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„Beim Beten fällt jedes Tabu ab“

St. Pölten, 27.01.2013 (dsp) Die Katholische Männerbewegung (KMB) thematisierte beim diözesanen Männertag im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt „Tabus“. Referent Wilhelm Achleitner, Leiter des Bildungshauses Puchberg, sagte: „Tabus schützen das private Leben, stabilisieren aber ein Männerbild, das wichtige Lebensbereiche ausklammert. Das unvollständige Männerbild behindert uns, weil wir in ihm nicht als ganze Männer erscheinen.“
In den letzten Jahren hätten aber immer wieder Männer den Mut gefunden, sich der umfassenden Wirklichkeit ihres Lebens zu öffnen und für Tabus eine Sprache zu finden. Sie seien damit sich selbst und auch den Frauen nähergekommen. „Dem halbierten Mann begegnen unsere Frauen mit Vorsicht. Dem ganzen Mann öffnen sie sich mit mehr Liebe, Vertrauen und Erotik“, so Achleitner. Der öffentlich weniger bekannte, ganze Mann habe ein reiches Innenleben mit vielen Gedanken, Sorgen, Begabungen und Schwächen, Süchten und Sehnsüchten. Das Sichtbarwerden des intimen Männerlebens sei aber kulturell tabuisiert. Der private Mann solle unsichtbar bleiben.

Achleitner, der selbst im Diözesanausschuss der KMB der Diözese Linz mitwirkt, griff sieben Bereiche heraus, die im üblichen Männerbild kaum vorkommen. Die Tür zu einigen verschwiegenen Männerthemen solle also geöffnet werden.

Religion bei Männern oft ein "eingezwickter Nerv"

Achleitner ortete Tabus in möglichen Abhängigkeiten der Männer von ihren Müttern, im Zeitmangel von Vätern gegenüber ihren Kindern, ebenso im Umgang der Männer mit ihrer Sexualität, dem oftmaligen Ignorieren gesundheitlicher Probleme und beim Auftreten von Süchten. Ein besonderes Problem sei auch die Tabuisierung der männlichen Religiosität, so Achleitner: Religion sei bei nicht wenigen Männern wie ein „eingezwickter Nerv“. Angst vor Schwäche bestimme das Verhältnis zur Religion; Gott werde als Rivale empfunden, der die männliche Kraft hemme. Religiös-Sein als Stärke zu verstehen, sei kaum vorgesehen, bedauerte Achleitner. Doch manche seien Mystiker, aber darüber schweigen wir besonders. „Ich habe Gott gespürt“ oder „Jesus ist mein Vorbild“ würden nicht zum Sprachschatz von Männern gehören.

Es gelte, diese Tabus anzuerkennen und ihnen mit eine „Gelassenheit aus dem Glauben“ zu begegnen, empfahl Achleitner. Dafür könnten sich die Männer eine tägliche Gebetszeit nehmen: „Wenn Sie beten, fällt jedes Tabu von Ihnen ab. Vor Gott ist der einzig tabufreie Raum. Vor ihm können Sie alles von sich ausbreiten. Und Sie werden wachsen im Glauben, in der Liebe, in der Hoffnung – und in der Selbstachtung.“

Beim diözesanen Männertag gratulierte der Geistliche Assistent der KMB, Richard Jindra, Diözesanobmann Leopold Wimmer nachträglich zu dessen 60. Geburtstag. Wimmer appellierte an die Männer, die aus der ganzen Diözese gekommen waren, das viele Gute, das in den Pfarren geleistet werde, zu sehen und sich nicht von der oft negativen Stimmung in der Kirche anstecken zu lassen.

Bild 1: KMB-Diözesansekretär Michael Scholz, KMB-Diözesanobmann Leopold Wimmer, Doris Weixelbraun (KMB-Sekretariat), Referent Wilhelm Achleitner, Geistlicher Assistent der KMB, Richard Jindra.