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Flüchtlingshilfe: Vernetzungstreffen der Diözese zeigt große Hilfsbereitschaft in den Pfarren

Foto: Vernetzungstreffen in Steinakirchen; die Landkarte zeigt, wo bereits Flüchtlinge von Pfarren betreut werden

Zwettl-Steinakirchen, 15.10.2015 (dsp) Bei den Vernetzungstreffen der Diözese St. Pölten und der Caritas in Zwettl und Steinakirchen für Pfarren, die Flüchtlinge begleiten, zeigte sich eine riesige Hilfsbereitschaft. Bei den beiden Veranstaltungen konnten sich Pfarrangehörige umfassend informieren und gegenseitig austauschen. In Zwettl waren Dutzende Vertreter/innen von 11 Pfarren, in Steinakirchen von 17. Immer mehr Pfarren zeigen sich bereit zu helfen (siehe Zahlen unten).

St. Pöltens Caritas-Direktor Friedrich Schuhböck und PfarrCaritas-Leiter Christian Köstler sehen viel guten Willen, um die vor Krieg geflüchteten Menschen zu unterstützen. Laut Köstler würden sich in den Pfarren immer mehr Leute engagieren und sie würden einen „stolzen Beitrag“ für das Land leisten. Insgesamt werden in Pfarren der Diözese St. Pölten rund 800 Flüchtlinge betreut oder begleitet. Die Ansätze zur Hilfe seien vielfältig: manche arbeiten unter der Marke „Willkommen Mensch“ (Infos: willkommen-mensch.at). Überwältigend sei die Sachspendenhilfe, die Caritas verweist auch auf die SOMA-Märkte und auf die CARLA-Läden, wo Flüchtlinge günstig Lebensmittel oder Kleidung beziehen können. Hilfreich sei weiters die Kommunikation. Einerseits könnten die Unterstützer/innen-Kreise rasch intern via Facebook oder WhatsApp kommunizieren. Andererseits sei es wichtig, die Öffentlichkeit zu informieren: So sei man transparent und nehme Ängste und könne andere motivieren, ebenfalls mitzuhelfen.

Peter Haslwanter, Leiter des Bereichs Pfarre der Diözese St. Pölten, sagt, es gebe zahlreiche engagierte Gruppen, die mit viel Elan und großem Tatendrang helfen. Dabei geschehe viel und er sehe eine gute Stimmung bei den Unterstützer/innen.

Schuhböck berichtete bei dem Treffen vom enormen Anstieg der Asylwerber/innen-Zahlen. Gleichzeitig gebe es eine viel höhere Anerkennungsquote als in den Jahren zuvor. Der Caritas-Direktor räumte dabei auch mit Gerüchten auf, wonach Flüchtlinge mit Geld überhäuft würden. Firmen, die Asylwerber betreuen, bekämen pro Tag 19 Euro, die Flüchtlinge davon 5,50 Euro. Schuhböck: „Davon müssen sie drei Mahlzeiten zahlen – der Staat schenkt also nichts her.“ Weiters rückte er so manche öffentlich kolportierten Falschmeldungen zurecht. So können anerkannte Flüchtlinge im Rahmen des Familiennachzugs nur die Ehefrau (oder Ehemann) und die Kinder nachholen – und nicht etwa die ganze Verwandtschaft.

Viel Praktisches wurde bei den Thementischen besprochen: etwa die Unterstützung für Flüchtlinge beim Deutschlernen und bei Behördengängen, Wohnungssuche Konteneröffnung oder Fragen wie Versicherungsschutz. Als problematisch sehen viele an, dass Asylwerber nicht arbeiten dürfen, das werde in Niederösterreich restriktiv gehandhabt. Viele Flüchtlinge seien gut ausgebildete Handwerker oder Akademiker. Bei Anerkennung ihres Asylstatus sei es für sie schwierig, einen Job zu finden, noch dazu sei die generelle Arbeitslosigkeit ohnehin hoch. Zentral sei es, dass die Flüchtlinge rasch Deutsch lernen, das sei eine Grundvoraussetzung für Arbeit. Die meisten würden innerhalb kurzer Zeit große Fortschritte machen, Kinder würden sich ganz leicht tun. Klar sei auch, dass man den Geflüchteten viel erklären müsse: etwa bezüglich Straßenverkehrsordnung, Regeln des Umgangs miteinander und Erziehungsfragen. Der Fokus in der Diözese St. Pölten liegt in der Integration von Asylberechtigten in unsere Gesellschaft und Kultur, was lange Lernprozesse für alle Beteiligte erfordere.

Die Verantwortlichen aus den Pfarren berichten, dass viele Flüchtlinge sich rasch integrieren wollen, das klappe auch ganz gut etwa bei Fußballvereinen, Pfadfindern, bei Kochkursen oder bei „Nähcafees“, wo sie mit Einheimischen ins Gespräch kommen. Wichtig sei auch das Thema Nachbarschaft: Nachbarn sollten bald in guten Kontakt mit den Einwanderern kommen, das verstärke den Integrationsprozess. Der Caritas-Direktor betont: „Fürchtet Euch nicht! Das sind ganz normale Leute.“

Flüchtlingshilfe im Bereich der Diözese St. Pölten in Zahlen:

Flüchtlingsunterkünfte in Vorbereitung: 30
Flüchtlinge in privaten Wohnungen in 34 Pfarren: 364
Flüchtlinge in pfarrlichen Einrichtungen in 16 Pfarren: 122
Flüchtlinge in Quartieren der Grundversorgung in 18 Pfarren: 342

Weitere Pfarren stellen Räumlichkeiten und Ressourcen zur Verfügung. Konkretes Beispiel: die Pfarre Amstetten Herz Jesu ist derzeit voll ausgelastet: Es werden Räumlichkeiten und Ressourcen kostenlos für Folgendes zur Verfügung gestellt: Lernen mit Flüchtlingskindern; Näherinnenkurse; mehrere Sprachkurse - und das schon seit Monaten. Auch Organisationen wie die Katholische Jugend der Diözese St. Pölten sammelten Sachspenden für Flüchtlinge.

Die Caritas der Diözese St. Pölten betreut zahlreiche Transitflüchtlinge in St. Pölten oder Wieselburg, die oft nur für kurze Zeit dort sind.

Die Klöster und Stifte in der Diözese sind ebenfalls aktiv. Einige Beispiele: Im Stift Gottweig ist eine syrische Familie untergebracht, weiterer Platz wird geschaffen, im Stift Lilienfeld sind drei Familien, das Stift Melk bereitet im Meierhof Wohnmöglichkeiten für 12 Flüchtlinge vor. Im Franziskanerinnenkloster Hainstetten leben 12 Flüchtlinge, die auch von den Schwestern betreut werden.

Der Flüchtlingskoordinator der Diözese St. Pölten ist laufend auf der Suche nach geeigneten Objekten und Räumlichkeiten der Diözese und von Pfarren, um weiteren Flüchtlingen eine Unterkunft zu geben. Es ist seine Aufgabe, in Zusammenarbeit mit den Pfarren, der Caritas und den zuständigen Einrichtungen von Land und Bund den baulichen und infrastrukturellen Zustand von Objekten zu beurteilen sowie die organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Für welche Anzahl von Personen noch Platz gefunden werden kann, ist jedoch schwer abzuschätzen.

Foto: Vernetzungstreffen in Steinakirchen; die Landkarte zeigt, wo bereits Flüchtlinge von Pfarren betreut werden