Sommerkampagne 2016
Sommerkampagne 2016
 
 

Abtbenediktion Abt Petrus Pilsinger, Seitenstetten

Liebe Brüder und Schwestern!

Zunächst möchte ich Dir, lieber Abt Petrus, recht herzlich dafür gratulieren, dass Du von Deinen Mitbrüdern als Nachfolger des außerordentlich verdienstvollen Abtes Berthold zum 63. Abt des Stiftes Seitenstetten gewählt worden bist. Es bedeutet ohne Zweifel eine große Würde, Abt eines so alten und bedeutenden Stiftes zu werden, es ist freilich auch eine große Aufgabe. Es war eine gute Eingebung Deines lieben Vorgängers, den Ostermontag als Termin für die Abtbenediktion auszuwählen. So wird in den Vordergrund gerückt, was für jedes kirchliche Amt die Grundlage bildet: die Gegenwart und die Wirksamkeit des auferstandenen Christus, der die Welt erlöst hat.

Traditionsgemäß wird bei uns am Ostermontag die Evangeliumsstelle verwendet, die von der Begegnung der Emmausjünger mit dem Auferstandenen berichtet. „ Während sie über all das, was sich ereignet hatte, miteinander redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesu hinzu und ging mit ihnen.“ Besseres kann man jemandem, der sich anschickt, die Aufgabe des Abtes zu übernehmen, nicht wünschen: Jesus möge in allen seinen Unternehmungen, in allem, was ihm anvertraut ist, was er regeln und leiten soll, immer dabei sein. Im Segensgebet bei der Abtbenediktion heißt es am Ende (gleichsam als Zusammenfassung aller Bitten, die vorher in diesem Gebet für den Abt ausgesprochen werden): „Er gebe Christus in allem den Vorrang und lehre auch seine Brüder, Christus über alles zu lieben.“

Zu jeder Zeit ist das das Zentrale in der Sendung der Kirche, jeder christlichen Gemeinschaft, jedes Klosters, eigentlich jedes Christen.

In unserer Zeit ist auch in traditionell christlichen Ländern die Orientierung des Einzelnen und der Familien an Christus schwieriger geworden. Die Lebensumstände und die Lebensweisen haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Die Einflüsse einer weitgehend säkularisierten Welt sind massiver geworden und erreichen auf dem Weg der Medien jedes Dorf und jeden Hof, auch den abgelegensten. Viele haben in der Glaubenspraxis nachgelassen. Das beeinflusst wiederum die Situation in den Bildungseinrichtungen, vor allem in den Schulen, aber auch in den Pfarren. Die Seelsorge ist schwieriger geworden.

Unter diesen Gegebenheiten kommt einem Kloster wie Seitenstetten für die ganze Region eine besonders wichtige, vielleicht in mancher Hinsicht auch neue Bedeutung zu. Einfach gesagt: Wenn es draußen kälter wird, dann ist es notwendig, innen mehr zu heizen.

Das Schöne an den Benediktinerstiften, insbesondere am Stift Seitenstetten, ist, dass die Kirche auch architektonisch das Zentrum, die Mitte der gesamten Klosteranlage bildet.

Ich möchte Dir, lieber Abt Petrus, in dieser Stunde vor allem einige gute Wünsche mit auf den Weg geben. Und der erste Wunsch ist, es möge Dir als Abt gelingen, dass die Kirche Eures Stiftes wirklich das lebendige, pulsierende Herz Eurer Klostergemeinschaft ist und für das ganze Mostviertel eine Art Kraftquelle, die allen Wärme und Bestärkung vermittelt.

Seitenstetten war von seinen ersten Anfängen an immer mit der Seelsorge in den Dörfern eng verbunden, hat die Seelsorge hochgehalten und gefördert. Ich wünsche Dir, dass das Kloster weiterhin für die Seelsorge in den Dörfern Rückhalt und vor allem für Eure Mitbrüder Heimat und Zuhause ist, wo sie Erholung finden und Stärkung, und dass Du als Abt immer mehr in die Rolle des Vaters hineinwächst, der für die anderen Vorbild, ja geistlicher Vater ist, mit einem großen, weiten Herzen, aber auch mit Stärke und Geradlinigkeit. In unserer Zeit entsteht Autorität weitgehend dadurch, dass derjenige, der vorne steht, mit dem Wunsch, den anderen beizustehen, in Treue zur Kirche vorangeht, und zwar mit einer gewissen Gelassenheit. Es sollte eine Gelassenheit sein, die auf den Beistand des Hl. Geistes und die Hilfe des Herrn baut und gerade deshalb zuteil wird.

Es freut mich, dass einer zum Abt gewählt wurde, der Direktor des Stiftsgymnasium ist und es noch ein paar Monate bleibt: Ich wünsche Dir, dass die Jugend auch in Zukunft sich im Stift zu Hause fühlt und dass es Eurer Schule gelingt, den jungen Menschen ein christliches Menschenbild zu vermitteln, und dass das, was sie bei Euch empfangen, zur Grundlage ihres Lebens wird.

Dankbar bin ich für die überpfarrlichen Angebote des Stiftes, z.B. für die Erstkommunion- und die Firmvorbereitung mit intensiver Einbindung der Eltern; dankbar bin ich auch für das Bemühen des Stiftes, Familien auf Weihnachten und Ostern vorzubereiten sowie Anregungen für die Gestaltung des Kirchenjahres zu Hause zu geben. Ich weiß von meinen Pfarrbesuchen in den umliegenden Dörfern, wie dankbar die Leute für diese Angebote des Stiftes sind. Ich wünsche Dir, dass es Euch weiterhin gelingt, ein geistliches Zentrum zu sein, das die Arbeit der Pfarren ergänzt und bereichert. Die heutige Mobilität der Menschen bringt neue Möglichkeiten mit sich.

Den Emmausjüngern sind die Augen aufgegangen, als sie zu ihrem Dorf gelangten und der Herr bei Tisch das Brot nahm, das Dankgebet sprach, es brach und ihnen gab. Plötzlich erkannten sie ihn. Ich bitte Euch; helft mit, dass die Eucharistiefeier hochgehalten wird, damit den Menschen die Augen aufgehen, Jesus erkannt wird. Ich wünsche es Dir und Deinen Mitbrüdern, dass ihr da mittut. Denn es lohnt sich.

Ich wünsche Dir ein wachsames Herz, damit keiner verlorengeht und alle in der Gemeinschaft mit dem Hl. Vater und der ganzen Kirche ausharren, auch wenn jetzt der Hl. Vater nicht mehr Benedikt heißt, sondern Franziskus.

Schließlich wünsche ich Dir persönlich, dass Du Dir den Frieden des Herzens bewahren kannst, um so allen zu dienen, wie es nötig ist und wie sie es brauchen.

Es hat mich gefreut, dass im Feierheft das Bild des Petrus eingefügt ist, der auf dem Wasser zu gehen versucht, aber einsinkt. Die Hand des Herrn rettet ihn. Ich wünsche Dir, dass Du gerade in schwierigen Momenten daran denkst, dass der Herr Dir seine Hand reicht.

Und zu allerletzt: Der hl. Benedikt hat Maria sehr geliebt. Ich wünsche Dir, dass sie Dich als Mutter des Herrn und als Deine Mutter mit ihrer Fürsprache in allem begleitet.