GlaubensFEST in Neuhofen/Ybbs
Ministranten-Sommerlager Pfarre Dorfstetten
Wallfahrt mit der ganzen Familie
 
 

Predigt Chrisammesse

Liebe Mitbrüder im Priesteramt!
Liebe Brüder und Schwestern! Ich kann nicht verschweigen, dass mich die Chrisammesse jedes Jahr in besonderer Weise berührt. Wir können es nie ganz fassen, was da vorsichgeht. Die Chrisammesse ist im Leben einer Diözese eine Art konstitutiver Akt. Es wird uns zeichenhaft vor Augen geführt: Gott hat sich uns Menschen zugewandt durch die Menschwerdung des Sohnes und die Aussendung des Heiligen Geistes und er bleibt in dieser seiner Zuwendung bei uns gegenwärtig, nimmt aber unser Mittun in Anspruch, von dem doch auch viel abhängt.

Im Mittelpunkt der Liturgie des heutigen Tages steht die Weihe der heiligen Öle, des Öls für die Salbung der Katechumenen, des Öls für die Salbung der Kranken und das Chrisam für die großen Sakramente der Verleihung des Heiligen Geistes: Taufe, Firmung, Priesterweihe, Bischofsweihe.

Zu diesem „konstitutiven Akt“ gehört aber auch die Erneuerung des Weiheversprechens der Priester, die einmal mehr den festen Willen bekunden, Christus und seine Erlösung den Menschen und die Menschen zu ihm zu bringen.

Wir müssen dabei bedenken:
Die Sakramente sind sichtbare Zeichen. „In den Sakramenten berührt uns der Herr“, so erklärte es Papst Benedikt XVI. vor zwei Jahren in der Chrisammesse im Petersdom. Er sagte damals auch, dass das Öl Sinnbild des Heiligen Geistes ist und uns zugleich auf Christus verweist, der „der Gesalbte“ schlechthin ist. Denn auf Grund der Einheit des Sohnes mit dem Vater in der Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist – so Papst Benedikt – ist seine Menschheit von der Kraft des Heiligen Geistes ganz durchdrungen. Christus öffnet so unser Menschsein für die Gaben des Heiligen Geistes. Und durch die Sakramente begegnen wir dem Herrn. Die Fruchtbarkeit des Sakramentenempfanges hängt aber doch auch von uns ab, von jenen, die sie empfangen. Außerdem hat der Verkünder des Evangeliums und der Spender der Sakramente seine Verantwortung. Diesen Aspekt möchte ich heute besonderes beleuchten.

Als Erstes wird das Krankenöl geweiht. Wir müssen uns eine lange Reihe von Kranken, Leidenden, Sterbenden vorstellen, die im Verlaufe des Kirchenjahres durch die Krankensalbung mit Christus tiefer verbunden werden, von ihm Trost und Kraft empfangen, um in der Krankheit den Weg zu finden, der zum Heil führt, das heißt zur inneren und äußeren Gesundung bzw. zur tiefergehenden Reinigung und zum Ewigen Leben. Der Kranke selbst ist beteiligt, aber auch jene, die ihn begleiten, und der ihm das Sakrament spendet.

Als Zweites wird das Katechumenenöl geweiht. Die Salbung mit dem Katechumenenöl erfolgt schon vor der Taufe und deutet – wieder mit Worten Benedikts XVI. – „eine Art von erster Berührung durch Christus und seinen Geist“ an. Das weist darauf hin: Gott selbst ist auf die Suche nach den Menschen gegangen und hilft den Suchenden, deren Verlangen nach dem Glauben Voraussetzung für die Wirksamkeit ist. Und auch da haben jene, die ihn begleiten, ihren Anteil.

Schließlich wird das Chrisam geweiht, das Öl der priesterlichen und königlichen Salbung. Die Liturgie des heutigen Tages verbindet mit diesem Öl die Verheißungsworte des Propheten Jesaja: „Ihr werdet ‚Priester des Herrn’ genannt, man sagt zu euch ‚Diener unseres Gottes’“. Der Kirche dient dieses Öl bei Taufe und Firmung sowie bei den heiligen Weihen.

Es ist ein Schatz, der uns mit den heiligen Ölen anvertraut wird, zugleich verbindet sich mit ihm ein wichtiger Auftrag.

Allgemein gilt: Je mehr wir mit Christus eins sind, desto mehr werden wir von seinem Geist, dem Heiligen Geist erfüllt. Das heißt, vieles hängt doch auch von den Bemühungen des Einzelnen ab.

Bei jenen, die zu Priestern oder zum Bischof geweiht wurden, kommt hinzu, dass sie Christus, der Hohepriester, für einen besonderen Dienst in ganz besonderer Weise an sich gezogen hat: An seine Stelle tretend sollen sie – sollen wir, liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst – Zeugen für die Wahrheit sein - Er ist „der treue Zeuge“ – und die Heilsgeheimnisse verwalten; wir sollen Gute Hirten sein, Priester nach seinem Herzen. Es ist ein großes Geheimnis, dass Jesus nach der Auferstehung seinen Aposteln den Heiligen Geist einhaucht und ihnen die eigene Sendung überträgt; dass Er sich gewissermaßen von jenen, die dazu bestellt sind, abhängig macht. Es ist klar, dass die damit verbundene Verantwortung groß ist.

Allem anderen voran entspringen aus dem Wissen um die Zusammenhänge, Mut und Zuversicht.
Papst Franziskus hat am vergangenen Palmsonntag die Bedeutung der Freude hervorgehoben. Er hat betont: Christen sollten froh, freudige Menschen sein. Das gilt auch ganz besonders für uns, die Priester und den Bischof. Christus ist unter uns gegenwärtig und der Heilige Geist entfaltet seine Wirksamkeit. Das Wissen um diese Gegenwart ist die beste Ermutigung für unsere Arbeit, der beste Trost in allen Schwierigkeiten und der stärkste Ansporn auch dann, wenn die Arbeit zäh ist, weil durch ihn seine unermessliche Liebe geweckt wird.

Daher ist von größter Bedeutung, dass wir allem anderen voran das geistliche Leben pflegen, es verteidigen und wiederherstellen, wenn wir nachgelassen haben. Und je vielfältiger und schwieriger unsere Aufgaben werden, desto wichtiger ist dies. Verzeiht, wenn ich das so häufig wiederhole.

Wichtig ist aber auch, dass wir unsere Aufgabe mit einer großen Liebe zu Christus und den Menschen wahrnehmen, auch mutig und entschlossen sind, echte Hirten. Ich muss ganz offen gestehen: Es ist mir ein sehr großes Anliegen, dass wir alles tun, um einerseits selbst das Evangelium so zu verkünden, wie es von der Kirche verkündet werden muss, nämlich liebevoll, aber ohne Abstriche, und dass wir dies andererseits auch von unseren Mitarbeitern verlangen. Der derzeit weit verbreitete Relativismus muss dort, wo dieser Relativismus sichere Glaubenswahrheiten und Gebote Gottes betrifft, nach und nach überwunden werden. Andernfalls dreht sich in der Entwicklung des Glaubenslebens die Schraube nach unten, Glaube und Glaubenspraxis verflachen immer mehr.

Ebenso wichtig sind die Anliegen bezüglich Sakramentenspendung. Auch hier gilt: Es braucht Priester mit einem großen, weiten Herzen, Hirten, die mit der Liebe Christi am Werk sind, die auf die Menschen zugehen, sie einladen und ermutigen. Es ist notwendig, sich so zu verhalten, wie es der Haltung Jesu Christi entspricht: Er war bereit, von jeder Krankheit zu heilen; vor niemandem ist er zurückgeschreckt, nicht einmal vor Aussätzigen; er hat aber unmissverständlich zur Umkehr aufgefordert und für die Gewährung seiner Wunder den Glauben vorausgesetzt. Das darf nicht übersehen werden.

Meine Bitte an Euch, liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst, lautet daher: Habt keine Angst, Eure Hirtenaufgabe mit Gottes Hilfe wahrzunehmen. Führt Eure Gemeinden mit einer gewissen Entschlossenheit auf Wege, die zur Vertiefung des Glaubens führen und wirkt der Verflachung entgegen.

Am Ende des Evangeliums lesen wir: „Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.“ Das muss unsere Haltung in diesen Tagen und jetzt in dieser Feier sein. Seien wir zuversichtlich. Er wurde ans Kreuz geschlagen, aber er ist auferstanden und lebt. Er hat die Welt besiegt und wird immer siegen. So möchte ich Euch einladen, liebe Mitbrüder im Priesteramt, das Treueversprechen zu erneuern. Die Firmlinge und alle Gläubigen werden dann gemeinsam mit uns allen dies in der Osternacht tun: Durch die Erneuerung des Taufversprechens. Der Heilige Geist erleuchte und begleite uns. Maria möge uns durch ihre Fürsprache beistehen.