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Bischof Klaus Küng im ORF-Mittagsjournal

Rückgrat und viel Gottvertrauen erwartet sich Bischof Klaus Küng vom nächsten Papst. Es brauche einen "Bekennerpapst mit der Bereitschaft, den verschiedenen Zeitströmungen wie Materialismus, Hedonismus klar entgegenzutreten, ohne falsche Kompromisse". Der St. Pöltner Bischof nahm am Samstag im ORF-Mittagsjournal zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI. Stellung und bewertete sein Pontifikat durchwegs positiv. Benedikt XVI. habe vor allem die Fähigkeit besessen, Strömungen der Zeit zu erkennen, zu analysieren "und aufzuzeigen, was passiert, wenn der Mensch lebt als gebe es keinen Gott". Als konkretes Beispiel nannte der Bischof Fragen des Lebensschutzes, die der Papst etwa auch bei seinem Besuch in Österreich 2007 klar und mutig angesprochen habe.

Verschwörungstheorien zum Rücktritt wies Bischof Küng zurück. Noch wenige Tage vor seiner Erklärung habe der Papst seine Besucher mit großer geistiger Agilität und Wachheit beeindruckt. Zugleich sei aber auch sehr deutlich zu sehen gewesen, "dass er körperlich sehr schwach geworden ist". Benedikt XVI. habe mit klarem Verstand diese Situation analysiert, mit sich gerungen und gebetet und sei zu dem Entschluss gekommen, dass seine Kräfte für die anstehenden riesigen Herausforderungen nicht mehr ausreichen würden.

Der Amtsverzicht passe gut zur Persönlichkeit des Papstes, so Küng: "Aus Verantwortungsbewusstsein und im Vertrauen auf Gott hat er diesen Schritt gesetzt." Trotz seiner großen geistigen und geistlichen Fähigkeiten sei der Papst stets persönlich ein einfacher, spiritueller Mensch mit großer Liebenswürdigkeit geblieben, betonte Küng.

Auf die Missbrauchskrise angesprochen zeigte sich Küng überzeugt, dass Benedikt XVI. darunter sehr gelitten habe. Schon als Präfekt der Glaubenskongregation habe sich der Papst für die Aufarbeitung und gegen jede Vertuschung eingesetzt. Wenn man ihm nun Gegenteiliges vorwirft, tue man ihm sehr unrecht, betonte der St. Pöltner Bischof.

Auch die Bemühungen um die Versöhnung mit der Piusbruderschaft und die Einführung des alten Tridentinischen Ritus seien falsch ausgelegt worden. Der Papst habe stets am Zweiten Vatikanischen Konzil festgehalten, es sei ihm schlicht ein Anliegen gewesen, die Kontinuität von Kirche und Glaube aufzuzeigen: "Die Eucharistie, die wir feiern, ist seit Anfang an die selbe. Anpassungen etwa im Bereich der Sprache sind richtig, aber das Wesentliche bleibt", so Küng wörtlich.

Konkrete Ratschläge wollte der St. Pöltner Bischof den Kärdinälen nicht ins Konklave mitgeben. Das stehe im nicht zu, so Küng. Freilich brauche es stets den Blick auf Christus und auf das Wohl der Kirche. Hauptaufgabe der Kardinäle sei es, "den zu entdecken, den der Heilige Geist längst zum nächsten Papst bestimmt hat".

(KAP)