Erntekrone
Weinstöcke mit Trauben
Pilgergruppe im Herbst
 
 

Osterkerze bündelt Symbolik des Christentums

St. Pölten, 30.03.2013 (kap) Sie steht heute im Mittelpunkt der Osternachtsfeier und symbolisiert den über Tod und Sterben siegenden, auferstandenen Jesus Christus: Die Osterkerze. Die aus gebleichtem Bienenwachs hergestellte Kerze wird zu Beginn der Liturgie am geweihten Osterfeuer entzündet und anschließend in die dunkle Kirche getragen, wo sie während der 50-tägigen Osterzeit bis Pfingsten, jedoch auch zu Taufen und bei Begräbnissen angezündet wird. Vielerorts ist es zudem üblich, dass Gläubige das kirchliche Feuer der Osterkerze in einer Laterne mit nach Hause nehmen oder auf die Gräber stellen.
Einen klaren Hinweis für die zentrale Bedeutung der Kerze in der Osternachtsfeier gibt das Osterlob ("Exsultet"): "Nimm diese Kerze entgegen als unsere festliche Gabe", singt hier der Diakon oder Priester und erinnert, dass die Kerze "aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet" wurde, dass sie für Gott "ein Lob" sein solle und sich ihr Licht "in die Runde verteilt hat", ohne dabei an Glanz verloren zu haben. Die geweihte Kerze solle, so die abschließende Bitte, fortleuchten, "um in dieser Nacht das Dunkel zu vertreiben", und ihr Licht "sich vermählen mit den Lichtern am Himmel".

Der Brauch, zu Ostern eine besondere Kerze anzuzünden, reicht bis in die ersten Jahrhunderte der Kirchengeschichte zurück, wobei das älteste Zeugnis über dieses "Brandopfer" aus einem Brief des heiligen Hieronymus im Jahr 384 stammt. Um sich von der heidnischen Opferpraxis abzugrenzen, sollte die Flamme nicht von übelriechenden Tierleibern, sondern von "reinen Elementen" genährt werden, hieß es in frühen Beschreibungen. Dies ist ein Grund, warum bis heute Osterkerzen meist aus Bienenwachs statt aus Paraffin oder Stearin gezogen werden.

Zeichen des Glaubens

Geballte Dichte an Symbolik steckt jedoch auch in den Verzierungen, mit denen Osterkerzen versehen werden. Alt ist die Tradition, ein Kreuz einzugravieren, zudem gehören auch die griechischen Buchstaben "Alpha" und "Omega" - Verweise auf Jesus Christus als Anfang und Ende der Welt - und die Jahreszahl zum Standardrepertoire. Doch ebenso findet man, abhängig von jeweiligen Trends, längst auch Bildmotive wie Lämmer und Tauben, Sonnenstrahlen und Regenbogen.

In ihrer Anfangszeit waren Osterkerzen weitaus schlichter, und ein gespendeter Segen reichte als unsichtbares Zeichen, legt die französische Ordensschwester Clara Vasseur, die seit 14 Jahren Osterkerzen gestaltet, in ihrem aktuell im Beuroner Kunstverlag erschienenen Buch "Altes neu entdecken. Die reiche Symbolik der Osterkerze" dar. Sie tut dies mit einem gewissen Bedauern - denn "schon das elfenbeinfarbene Material der Kerze ist ein Sinnbild für den strahlenden Leib des auferstandenen Christus", so die Benediktinerin.

Sie selbst setze in der Ausgestaltung auf schlichte Motive wie den Lebensbaum, der als Verweis auf den paradiesischen "Baum der Erkenntnis" und den "Baum des Kreuzes" ebenfalls lange Tradition haben dürfte: "Mehrere Handschriften des Exsultet zeigen, dass die Osterkerze früher mit Zweigen und Blättern geschmückt wurde", so die Ordensschwester.

Die Darstellungen sind nicht bloß Dekoration, sondern sollen Gläubige an den ursprünglichen Sinn der Osterkerze erinnern, so Schwester Vasseur, die im Verlust der Beziehung zu den Dingen des Glaubens ein kleines "Sterben" beobachtet. Dabei erschließe sich die Symbolik der brennenden Kerze in der Osternacht bei deren Erleben intuitiv. "Zum Beispiel die Formulierung 'Licht der Welt' sagt noch nichts, doch wenn ich die Erfahrung des erhellten Dunkels mache, sagt mir das alles."

Entzündet am geweihten Feuer

Entzündet wird die Osterkerze zu Beginn der Osternachtsliturgie am Osterfeuer. Auch dieses hat seinen Ursprung in der christlichen Osterliturgie, während vorchristliche kultische Frühlingsfeuer nicht nachweisbar sind. Seit dem 4. Jahrhundert ist eine eigene Lichtfeier bekannt, seit dem 8. Jahrhundert - im deutschsprachigen Raum seit dem 11. Jahrhundert - wird dafür eine Feuerweihe vor der Kirche abgehalten. In den Anfängen dieses Brauchtums wurde das Osterfeuer stets aus Feuersteinen geschlagen oder mittels Brennglas entflammt - Symbole für die Auferweckung Christi aus dem steinigen Felsengrab sowie für die "Kraft von oben", die Christus zu neuem Leben erweckt. Anschließend wird das Feuer durch den Priester geweiht.

Mit der brennenden Osterkerzen folgt schließlich der Einzug in die dunkle Kirche unter dem dreimaligen Ruf "Lumen Christi" ("Christuslicht"). Dabei erinnert die Liturgie an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, als Gott sein Volk laut den biblischen Berichten tagsüber in einer weißen Wolkensäule, nachts in einer leuchtenden Feuersäule begleitet hat. Doch auch an anderen zentralen Bibelstellen spielen Licht und Feuer eine Rolle, etwa, wenn Gott sich Mose im Alten Testament im brennenden Dornbusch offenbart.

Feuerbräuche außerhalb der Liturgie

Als außerliturgischer Volksbrauch sind Osterfeuer, denen wohl auch eine positive Wirkung auf die Fruchtbarkeit der Erde nachgesagt wurde, erst seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar. Aus ganz Europa - gegenwärtig besonders in den Gebirgsgegenden - ist der Brauch von Osterfeuern bekannt, vereinzelt auch in Kombination von Feuerrädern oder Feuerscheiben, die ins Tal gerollt oder geworfen wurden.

Eine weitere besondere Feuer-Zeremonie ist seit dem zehnten Jahrhundert aus der Jerusalemer Grabeskirche bekannt. Jeweils am orthodoxen Karsamstag - der heuer fällt auf den 4. Mai fällt - soll sich um 13 Uhr im "Heiligen Grab" das "heilige Feuer" auf wunderbare Weise selbst entzünden. Die versammelten Gläubigen begrüßen es stürmisch und lautstark und entzünden daran ihre Osterlichter, die in Anlehnung an die 33 Lebensjahre Jesu aus einem Bund 33 dünner Kerzen bestehen.

Auch dieser Brauch hat seine Wurzel in der katholischen Liturgie. Einst wurde nämlich das für das Entzünden der Osterkerze notwendige Feuer nicht erst vor der abendlichen Auferstehungsliturgie, sondern bereits am Morgen des Karsamstags vom Priester gesegnet. Dieses "Weihfeuer" brachten Kinder in die Häuser, um dort das Herdfeuer zu entzünden. In vielen katholischen Haushalten wurde früher das Herdfeuer nur einmal im Jahr - am Karfreitag in Erinnerung an den Tod Jesu - gänzlich gelöscht. Das neue Herdfeuer symbolisierte somit besonders ausdrucksstark die Auferstehung.