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Ökumene-Tagung in Wien: Von den Kirchen im Nahen Osten lernen

Unter dem Titel "Ökumenismus im Nahen Osten: Vergangenheit und Gegenwart" findet bis Samstag in Wien eine gemeinsame Konferenz der Stiftung "Pro Oriente" und des Instituts für ostkirchliche Studien der Radboud-Universität Nijmegen (Niederlande) statt. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung des nahöstlichen ökumenischen Denkens, dessen Wurzeln tief in das 12./13. Jahrhundert hineinreichen.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Situation der unierten (mit Rom in voller Kirchengemeinschaft stehenden) Kirchen, die sich im Orient ganz anders darstellt als in Osteuropa.

Zielgruppe der Konferenz sind junge theologische Wissenschaftler sowohl aus orthodoxen als auch aus unierten Kirchen in Osteuropa. Prof. Herman Teule, Leiter des Instituts für ostkirchliche Studien in Nijmegen: "Die lange Tradition des ökumenischen Denkens in der nahöstlichen Region und die Art, wie dort die Wunden der Vergangenheit erkannt und überwunden worden sind, verdient es, an den theologischen Fakultäten in Europa besser bekannt zu werden".

Teule erinnerte zu Beginn der Konferenz laut einer Aussendung der Stiftung "Pro Oriente" daran, dass einer der Gründe für den Stillstand in den ökumenischen Beziehungen zwischen römisch-katholischer Kirche und orthodoxen Kirchen die Frage der unierten oder östlichen katholischen Kirchen ist. Das treffe vor allem auf die Ukraine, aber auch auf Länder des Balkans zu. Im Nahen Osten seien die Verhältnisse aber anders. Hier könne man eine viel bessere Zusammenarbeit zwischen den unierten Kirchen und ihren orthodoxen bzw. orientalisch-orthodoxen Mutterkirchen beobachten. Offensichtlich habe hier trotz einer auch in diesem geographisch-kulturellen Bereich von "wechselseitigen Animositäten" gekennzeichneten Geschichte eine "Reinigung des Gedächtnisses" stattgefunden, so Teule.

Die bedrängte Lage aller christlichen Kirchen im Orient - gleichgültig, ob sie orthodox, orientalisch-orthodox oder katholisch sind - habe zweifellos zur besseren ökumenischen Situation im Nahen Osten beigetragen. Im Nahen Osten könnten sich die Kirchen angesichts der Tatsache, dass ihre Existenz auf dem Spiel steht, keine Streitigkeiten erlauben, so Teule.

Ein weiterer Faktor sei die konfessionelle Vielfalt im Orient, wo es sowohl byzantinisch-orthodoxe Kirchen gibt als auch Kirchen, die sich im Gefolge der Konzile von Ephesus und von Chalcedon von der Reichskirche getrennt haben. Zwar hätten auch Teile dieser nicht-ephesinischen bzw. nicht-chalcedonensischen Kirchen als "Unierte" die Gemeinschaft mit dem Papst aufgenommen, aber in den letzten Jahrzehnten seien zwischen den Mutterkirchen und den "unierten" Gemeinschaften theologische Übereinkünfte zustande gekommen. Diese Vereinbarungen hätten dann auch zur Zusammenarbeit im Bereich der theologischen Bildung, der liturgischen Feiern und der pastoralen Initiativen geführt.

Nicht zuletzt habe aber auch die Tatsache eine Rolle gespielt, dass im Bereich der Kirche von Antiochien schon früh ökumenisches Denken entwickelt wurde. Das habe den Christen dieses Raumes ermöglicht, mit "viel Kreativität" auf die Annäherung der einstigen Feinde zu schauen.

Referenten der Konferenz sind außer Prof. Teule auch der Salzburger Ostkirchenexperte Prof. Dietmar Winkler, Anthony O'Mahony vom "Heythrop College" der Universität London und Prof. Heleen Murre van den Berg von der Universität Nijmegen. Thematisch werden u.a. die ersten Spaltungen in der orientalischen Christenheit behandelt, die Beziehung mit der islamischen Welt, die Kontaktaufnahme zwischen "westlichen" und "östlichen" Christen in der Kreuzfahrerzeit und der Beginn des ökumenischen Denkens bei großen Theologen des 13. Jahrhunderts.

Weiters wird die Entstehung der unierten orientalischen Kirchen (einschließlich der politischen Implikationen), das Aufkommen der protestantischen Kirchen im Nahen Osten im 19. Jahrhundert und schließlich unter dem Titel "Diaspora und Identität" die Situation der orientalischen christlichen Immigrationsgemeinden im Westen analysiert.

(11.12.2015, KAP)