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Bischof Küng: „Dieser Ad-limina-Besuch war sehr intensiv“

Foto: Osservatore Romano

St. Pölten, 07.02.2014 (dsp) „Kirche bunt“ sprach mit Diözesanbischof Klaus Küng und Weihbischof Anton Leichtfried nach ihrer Rückkehr aus Rom über ihre Eindrücke von den Begegnungen mit Papst Franziskus und ihren Gesprächen mit Vertretern der Kurie in den Kongregationen und Päpstlichen Räten.

Herr Bischof, was hat Sie diesmal beim Ad-limina-Besuch am stärksten beeindruckt?

Bischof Klaus Küng: Am stärksten beeindruckt haben mich die Begegnungen mit Papst Franziskus. Er ist jemand, zu dem man sofort Vertrauen fasst. Er ist freundlich, herzlich, hört gut zu und gibt keine vorschnellen Antworten. Man merkt seine persönliche Erfahrung, aber auch seine große Bescheidenheit und Einfachheit. Er hat eine besondere Ausstrahlung, die wohl damit zusammenhängt, dass er ein Beter ist und ein großes Herz hat. Nach einer Vorstellungsrunde und einer schlichten Erzählung von ihm über einen kurzen Wienaufenthalt vor ein paar Jahren kamen die uns wichtigen Themen zur Sprache, auch er hatte eine Frage an uns.

Welche Themen standen da besonders im Vordergrund?

Bischof Klaus Küng: Ich dankte ihm dafür, dass er sich so sehr des Anliegens der Familie annimmt und berichtete von der Umfrage, die deutlich gemacht hat, dass Familie für fast alle Menschen im Land wichtig ist, aber auch, dass die Lehre der Kirche in Bezug auf Familie von vielen nicht angenommen wird.
Ich erzählte dem Papst Franziskus auch von der Umfrage, die ich in Absprache mit der Bischofskonferenz unter Mitgliedern von Bewegungen und anderen überdiözesanen Einrichtungen, die sich mit Familienpastoral befassen, durchgeführt habe. Sie hat gezeigt, dass es auch bei uns in Österreich eine wachsende Zahl junger Paare gibt, die sich mit großem Eifer mit den Aussagen der Kirche über die Familie auseinandersetzen und denen der Glaube eine große Hilfe bedeutet. Diese Familien stellen eine große Hoffnung für Gesellschaft und Kirche dar. Sie haben wieder mehr Kinder, oft vier oder fünf, manchmal auch mehr. Ihnen ist die Weitergabe des Glaubens wichtig.

Wie hat Papst Franziskus diese Thematik aufgenommen?

Bischof Klaus Küng: Papst Franziskus griff das Thema sofort auf und erzählte, wie es zur Wahl dieses Themas für die nächste Bischofssynode gekommen sei und dass er seit langem erkannt habe, wie wichtig die Familie für Gesellschaft und Kirche ist, ja, für jeden einzelnen Menschen. Er sagte, dass eine echte Neuevangelisierung ohne Familie nicht möglich sei und dass es ein wichtiges Ziel der Synode und ihrer Vorbereitung sein werde, die Familie in die Mitte der Seelsorge zu bringen.
Es kam auch die Problematik der vielen gescheiterten Ehen und, im Allgemeinen, die große geistige Not vieler Menschen in der heutigen Gesellschaft zur Sprache. Er betonte einmal mehr, dass die Kirche so etwas wie ein Lazarett sein müsse, in dem die Menschen Hilfe finden.

War noch Gelegenheit, auch andere Themen anzusprechen?

Bischof Klaus Küng: Es wurden auch noch viele andere wichtige Themen behandelt wie zum Beispiel die Sorge wegen der vielen Kirchenaustritte, Priestermangel und unsere Suche nach geeigneten Wegen, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Papst Franziskus hat uns in seiner ruhigen Art sehr ermutigt. Man merkte, wie wichtig ihm die Anliegen der eucharistischen Anbetung und der Beichte sind und wie sehr es sein Verlangen ist, dass die schläfrigen Christen aufwachen und die Sendung der Kirche nicht nur vom Pfarrer und im Pfarrzentrum, sondern von jedem Einzelnen und überall – auf der Straße, im Büro und im Stiegenhaus – wahrgenommen wird.
In der Ansprache, die er uns am Tag nach dem abschließenden Zusammentreffen mit allen Bischöfen zukommen ließ, sind die wesentlichen Hinweise zusammengefasst.

Welches Resümee können Sie ziehen, wenn Sie diese vergangene Woche in Rom überblicken?

Bischof Klaus Küng: Der Ad-limina-Besuch war sehr intensiv, gekennzeichnet durch Gedankenaustausch und Gespräche mit allen Kongregationen und Päpstlichen Räten. Es war eine gute Gelegenheit, um unsere Situation darzulegen, aber auch um manche Fragen zu klären. Die Gespräche waren konstruktiv und aufbauend. Insgesamt ist immer wieder zum Ausdruck gekommen, dass unsere Lage ähnlich ist wie die der anderen Diözesen Mitteleuropas und dass die Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, aufgrund des Wandels der Gesellschaft und der Lebensverhältnisse unserer Zeit groß sind. Gleichzeitig waren wir uns alle einig, dass der Glaube an Christus, den Erlöser, auch für die Menschen heute die einzig sichere Hoffnung darstellt.
Sehr schön und berührend waren die feierlichen Gottesdienste in den vier Hauptkirchen und in der Anima, ohne die sehr schlichte, aber wohl für immer in Erinnerung bleibende Eucharistiefeier in Santa Marta zu vergessen, an der jene Bischöfe, die noch da waren, Samstag früh in Konzelebration mit dem Heiligen Vater teilnehmen durften. Es war für uns alle eine Bestärkung und Bereicherung.

„Hinausgehen, hinausgehen!“

Herr Weihbischof, was war für Sie das Beeindruckendste an diesem Ihrem ersten Ad-limina-Besuch?

Weihbischof Anton Leichtfried: Die Begegnung mit Papst Franziskus und dass er sich so viel Zeit für uns genommen hat; es waren mehr als eineinhalb Stunden. Dieser Papst freut sich mit und er leidet mit, wenn Positives oder Negatives berichtet wird, das sieht man schon an seiner Mimik. Er hat Humor und gleichzeitig eine große Tiefe, und er ist immer sehr konkret. Man merkt: Er ist durch und durch Seelsorger.
Wir kommen aus einer Kirche, zu der in der Vergangenheit fast 100 Prozent der Menschen gehört haben. Jetzt werden wir weniger und sind daher oft sehr mit uns selbst beschäftigt. Papst Franziskus kommt von einem ganz anderen Ansatz: Die Kirche ist nicht für sich selber da, sondern wir müssen uns fragen, was ist unser Beitrag für die Menschen von heute, für die Menschen, so wie sie heute sind. Wir müssen zu den Menschen hingehen, mit ihnen mitgehen, sie begleiten. Franziskus hat von den „Verwundeten“ unserer Zeit gesprochen, die Kirche sei wie ein Feldlazarett für sie. „Hinausgehen, hinausgehen, hinausgehen!“, das hat er zum Schluss immer wieder gesagt, das ist sein ganz großes Anliegen.

Was sind die Themen, die da angesprochen werden, wenn die Bischöfe so in der Runde beim Papst sitzen?

Weihbischof Anton Leichtfried: Wir hatten uns nicht abgesprochen und keine Fragen aufgeteilt. Grundsätzlich war das Gefühl da: Man kann über alles reden. Kardinal Schönborn hat zuerst die Situation in Österreich geschildert, das Positive, aber auch das, was Sorgen macht. Der Papst hat selber Initiativen wie „Wir sind Kirche“ angesprochen. Es ist auch die Situation der kleinen Pfarren zur Sprache gekommen, die gewohnt waren, einen eigenen Pfarrer zu haben und wo es jetzt in den Pfarrverbänden nicht möglich ist, am Sonntag immer eine Eucharistiefeier zu halten. Der Papst sagte, er kenne diese Situation auch aus Buenos Aires, da müsse man immer auf den Einzelfall schauen.
Ein Grundanliegen des Papstes ist: Wie kommen die Menschen in Kontakt mit der Freude des Evangeliums, mit der Kraft und der Schönheit des Glaubens.

Ansprache von Papst Franziskus