Sonntag der Völker
Sendungsfeier Pastoralassistent/innen
Weinstock
 
 

Bischof Küng: „Jahr der Barmherzigkeit“ ist nicht nur Jubiläum, sondern neuer Aufbruch

Öffnung der Heiligen Pforte im Dom von St. Pölten

St. Pölten, 13.12.2015 (dsp) Mit den Worten „Öffnet die Tore der Gerechtigkeit; lasst uns eintreten, um dem Herrn zu danken“ öffnete Bischof Klaus Küng am 3. Adventsonntag „Gaudete“ das Tor des Domes von St. Pölten als Heilige Pforte. Damit wurde das außerordentliche Heilige Jahr „Jubiläum der Barmherzigkeit“ in der Diözese St. Pölten eröffnet. Zugleich wurden auch die „Pforten der Barmherzigkeit“ in den weiteren vom Bischof bestimmten Jubiläumskirchen, den Basiliken Maria Taferl, Sonntagberg und Maria Dreieichen, geöffnet.

Bischof Küng erinnerte daran, dass es ein Novum sei, dass Heilige Pforten nicht nur in Rom, sondern auf Wunsch von Papst Franziskus auch weltweit in allen Diözesen geöffnet werden. Der Papst wolle, dass wir durch das wahre Tor der Barmherzigkeit, Jesus Christus, eintreten, „damit wir nicht zugrunde gehen, sondern gerettet werden“, damit alle Menschen Barmherzigkeit erfahren und „ein Verwandlungsprozess einsetzt“.

Als unmittelbaren Anlass für das „Jahr der Barmherzigkeit“ habe Papst Franziskus das 2. Vatikanische Konzil genannt, das vor 50 Jahren zu Ende ging. Es gehe jedoch nicht nur darum, ein Jubiläum zu feiern, wie Küng in seiner Predigt betonte: „Der große Wunsch des Papstes war von Anfang an ein neuer Aufbruch der Kirche in den gegenwärtigen Umständen, jetzt und heute. Und zwar ist ein Aufbruch gemeint mit einer Öffnung der Kirche nach außen, zu jenen hin, die sich am Rand oder außerhalb befinden.“

Dieses Heilige Jahr solle nach dem Wunsch von Papst Franziskus in besonderer Weise verdeutlichen, dass die Barmherzigkeit „der Kern des Evangeliums“ sei, so Küng. Der Papst sei diesbezüglich „ganz eng mit Johannes Paul II. verbunden, der Faustyne Kovalska heiliggesprochen und den Sonntag der Barmherzigkeit eingeführt hat, an seinem Vorabend gestorben ist“. Die Botschaft laute: „Gottes Liebe ist so groß, dass sie, ohne die Gerechtigkeit aufzuheben, weit über diese hinausreicht.“ Angesichts der Not des Menschen, der sich von seinem Schöpfer entfernt habe, sei Gott in seiner unendlichen Liebe aus sich herausgegangen und habe uns seinen Sohn gesandt. In Christus sei die Barmherzigkeit Gottes für uns „sichtbar und erfahrbar geworden“.

Das zur Zeit der Ankündigung des „Jahres der Barmherzigkeit“ der Flüchtlingsstrom nach Europa bereits eingesetzt hatte, bezeichnete Küng als „Fügung“ und „Zeichen“. „Wir können nicht einfach wegschauen, so tun, als würde es uns nichts angehen. Wir müssen helfen und ich bin froh darüber, dass gerade bei uns so viel für die Flüchtlinge getan wird“, mahnte der Bischof. Es gebe jedoch auch „Flüchtlinge in einem anderen Sinn“: Menschen, die vor Gott fliehen, die ihn noch nie kennen gelernt oder wieder vergessen haben und seine Gebote nicht halten. So sei das „Jahr der Barmherzigkeit“ eine „Einladung, die ans uns alle ergeht“: Auch wir seien berufen untereinander barmherzig zu sein, wie Papst Franziskus in der Verkündigungsbulle zum Heiligen Jahr schreibt.

Predigt im Wortlaut