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„Unser Lebensstil ist unzumutbar für die Schöpfung“

Als „Botschafter der Ungerechtigkeit“ bezeichnete der deutsche Menschenrechtsaktivist Elias Bierdel beim Diözesanmännertag im Bildungshaus St. Hippolyt die zahlreichen Bootsflüchtlinge, die bei ihren Versuchen nach Europa zu gelangen oft unter dramatischen Umständen ums Leben kommen. Ursache für die Entscheidung eine Fahrt ins Ungewisse auf sich zu nehmen, sei letztlich die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich, wie Bierdel betonte: „Unser Lebensstil ist unzumutbar für die Welt, für die Schöpfung. Wir wissen es, aber ändern nichts.“
Das Thema des Vortrages „Europa – hart an der Grenze“ habe auch mit der aktuellen Finanzkrise Europas zu tun, sagte Leopold Wimmer, Vorsitzender der Katholischen Männerbewegung (KMB) der Diözese St. Pölten. Die Ursache der Krise sei in einer zunehmenden Gier der Menschen zu suchen. Unser Wohlstand sei zu einer „heiligen Kuh“ geworden, so Wimmer: „Wir haben unsere Werte am Altar des Wohlstandes geopfert.“ Es sei die Verpflichtung von Christen, den Menschen und seine Würde wieder an die erste Stelle zu setzen, wie der KMB-Vorsitzende betonte.

Anhand von zahlreichen exklusiven Fotos und Dokumenten beschrieb Elias Bierdel die Zustände an den Außengrenzen der Europäischen Union, die „von der Öffentlichkeit weitgehend ignoriert“ würden. Der Menschenrechtsaktivist zeigte auf, welche unmenschliche Formen die „Festung Europa“ unter der Europäischen Agentur zur Koordinierung des Schutzes der EU-Außengrenzen FOSTEX angenommen hat – und mit welchen Mitteln Flüchtlinge und Migranten daran gehindert werden, auf EU-Territorium zu gelangen. Europa sei „eine High-Tech-Festung, die weit über das hinausgeht, was wir vom Eisernen Vorhang noch kennen“.

„Gegen die Flüchtlinge wird Krieg geführt“, betonte Bierdel, der selbst nach einer dramatischen Rettungsaktion von Flüchtlingen in Seenot wegen angeblicher Schlepperei angeklagt gewesen war. Die Überwachung der EU-Außengrenzen geschehe mit Unterstützung von Satelliten der Europäischen Raumfahrtsbehörde ESA, die alle Bewegungen noch so kleinen Bootes im Mittelmehr erfassen. Bierdel: „Wenn ein Boot mit Flüchtlingen in Seenot gerät und Menschen ertrinken, geschieht dies willentlich.“ Andere Schiffe würden daran gehindert werden, zu helfen. „Wer es wagt, das europäische Versprechen auf Menschenrechte einzulösen, verschwindet.“

Am Nachmittag vertieften die Teilnehmer des Diözesanmännertages der KMB St. Pölten das Thema im Workshop „Flüchtlinge in der Diözese St. Pölten“. Die Themen der weiteren Workshops im Rahmen des Jahresmottos „Tabus – worüber wir nicht reden (wollen)“ waren „Alkoholismus – eine Krankheit?“, „Der Glaube – mein Kapital“ und „Romeropreis 2012 – Ideenworkshop für Pfarrgruppen“.