Sommerkampagne 2016
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Ordensnachwuchs auf den Spuren Kaiser Josephs II.

St. Pölten, 09.02.2013 (dsp/kap) Das Zeitalter der Aufklärung und des Josephinismus mit seinen zahlreichen Klosteraufhebungen stand im Mittelpunkt der Junioratstage der österreichischen Augustiner-Chorherren-Kongregation im Stift Herzogenburg. Wie das Stift mitteilt, haben rund ein Dutzend Novizen und junge Kleriker daran teilgenommen. Auf dem Programm standen u.a. Besuche in ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiften, die während dieser Epoche um 1800 – mit Schwerpunkt unter der Regierungszeit von Joseph II. – aufgelassen worden sind.
15 Stifte allein aus dem Orden der Chorherren fanden in der Aufklärung in den österreichischen Erblanden ihr jähes Ende, das wohl prominenteste darunter das 1786 aufgelassene Stift St. Dorotha in Wien, das heutige Auktionshaus „Dorotheum“. Doch auch die Stifte in St. Pölten, Dürnstein und St. Andrä wurden eingestellt. „Wo früher Chorherren in gleich vier Stiften geistlich und seelsorgerisch tätig waren, existiert heute nur mehr das Stift in Herzogenburg“, so Propst Maximilian Fürnsinn. In St. Andrä und Dürnstein wirken heute Herzogenburger Chorherren als Pfarrer, während Stift und Stiftskirche von St. Pölten als Dom und Bischofshof dienen.

Das Augustiner-Chorherrenstift Herzogenburg übernahm Ende des 18. Jahrhunderts die Administration der aufgelassenen Schwesternstifte Dürnstein und St. Andrä/Traisen. Somit hatte das Stift Herzogenburg die anderen Stifte buchstäblich abzuwickeln und die Erlöse in den neu gegründeten Religionsfonds überweisen, wie Tagungsleiter und Stiftsdechant Mauritius Lenz erläuterte. Immerhin seien die Archivalien der untergegangenen Stifte in das Stiftsarchiv Herzogenburg übergegangen.

Veränderungen brachte die Aufklärung jedoch auch innerhalb der Klöster, wie die Tagung deutlich machte: Traditionelle Sichtweisen des Katholizismus wurden radikal in Frage gestellt und der Zeitgeist hinterließ auch im Stift Herzogenburg Spuren, was sich etwa daran zeigte, dass das Chorgebet und das gemeinsame geistliche Leben der Stiftsherren immer weniger gepflegt wurde. Erst in den 1820er Jahren änderten sich die Verhältnisse wieder und eine strengere Observanz hielt Einzug – zum Verdruss der älteren, noch aufklärerisch geprägten Mitbrüder.

Eine alte Notiz des Klerikermagisters an den damaligen Propst berichtet: Nach dem Chorgebet sollten die Junioren laut der strengen Hausordnung von 1820 still und leise in ihre Zimmer gehen. Das sei jedoch gar nicht möglich gewesen, klagte der Verfasser. Die älteren Priesterkanoniker hätten die Novizen und jungen Kleriker gleich nach dem Chorgebet eingeladen. Einige der Junioren seien erst am späten Abend laut polternd und offensichtlich einigermaßen angeheitert in ihre Zimmer gekommen.

Zur Österreichischen Augustiner-Chorherren-Kongregation gehören heute neben dem Stift Herzogenburg noch die Stifte Klosterneuburg, Reichersberg, St. Florian und Vorau sowie Neustift in Südtirol. Gemeinsam sind sechs Kongregationen in Österreich, Italien, Frankreich, Deutschland, England und der Schweiz in der Chorherren-Konföderation zusammengefasst. Berühmt ist die Kongregation vom Lateran in Rom. Auch im ältesten noch existierenden Kloster der lateinischen Kirche, in St. Maurice in der Schweiz, wirken Augustiner-Chorherren.

Foto (privat): Besuch bei der „Domäne Wachau“ in Dürnstein mit allen Juniores, Propst Maximilian Fürnsinn, Stiftsdechant H. Mauritius Lenz sowie H. Ambrosius Straka.