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Familienbischof Küng: Besorgter Blick auf bioethische Fragen in Silvesterpredigt

Familienbischof Küng: Besorgter Blick auf bioethische Fragen in Silvesterpredigt

St. Pölten, 31.12.2013 (dsp) „Das zu Ende gehende Jahr ist ohne Zweifel ein besonderes“, so der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng in seiner Predigt bei der Jahresschlussandacht im St. Pöltner Dom. „Es begann sehr bald mit einer großen Überraschung für uns alle: Papst Benedikt kündigte seinen Rücktritt an und vollzog ihn wenige Wochen später.“ Kardinal Jorge Mario Bergoglio wurde zum Papst gewählt und er nannte sich Franziskus. Seither habe sich innerhalb der Kirche die Stimmung merklich verändert und die Weltöffentlichkeit habe den Papst verstärkt zum Thema gemacht. In der Andacht ging Familienbischof Küng vor allem auf besorgniserregende bioethische Tendenzen in Europa ein.

Besorgniserregend ist die Einstellung zum Leben

Wir haben das Evangelium des Lebens, aber besonders in Europa und in einigen anderen Teilen der Welt scheint weiterhin im Vormarsch, was der selige Papst Johannes Paul II. manchmal „Kultur des Todes“ genannt hat. Erschreckend sei besonders die Einstellung zum Leben, so der Familienbischof. Im vergangenen Jahr ist europaweit die beachtliche Initiative „One of us“ gestartet worden, 1,7 Millionen Unterschriften wurden gesammelt. Es ging darum, in der Europäischen Union die finanzielle Unterstützung der Forschung mit Embryonen zu stoppen. Man war sehr optimistisch. Aber dann sei die Gegenreaktion gekommen: Im europäischen Parlament wurde der Estrella-Bericht vorgestellt, mit dem Ziel, in allen Ländern der EU die Einführung des Rechtes auf Abtreibung durchzusetzen. Bischof Küng: „Die Folgen eines solchen Rechtes wären sehr schwerwiegend, brächten christliche Ärzte, christliches Pflegepersonal in große Bedrängnis.“ Der Antrag wurde schließlich mit knapper Mehrheit abgelehnt. Es sei aber zu befürchten, dass er wiederkomme.

Ähnlich besorgniserregend sei die kontinuierliche Ausbreitung der Euthanasiebewegung: Es sei erschütternd wahrzunehmen, dass in Belgien ein großer Teil der Parlamentarier der Legalisierung des Suizids Minderjähriger zugestimmt hat, und nicht nur in Belgien, sondern in den Niederlanden, der Schweiz und England wird Euthanasie längst praktiziert und in Frankreich werde es bald so weit sein.

Dramatisch seien in fast allen Ländern Europas die Diskussionen im Zusammenhang mit Ehe und Familie. Beeindruckend waren die vielen Millionen, die am Beginn des zu Ende gehenden Jahres in Frankreich auf die Straße gingen, weil sie mit dem Gesetzesvorschlag der Homoehe nicht einverstanden waren; sie konnten das neue Gesetz nicht verhindern. Es ist ein gigantischer geistiger Kampf, der überall im Gang ist. In unserem Land kämen nach und nach alle diese Fragen, sofern sie nicht schon da sind.
Bischof Küng: „An den Koalitionsverhandlungen war u.a. positiv, dass die Regierung am Ende dann doch noch wenigstens einen Teil der Versprechungen bezüglich Valorisierung der Kinderbeitragsgelder gehalten hat.“ Im Übrigen bestehe jedoch der Eindruck, dass die österreichische Politik, insbesondere die Familienpolitik, alle problematischen Trends der Europäischen Union nachahme, sodass jene, die Kinder bejahen und sich der Familie widmen, nicht die Anerkennung finden, die ihnen zusteht, obwohl dies für unser Land und für ganz Europa so wichtig wäre und der richtige Weg sei. Und andere Fragen wie die Legitimierung der Adoption für homosexuelle Paare würden mit großer Beharrlichkeit vorgebracht, bis sie approbiert sind.

„Evangelii gaudium“ dramatischer Aufruf zu missionarischem Aufbruch

Das "Jahr des Glaubens" gehe weiter. Papst Franziskus habe dies durch sein apostolisches Schreiben „Evangelii gaudium“ in beeindruckender Weise verdeutlicht: Letztlich sei es ein dramatischer Aufruf an die ganze Kirche zu einem neuen missionarischen Aufbruch. Im Zentrum stehe dabei die Freude des Evangeliums. Für uns sei es am Ende dieses Jahres eine Einladung zur Dankbarkeit an Gott, zum Nachdenken und zur Erneuerung unserer Bereitschaft, verbunden mit Papst Franziskus unsere Berufung als Christen in dieser unserer Zeit im Vertrauen auf die Hilfe des Herrn einmal mehr ganz bewusst wahrzunehmen.

Auf die Menschen zugehen

Es gebe ein uraltes Sprichwort: „Neues Jahr – neuer Anfang.“ Wir sollten uns alle schon jetzt fragen: Gibt es jemanden in meiner Umgebung, dem ich helfen sollte? In meiner Familie? Meiner Verwandtschaft? Unter den Berufskollegen oder der Nachbar? Bischof Küng: „Papst Franziskus möchte, dass wir über den Kreis der Kirchenbesucher hinausgehen, dass wir die Menschen ansprechen und auf sie zugehen.“ Papst Franziskus warnt vor falschen Ausreden, die wir alle parat hätten: es sei schwierig, sie hätten kein Interesse, es gebe Vorurteile. Papst Franziskus mache darauf aufmerksam, dass es sicher auch für die ersten Christen schwierig gewesen sei. Er meine, es sei eine Frage des Überzeugtseins und der persönlichen Erfahrung mit Christus: „Wenn wir erfahren haben, wie sehr uns Jesus hilft, können wir es doch nicht für uns behalten. Und wenn uns diese Erfahrung fehlt, sollten wir hinknien und Jesus bitten, damit er seine Liebe in unseren Herzen von Neuem hervorruft.“

Predigt im Wortlaut