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„Einfach miteinander leben und teilen“

Vertreter der österreichischen Emmausgemeinschaften beim Treffen in Verona

Verona – St. Pölten, 06.05.2013 (dsp) „Wir sind auf dem Weg in eine Periode, in der die Beziehungen unter den Menschen verwildern. Die Emmausgemeinschaften sind eine Goldmine, wenn es darum geht, ein Wirtschaftsmodell zu entwickeln, wie es sein sollte: einfach in Gemeinschaft leben und miteinander teilen.“ Das sagte der Wirtschaftsexperte Bruno Amoroso, emeritierter Dozent der Universität von Roskilde (Dänemark) bei seinem Impulsvortrag anlässlich eines Treffens europäischer Emmausgemeinschaften in Verona (Italien).
Vertreter von 104 europäischen Emmausgemeinschaften aus 19 Ländern trafen sich vom 25. bis 28. April im Centro Carraro am Stadtrand von Verona, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Arbeits-Perspektiven zu Themen wie Menschenhandel, Migration, freier Zugang zu Wasser oder Nachhaltigkeit und Selbstversorgung zu erarbeiten. Mit dabei waren 7 Österreicher aus den Gemeinschaften in Innsbruck, Lilienfeld und St. Pölten, die in der Föderation Beobachterstatus haben.

Emmaus Europa wurde vor sechs Jahren von Emmaus International gegründet, nicht zuletzt um in den EU-Institutionen die Stimme für die Menschen am Rande der Gesellschaft zu erheben. Jean Rousseau, Präsident von Emmaus International: „Wir wollen politische Themen forcieren. Das Praktische und das Politische können nicht getrennt werden.“ Im Zentrum der Beratungen standen die soziale, politische und wirtschaftliche Situation in Europa. Julio de la Granja, Präsident von Emmaus Europa sprach von einer „Krise der Zivilisation“.

„Hoffnung geben und vor Verzweiflung retten“

Auf die Emmausgemeinschaften werde angesichts der fortschreitenden Armut und dem Verschwinden von Werten wie Familie und Fürsorge füreinander ein Tsunami zukommen, prophezeite Bruno Amoroso. Darin liege eine große Herausforderung, aber auch eine große Möglichkeit für die Emmausgemeinschaften: Eine Form des Zusammenlebens für die Menschen zu entwickeln, die ihnen Hoffnung gibt und sie vor der Verzweiflung rettet. All die guten Konzepte einer vertragsmäßig vereinbarten Solidarität wären nicht genug, sagte Amoroso. Es bedürfe der Neuorganisation unserer Gesellschaft in eine Richtung, wo Werte wie Vertrauen, Liebe und Sorge füreinander zählen - all das, was man in der Wirtschaftsliteratur nicht finde.

In den Arbeitsgruppen fand ein reger Austausch der verschiedenen Gruppen statt. Die einzelnen Emmausgemeinschaften verfügen länderspezifisch über sehr verschiedene Ansätze. Neben dem ursprünglichen Modell, mit dem der französische Armenpriester Abbé Pierre begonnen hatte (ausschließlich Eigenfinanzierung durch den Altwarenhandel), gibt es mittlerweile in vielen Ländern Europas Gemeinschaften, die hauptamtliche MitarbeiterInnen durch Subventionen der öffentlichen Hand finanzieren. Durch solidarisches Handeln und Unterstützung anderer Emmausgemeinschaften konnten auch Projekte in Bosnien oder Albanien aufgebaut werden. Allen gemeinsam ist der Kampf gegen die Armut in all ihren Formen. "Trotz verschiedenster ideologischer Modelle und teilweise weltanschaulicher Herkunft der TeilnehmerInnen spürte man bei der Tagung eine gute Stimmung, dass alle guten Willens sind in ihrer Arbeit für die Menschen am Rande", so Bernhard Herzberger von der Emmausgemeinschaft St. Pölten.

Die VertreterInnen der österreichischen Gemeinschaften nutzten das Treffen auch, um ihre eigenen Landsleute aus den anderen Gemeinschaften besser kennen zu lernen und waren sich einig: auch innerösterreichisch soll es zukünftig wieder öfter Zusammenkünfte geben um Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig in der Arbeit zu bestärken.

Bernhard Herzberger

Foto (Herzberger): Vertreter der österreichischen Emmausgemeinschaften beim Treffen in Verona (v.l.n.r. ): Bernhard Herzberger (Emmaus St. Pölten), Christian Caba, Armin Neururer, Mia Fritz und Curt Ditz (Emmaus Innsbruck), Simon und Siegfried Tischhart (Emmaus Lilienfeld).