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Bischof Küng: „Bekehrung ist wie ein plötzliches Aufwachen“

Festmesse zur Thomasakademie

St. Pölten, 25.01.2013 (dsp) Durch die vielfältigen Ablenkungen im Alltag merke der Mensch nicht, „dass Gott da ist“, sagte Bischof Klaus Küng bei der Festmesse zur traditionellen Thomasakademie in der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten. Eine Bekehrung sei „besonders in einer stark säkularisierten Gesellschaft wie ein plötzliches Aufwachen“. Deswegen sei es „ein Zeichen“, das die diesjährige Thomasakademie am Fest der Bekehrung des Apostels Paulus stattfinde.
Ohne dieses Aufwachen und Berührtwerden könne zwar in der Welt viel erreicht werden, so Küng, der Mensch gelange jedoch nicht zum Wesentlichen. Es gehe dabei nicht nur um geistliche Berufungen, wie Küng betonte: „Die Bitte um Bekehrung geht uns alle an im Sinne einer geistlichen Erneuerung.“ Das Erkennen der Wahrheit führe immer auch zu einer Sehnsucht, „das weiterzugeben, damit auch die anderen die Augen öffnen und erkennen, dass Gott sie ruft“. Unsere Vermittlung setzte die eigene Bekehrung voraus; Paulus sei dabei das „erhabenste Beispiel eines Verkünders, der selbst um Einsicht ringt“.

Das „Geheimnis“ der inneren Erneuerung sei das geistliche Leben, wie Bischof Küng ausführte, das Gebet und die Liebe zum Nächsten. „Wer sich darauf einlässt, wird verwandelt – auch wenn man dadurch in Nöte gerät, geprügelt wird und nicht alle applaudieren.“ Auf diesem Gebiet würden auch die Perspektiven der Hochschule für die „dringend notwendige“ Neuevangelisierung liegen.

Bibel: „Das Wort Gottes soll durch uns Fleisch werden“

Die Festvorträge würdigten den früheren St. Pöltner Weihbischof Alois Stöger (1904 – 1999) als anerkannten und bedeutenden Exegeten des Lukasevangeliums. Zuletzt hatte erst Papst Benedikt XVI. das Hauptwerk Stögers – vor genau 50 Jahren in der Reihe „Geistliche Schriftlesung“ erschienen – in die Literaturliste seines jüngsten Jesus-Buches aufgenommen.

Weihbischof Stöger wollte „auf Basis der kirchenamtlichen Tradition die Bibel unter das Volk bringen“, erklärte Josef Pichler, Professor für Neues Testament in St. Pölten und an der Universität Graz, die hermeneutische Basis, die das exegetische Wirken dieses Pioniers prägte. Daraus habe dessen Wunsch nach guten Bibelübersetzungen und kommentierten Ausgaben resultiert. Die „Bibel als Lebensbuch“ sollte zu einer „zeitgemäßen Spiritualität und fruchtbringenden Bibellektüre“ hinführen, wie Pichler erklärte. Für Stöger sei die Bibel das „Gebetsbuch der Kirche“, „Kraftquelle und Begleiter des Lebens“ gewesen.

So wie Gott Mensch geworden sei, so solle „das Wort Gottes durch uns Fleisch werden und in der Welt leben“ - das waren der Wunsch und der Antrieb Stögers, dessen Wahlspruch als Bischof „verbum caro factum est“ („Das Wort ist Fleisch geworden“) auch Lebensprogramm war. Es sei ihm daher ein Anliegen gewesen, „Multiplikator“ zu sein, sagte Pichler. Am Nachhaltigsten habe Stöger dies durch seine Arbeit beim Katholischen Bibelwerk bewirkt. Seine größte Breitenwirkung habe er durch seine kommentierte Ausgabe der Schulbibel erreicht.

Ihre Diplomarbeit zur Interpretation der Gebetskatechese des Evangelisten Lukas von Alois Stöger stellte Angelika Widrich, Hochschulabsolventin von 2011, vor. Das Vaterunser enthalte nach Stöger die Kernbotschaft Jesu in komprimierter Form. Jesus hole dabei die Jünger in seine einzigartige Beziehung zum Vater hinein. Widrich: „Die gesamte Existenz ist als eine Existenz in Not vor Gott ausgebreitet.“

Der habilitierte Soziologe Gerhard Bonelli beleuchtete Positionen der Auslegung Stögers zu Armut und Reichtum im Lukasevangelium. Diese sei das „Evangelium der Armen“ und daher „das radikalste“. Die Armen seien die Zielpersonen der Botschaft, Menschen, die in sozialer Armut leben, die „Nichtse“ der Gesellschaft, wie Stöger sie bezeichnete. Vorbild der Armen sei Jesus Christus selbst. Das Geschenk, das er bringe sei die Freiheit – von körperlichen, seelischen und sozialen Einschränkungen. Sowohl Reiche wie auch Arme seien „der Gefahr ausgesetzt, in den Sorgen um das Irdische aufzugehen“, erklärte Bonelli die Auslegung Stögers.

Hochschulabsolventen geehrt

Im Rahmen der Akademie zum Fest des hl. Thomas von Aquin, des Patrons der Theologen und katholischen Hochschulen, ehrte Rektor Josef Kreiml die Absolventen des vergangenen Studienjahres. Das Magisterium in Fachtheologie erwarben Gerhard Liedler und Karl Tatzer, das Magisterium in Religionspädagogik Matthias Rohrmüller. Die ersten Absolventinnen des 2009 eingeführten sechssemestrigen Baccalaureatstudiums sind Sr. Maria Lisa Heim, Désirée Heigl, Petra Frank und Elisabeth Umgeher.

Bild 1: Festmesse mit dem Professorenkollegium, den Studierenden und Freunden der Hochschule
Bild 2: Univ-Prof. Dr. Josef Pichler
Bild 3: Mag. Angelika Widrich
Bild 4: Dr. habil. Gerhard Bonelli