barmherzigkeit bitten. Unmittelbar nach Franziskus ging als zweiter Pilger des Jubiläumsjahrs Benedikt XVI. durch die Heilige Pforte. Der emeritierte Papst nahm in einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte an der Messe teil. 

Im Heiligen Jahr sollten sich die Gläubigen die Haltung des barmherzigen Samariters zu eigen zu machen, forderte Papst Franziskus. "Wir müssen die Barmherzigkeit dem Gericht voranstellen." Das Gericht Gottes müsse immer "im Licht der Barmherzigkeit stehen". Andernfalls tue man Gott und seiner Gnade Unrecht. In einem Gebet erflehte er ein "Jahr der Gnade", ein Jahr des Gottes- und der Nächstenliebe, ein Jahr der Vergebung und des Friedens. "Öffnet mir die Pforte der Gerechtigkeit", betete er. 

Durch die Heilige Pforte zu gehen bedeute, "die Tiefe der Barmherzigkeit des Vaters zu entdecken, der alle aufnimmt und jedem persönlich entgegengeht", so Franziskus weiter. "Möge das Durchschreiten der Heiligen Pforte uns also das Gefühl vermitteln, Anteil zu haben an diesem Geheimnis der Liebe". Im Heiligen Jahr werde man sich "immer mehr" von der Barmherzigkeit überzeugen können. 

Öffnung der Kirche für die Welt

Das Außerordentliche Heilige Jahr, das bis zum 20. November 2016 dauert, beginnt auf den Tag genau 50 Jahre nach dem Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). In seiner Predigt beim Eröffnungsgottesdienst rief der Papst zu einer weiteren Öffnung der katholischen Kirche für die Welt im Sinne des Konzils auf. Der "missionarische Impuls" des Konzils müsse "mit derselben Kraft und derselben Begeisterung" wie vor 50 Jahren wieder aufgenommen werden, sagte er. Das Heilige Jahr verpflichte dazu, "die aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil hervorgegangene Mentalität des barmherzigen Samariters nicht zu vernachlässigen", so Franziskus.

"Wenn wir heute durch die Heilige Pforte gehen, wollen wir auch an eine andere Pforte denken: an die Tür, welche die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils vor fünfzig Jahren zur Welt hin aufgestoßen haben", sagte der Papst weiter. Das Heilige Jahr "fordert uns zu dieser Öffnung heraus".

Das Zweite Vatikanische Konzil bedeute einen "großen Fortschritt" im Glauben, erklärte Franziskus. Es sei ein "neuer Aufbruch gewesen, um auf jeden Menschen dort zuzugehen, wo er lebt: in seiner Stadt, in seinem Haus, am Arbeitsplatz ... Wo auch immer er sich befindet, da muss die Kirche ihn erreichen, um ihm die Freude des Evangeliums zu bringen". Damals habe es eine "wirkliche Begegnung zwischen der Kirche und den Menschen unserer Zeit" gegeben. Dadurch sei die Kirche aus der "Dürre" herausgeführt worden, "die sie viele Jahre lang in sich selbst verschlossen gehalten hatte". 

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Der Gottesdienst auf dem Petersplatz fand bei leichtem Nieselregen und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Alle Personen mussten sich vor Betreten des Platzes einer Kontrolle unterziehen. Die Umgebung des Vatikan war für den Autoverkehr gesperrt, über der Stadt gilt ein Flugverbot, für das es allerdings offenbar etliche Ausnahmegenehmigungen gab.

Die Eröffnung des Heiligen Jahres endet am Abend mit einer Lichtshow auf dem Petersplatz. Bilder renommierter Fotografen zu den Themen Barmherzigkeit, Menschlichkeit und Umwelt werden auf Fassade und Kuppel des Petersdoms projiziert. Die Show nimmt Bezug auf die im Juni veröffentlichte Umweltenzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus. 

Millionen Besucher erwartet

In Verlauf des Heiligen Jahres in Rom wird mit mehreren Millionen zusätzlichen Besuchern in Rom gerechnet. Zuletzt fand 2000 zum Jahrtausendwechsel ein Heiliges Jahr statt. In der Regel werden solche Jahre alle 25 Jahre begangen. Diesmal handelt es sich um ein sogenanntes Außerordentliches Heiliges Jahr.

Die Öffnung der Heiligen Pforte ist seit 1499 verbürgt. Dahinter steht eine theologische Aussage: Das Durchschreiten der Heiligen Pforte symbolisiert den Übergang von der Schuld zur Gnade. Die Öffnung der Heiligen Pforte soll deutlich machen, dass den Gläubigen in diesem Jahr ein besonderer Weg für ihr Seelenheil offensteht.

Der Brauch erinnert an die frühchristliche Praxis, wonach Neu-Christen die Kirchenschwelle erst nach Erfüllung der Aufnahmebedingungen überschreiten durften, schwere Sünder erst nach Sühne ihrer Schuld. Jesus selbst benutzt im Johannes-Evangelium die Tür als Bild, um seine Rolle zu beschreiben: "Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden", heißt es dort.

Die gut dreieinhalb Meter hohe Heilige Pforte des Petersdoms wurde für das Heilige Jahr 1950 neu geschaffen. Die gut dreieinhalb Meter hohe Bronzetür ist ein Geschenk aus der Schweiz. Die Diözese Basel stiftete sie zum Goldenen Priesterjubiläum von Papst Pius XII. (1939-1958). Künstlerisch gestaltet wurde sie von dem italienischen Bildhauer Vico Consorti (1902-1979).

"Pforten der Barmherzigkeit" auch in der Diözese St. Pölten

Eine ständige Heilige Pforte haben neben dem Petersdom auch die anderen drei großen päpstlichen Basiliken in Rom: die Lateran-Basilika, Sankt Paul vor den Mauern und Santa Maria Maggiore. Ein Novum in der Kirchengeschichte ist, dass gemäß dem Wunsch von Papst Franziskus im nunmehrigen Heiligen Jahr auch weltweit in vielen Diözesen in Domkirchen, Wallfahrtsorten und Pfarren "Pforten der Barmherzigkeit" geöffnet werden, bei deren Durchschreiten Gläubige einen "Jubiläumsablass" erlangen können. Die Diözese St. Pölten eröffnet das „Jahr der Barmherzigkeit“ am 3. Adventsonntag, dem 13. Dezember 2015, mit dem Öffnen der „Pforten der Barmherzigkeit“ in den von Bischof Klaus Küng bestimmten vier Jubiläumskirchen. Küng öffnet die Pforte im Dom im Rahmen eines Festgottesdienstes um 10.30 Uhr. Die weiteren Pforten werden im Rahmen von Gottesdiensten um 9 Uhr in der Basilika Sonntagberg und jeweils um 10 Uhr in der Basilika Maria Taferl und in der Basilika Maria Dreieichen geöffnet.

Foto: Radio Vatikan/ANSA