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Sozialwissenschafter: Unfinanzierbares Alter ein „Mythos“

Als einen „Mythos“ bezeichnete der katholische Sozialwissenschafter Markus Schlagnitweit die oft wiederholte Behauptung, die Betreuung und Pflege alter Menschen sei bald nicht mehr leistbar, am Mittwoch bei dem Symposion „Kostbares Alter“ in St. Pölten. Auch die Sprache von einer „Überalterung“ der Gesellschaft sei „ein schrecklicher Begriff“, da mit „über“ immer ein „Zuviel“ bezeichnet werde: „Hier geht es jedoch um Menschen!“ Die Tagung der Arbeitsgemeinschaft Altenpastoral der österreichischen Diözesen und der Diözese Bozen-Brixen war ein Beitrag des „EU-Jahres 2012 für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen“. Anstatt über die Teilhabe alter Menschen an der Gesellschaft nachzudenken, werde immer nur die Kostenfrage behandelt, stellte Schlagnitweit fest. „Wir sitzen hier einem Mythos auf, der von bestimmten Gruppen forciert wird.“ Es sei vielmehr eine Frage des Willens, sich das Alter und den Sozialstaat im Allgemeinen zu „leisten“. Oft werde damit argumentiert, dass vor 50 Jahren 1 Pensionist auf 3 Erwerbstätige kam, heute betrage das Verhältnis 1 zu 1. „Damals waren jedoch viel weniger Frauen erwerbstätig und es gab mehr Kinder zu betreuen, die in dieser Rechnung alle fehlen“, gibt der Mitarbeiter der Katholischen Sozialakademie Österreichs zu bedenken. Außerdem sei die Produktivität der Wirtschaft seitdem „um mehrere hundert Prozent“ gestiegen.

Altern in Würde?

Auf das Schlagwort vom „Altern in Würde“ ging die Soziologin Margit Scholta ein und fragte, warum auf die Würde der alten Menschen immer hingewiesen werden müsse: „Spricht man etwa auch von einer Würde der Jugend?“ Die Würde von Alten werde schon allein durch einen diskriminierenden Sprachgebrauch verletzt, wie die Gründerin der Altenpflegeschule Oberösterreich betonte. „Was bewirken Wörter wie Überalterung oder Altenlastquote in der Bevölkerung? Wie viele Alte darf es denn geben? Und wo fängt das Alter an?“

Als Folge dieser Sprache fürchteten sich bereits Zwanzigjährige vor dem Alter und betrieben „Altersvorsorge“, wovon viele Branchen leben würden. Niemand setze sich jedoch bewusst mit dem Alter auseinander, ein Teil unseres Lebens werde vollständig ausgeblendet. „Eine Bevölkerungsgruppe wird stigmatisiert“, kritisierte Scholta. „Die kulturelle Wertehaltung ist: jung, gesund, fit und schön – nur die sind die Guten.“ Es sei ein Auftrag der Politik hier mit Veränderungen anzusetzen, denn „unterschwellig“ sei dieses Denkmuster auch eine „Leitlinie, wie Politik gemacht wird“.

Altern – nicht nur Alter

Auf EU-Ebene habe man bereits versucht, einen „kleinen Paradigmenwechsel“ einzuleiten, sagte der österreichische EU-Abgeordnete Heinz Becker. So heiße das offizielle EU-Jahr 2012 „für aktives Altern“ und nicht „Alter“. „Das Altern geht uns alle an“, so Becker. Es gelte, den übertriebenen Jugendkult durch eine „Kultur des Alterns“ abzulösen. Die übergeordneten Überlegungen zum EU-Jahresschwerpunkt sei die Förderung selbstbestimmten Lebens im Alter. Dazu gehöre die Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten sowie Möglichkeiten zur Freiwilligentätigkeit, von geeigneter Infrastruktur und die Teilhabe an Informationstechnologien.