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Dank-Kampagne für Bischof Klaus Küng
 
 

Bischofswunsch zu Silvester: Konsequenter Lebensschutz

St. Pölten, 31.12.2014 (dsp) In seiner Silvesteransprache ging Diözesanbischof Klaus Küng näher auf die jüngsten gesellschaftspolitischen Änderungen ein. Am 1. Jänner 2015 sind es genau 40 Jahre seit In-Kraft-Treten der sogenannten Fristenregelung. Gerade die derzeit im Gang befindliche Novellierung des Fortpflanzungsmedizingesetzes mache bewusst, wie sehr die Fristenregelung die Denkweise der Menschen beeinflusst habe.
Predigt im Wortlaut

Vor 20 Jahren wurde die künstliche Befruchtung gesetzlich geregelt. Einwände, dass bei künstlichen Befruchtungen überzählige Embryonen entstünden, dass bei Implantierung Fetozide durchgeführt würden, wenn mehrere Embryonen in der Gebärmutter einnisten, dass zudem die Erfolgsquote bei der künstlichen Befruchtung gering und Fehlversuche häufig seien, also zahlreiche Embryonen „verbraucht“ werden würden, seien jeweils mit dem Hinweis auf die vom Gesetz approbierte Fristenregelung beiseitegeschoben worden.

Ursprünglich sei die künstliche Befruchtung Ehepaaren vorbehalten worden unter der Voraussetzung, dass auf natürlichem Weg keine Schwangerschaft zustande gekommen war. Fast gleichzeitig habe sich immer mehr die pränatale Diagnostik eingebürgert. Sie sei gedacht gewesen für Risikoschwangerschaften; und wurde auch im Gedanken an die Möglichkeit von therapeutischen Maßnahmen an kranken Föten bzw. Neugeborenen eingeführt. Letzteres komme bis auf den heutigen Tag praktisch nicht vor. Wahr sei, dass Nackenfaltentest, Organscreening, Combined Test und Amniozentese heutzutage fast routinemäßig Schwangeren angeboten werden würde und bei geringstem Verdacht auf Vorliegen einer Anomalie ein „Schwangerschaftsabbruch“, das heißt eine Abtreibung, empfohlen werde. Inzwischen sei es auch für die Ärzte gefährlich geworden, pränatale Diagnostik nicht zu empfehlen und/oder vor einer möglichen Behinderung des Kindes nicht zu warnen, weil sie im Falle der Unterlassung und Lebendgeburt eines behinderten Kindes belangt und zu Schadenersatz verpflichtet werden können.

Ein Dammbruch ergibt den nächsten

In weiterer Folge sei außerdem das Partnerschaftsgesetz sowohl für hetero- als auch für homosexuelle Menschen beschlossen worden, künstliche Befruchtung aber nur heterosexuellen Paaren in anerkannter Partnerschaft bewilligt. Das wiederum sei Auslöser für das Urteil des Obersten Gerichtshofes gewesen, auch lesbischen Paaren dieses Recht zu geben wegen des Vorliegens einer Diskriminierung auf Grund der sexuellen Orientierung.

Der aktuellste Schritt sei das nur noch vom Parlament zu beschließende Fortpflanzungsmedizingesetz, das die Gesellschaft weiter in Richtung einer vermeintlich liberalen, und immer freizügigeren Gesetzgebung ohne Blick auf das Kindeswohl treibe. Die bisher streng verbotene, eigentlich verpönte Präimplantationsdiagnostik erlaube den umfangreichen Gencheck von künstlich befruchteten Eizellen im Labor. Beim geringsten Verdacht würden Embryonen im ersten Stadium ihres Lebens in großer Zahl „verworfen“ und entsorgt. Lesbischen Paaren werde nun künstliche Befruchtung erlaubt, sowie für alle Ehepaare und Partnerschaften Eizellspenden und Samenspenden von Dritten. Die Kinderwunschmedizin werde immer mehr zur „Kinderwunschindustrie“, wo nach Marktinteressen mit menschlichen Ressourcen gehandelt wird. All das sei auch ein lukratives Geschäft, so Bischof Küng.

Wir wollen konsequenten Lebensschutz

Es sei nicht schwer zu prophezeien, welches die nächsten Liberalisierungsschritte sein werden, so der St. Pöltner Bischof. Österreich werde von den Verfechtern dieser Politik als europäisches Schlusslicht in der diesbezüglichen Entwicklung apostrophiert. Wie schön wäre es, wenn Österreich im Gegensatz dazu führend würde, indem wir sagen: „Wir wollen einen konsequenten Lebensschutz, der auch den Anfang und das Ende des natürlichen Lebens einschließt. Wir wollen keine ‚Designerbabys‘, wir wollen keinen assistierten Suizid, sondern achtsamen Lebensschutz am Beginn des Lebens und eine menschenwürdige Betreuung der Kranken und Sterbenden. Das ist ein Fortschritt, das ist ein Land mit Zukunft. Wir achten jeden Menschen, auch bezüglich seiner sexuellen Orientierung, aber wir wollen und fördern die Familie, die auf der Ehe zwischen Mann und Frau begründet ist. Damit wollen wir niemanden diskriminieren und tun es auch nicht.“

Predigt im Wortlaut