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Flüchtlinge in Randegg: Mit der Pfarre zur Familie zusammengewachsen

Diakon Thomas Naske und seine Frau Uli, sowie der Randegger Aushilfskaplan Pater Martin Alukaputhussery besuchen die syrische Familie, die von der Pfarre begleitet wird.

Randegg, 24.09.2015 (dsp) „Unser Haus wurde zerstört, ich wurde eingesperrt und man verlangte Lösegeld“, erzählt Emad. Der palästinensisch-stämmige Syrer aus Damaskus hat viel hinter sich, flüchtete unter mühsamen Umständen nach Österreich und lebt seit März mit seiner Frau Malak und vier Kindern in Randegg. Hier wird die Familie von der Pfarre begleitet und nach Kräften unterstützt.

Anfangs hätten sich einige Leute im Ort gefürchtet, doch bald sahen sie: „Es sind nette, freundliche Menschen, die höflich grüßen und genauso ihren Alltag bewältigen“, erzählt Uli Naske von der Pfarre, eine der Hauptunterstützer/innen der muslimischen Familie. Gleich am Anfang informierte die Pfarre über die Flüchtlinge, um Unwissen zu nehmen und die Randegger vorzubereiten. Ihr Mann, Diakon Thomas Naske, berichtet: „Sie helfen Nachbarn im Garten und bekochten uns beim Pfarrcafe nach syrischer Tradition.“ Und ein Sohn der Familie, Mosleh, gewann im Mai gar beim Maibaum-Kraxeln. Dennoch dauere es natürlich, bis sie das 1x1 der kulturellen Bräuche und der Kultur des Mostviertels genauer kennen.
 
Emad und seine Familie – die bereits asylberechtigt sind – führten in Syrien ein typisches und gutes Mittelschichtsleben: Er arbeitete bei einer Öl- und Gasgesellschaft als Elektriker. Jetzt lernen sie Deutsch, um bald ins Arbeitsleben einsteigen und mit den Nachbarn reden zu können. Dafür müssen er und seine Frau täglich mehrere Stunden auf sich nehmen, um nach St. Pölten zu fahren. Es sei eine echte Herausforderung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Landeshauptstadt zu gelangen. Malaks beide Brüder leben jetzt ebenfalls seit Juli im Mostviertel, sie warten noch auf ihren Asylstatus. Besonders beeindruckend ist die Integration der Kinder – sie beherrschen schon recht gut die deutsche Sprache und sind äußerst wissbegierig. Die Eltern sind immer wieder stolz, wenn die Kinder Lob aus der Schule und aus dem Kindergarten mit nach Hause bringen.
 
Uli und Thomas Naske berichten, dass die Kerngruppe der Unterstützer aus 10-15 Randeggerinnen und Randeggern besteht. Die pfarrliche Initiative nennt sich „Willkommen Menschen!...in Randegg“. Hilfe sei ansteckend, so Uli Naske. Viele sahen, dass sich die bekannt lebendige Pfarre engagiert und brachten sich ebenfalls ein. Die Unterstützung reichte von der Finanzverwaltung der Spendengelder über viele Fahrten zu Behörden oder zu Kursen bis hin zur Bereitstellung einer Wohnung, in der die Familie von Emad und Malak leben können. Das Gebäude wurde von einem Randegger zur Verfügung gestellt, der bald zum Diakon geweiht wird, nur die Betriebskosten müssen bezahlt werden. Auch die kirchlichen Hilfsorganisationen Diakonie und Caritas sowie die Behörden würden großartig helfen bzw. sehr gut kooperieren, erzählt das Ehepaar Naske. Die syrischen Flüchtlinge und die Pfarre Randegg sind schon so etwas wie eine Familie geworden.

Foto: Diakon Thomas Naske und seine Frau Uli, sowie der Randegger Aushilfskaplan Pater Martin Alukaputhussery besuchen die syrische Familie, die von der Pfarre begleitet wird.