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Immer mehr Niederösterreicher geraten finanziell ins Schleudern

Lea Hofer-Wecer, Leitung Caritas Kompetenzstelle Demenz, Caritas-Direktor Friedrich Schuhböck

St. Pölten, 16.05.2013 (dsp) „Caritas lebt, wenn viele Menschen mitmachen und so zu einem Mehr an Mitmenschlichkeit und Solidarität beitragen“, betonte der St. Pöltner Caritas-Direktor Friedrich Schuhböck anlässlich der Präsentation des Jahresberichtes 2012. Beeindruckend: Im Jahr 2012 haben rund 7.000 Freiwillige und fast 2000 hauptberufliche Mitarbeiter hochprofessionelle Arbeit und wertvolle Mithilfe geleistet. „Dieses gemeinsame Engagement stärkt vielen benachteiligten Menschen den Rücken und gibt ihnen eine neue Lebensperspektive“, so Schuhböck.
Viel Gutes sei dadurch möglich: Mehr als 700 Menschen mit Behinderungen hätten in Caritas-Werkstätten eine sinngebende Arbeit gefunden. Viele davon begleitet die Caritas zusätzlich in unterschiedlichen Wohnformen. Rund 3.300 Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen sind vom Caritas-Psycho-Sozialen Dienst betreut worden. 559.000 Einsatzstunden leisteten die Mitarbeiterinnen in der Hauskrankenpflege und Heimhilfe.

Der sichere Weg in die Armut

2.348 Beratungsgespräche führten die Caritas-Sozialberater im Jahr 2012 durch. Die Zahl der betroffenen Personen sei in den letzten Jahren um 70 Prozent angestiegen, „denn immer mehr Menschen geraten auch in Niederösterreich finanziell ins Schleudern“, stellte Schuhböck fest. Alleinerzieherinnen und Alleinerzieher, kinderreiche Familien, Menschen mit Migrationshintergrund und Haushalte mit langzeitarbeitslosen Personen seien besonders armutsgefährdet: „Das sehen wir täglich bei unserer Arbeit.“ Da könne schon eine kaputte Waschmaschine zum Problem werden. Der Caritas-Direktor sieht Handlungsbedarf bei der vor drei Jahren eingeführten Mindestsicherung: Sei die Sozialhilfe in NÖ früher 14 mal ausbezahlt worden, so wird die Mindestsicherung jetzt nur 12 mal ausbezahlt. Schuhböck fordert die Auszahlung der Mindestsicherung 14 mal im Jahr. Während früher noch zusätzliche Unterstützung bei den Wohnkosten möglich war, so sind jetzt 25 Prozent für Miete und Strom bereits in der Mindestsicherung von 794 Euro inkludiert. Daher bleibe den Menschen immer weniger zum Leben, da für Miete und Strom meist wesentlich mehr ausgegeben werden muss, als die Mindestsicherung dafür vorsehe: „Das ist der sichere Weg in die Armut.“

Kritik an Ablehnung einer Subvention für Demenz-Bereich

Als eine zentrale Herausforderung sieht die Caritas die steigende Zahl an Demenzkranken. Daher sei es für Schuhböck unverständlich, dass die Landesregierung eine Subvention zur Beratung von Angehörigen von Demenzkranken abgelehnt habe. Denn obwohl das Land NÖ das Thema als „wichtig“ erkannt habe, würden die entsprechenden Taten in diesem Bereich fehlen.

Bereits jetzt seien rund 110.000 Österreicher an Demenz erkrankt, bis zum Jahr 2030 werden es rund 200.000 sein, sagte Lea Hofer-Wecer, Leiterin der Caritas-Kompetenzstelle Demenz. Vier von fünf Demenzkranken würden von Angehörigen betreut, jeder fünfte ist in fachlicher Hauskrankenpflege oder in einem Pflegeheim. „Das Krankheitsbild Demenz ist in der Theorie kein Tabuthema mehr, aber es wird Zeit, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Wir brauchen die Integration von Demenzkranken in unserer Gesellschaft“, fordert Hofer-Wecer. Gerade der Beginn der Krankheit sei für viele Angehörige ein Problem, später kämen auch körperliche Defizite. Hier bietet die Caritas den Betreuenden Rat und Hilfe, Möglichkeit bei Stammtischen zum Austausch und Kurse für Gehirntraining.

Foto: Lea Hofer-Wecer, Leitung Caritas Kompetenzstelle Demenz, Caritas-Direktor Friedrich Schuhböck.