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„Gott hat zur richtigen Zeit die Fastenaktion geschickt“

Draupadi Rokaya und Menuka Thapa, zwei Frauen aus Nepal mit einer bewegenden Geschichte, sind Projektpartnerinnen der Fastenaktion der Diözese nach St. Pölten. Sie informierten jüngst über die Menschenrechtslage in ihrem Land. Die beiden haben die Diskriminierung von Frauen am eigenen Leib erfahren.
Rokaya wuchs im Westen Nepals auf, dort ist das patriarchale System besonders ausgeprägt. Glücklichen Umständen verdankte Rokaya den Besuch der Missionsschule. Diese Erfahrungen motivierten sie, ihr Leben dem Kampf für Frauenrechte zu widmen. „Die gesellschaftliche Stellung der Frauen in Nepal ist nicht gut und geprägt durch eine lebenslange Abhängigkeit von Männern. Frauen werden als Menschen 2. Klasse angesehen, oft sogar wie Tiere behandelt. Ein Mädchen hat keinen Wert für die Familie, es wird als Last betrachtet.“ Einer der Hauptgründe sei die Hindu-Kultur, die auf Söhne ausgerichtet sei.

Die Analphabetenrate unter Nepals Frauen betrage fast 50 Prozent. Am Land würden Möglichkeiten für eine fundierte Ausbildung fehlen. Viele junge Frauen suchen ihr Glück in der Stadt und landen in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen und werden Opfer von Gewalt.

Zuletzt habe sich die Lage der Frauen per Gesetz etwas gebessert – auch weil Frauen wie Draupadi Rokaya und Menuka Thapa Druck auf die Regierenden ausüben.

Tätigkeiten von Rokaya und Thapa

Draupadi Rokaya ist Geschäftsführerin von Nepal Mahila Bishwasi Sangh (NMBS = Young Women's Christian Association Nepal). Ziel der Organisation ist die Stärkung des Selbstvertrauens von jungen Frauen und Unterstützung in Krisensituationen. NMBS betreibt ein Frauenzentrum in Kathmandu, das als Krisenzentrum und als Bildungszentrum für Frauen dient. Es werden Alphabetisierungskurse, Gesundheitstrainings, rechtliche Hilfestellungen und vieles mehr angeboten. NMBS ist auch in den Regionen rund um Kathmandu aktiv. Rokaya: „Gott hat zur rechten Zeit die Unterstützung der Fastenaktion geschickt, sonst gebe es das Zentrum vielleicht nicht mehr.“

Menuka Thapa wurde als 9. Mädchen geboren. Während der Schwangerschaft starb ihr Vater. Trotz größter Armut ging sie zur Schule. Nach dem Tod der Mutter landete sie in den Straßen Kathmandus und arbeitete als Sängerin. Sie sah die unglaubliche Ausbeutung von Frauen, die zur Sexarbeit gezwungen werden. Sie begann die Frauen zu vernetzen, brachte ihnen lesen und schreiben bei. Nebenbei studierte sie Musik und Soziologie. „Meine Pflicht ist es, den Frauen zu helfen, die gezwungen werden, als Sexarbeiterin zu arbeiten.“

Thapa leitet die Organisation Raksha Nepal mit Sitz in Kathmandu. Raksha Nepal setzt sich für benachteiligte Frauen und deren Rechte ein. Genderbasierte Gewalt und sexuelle Ausbeutung werden aufgezeigt und bekämpft. Raksh Nepal betreibt ein Heim für Kinder von Sexarbeiterinnen, bietet Rehabilitationsprogramme sowie Rechtsberatung und Gesundheits-Checks für Frauen in der Sexindustrie an.

Foto: Draupadi Rokaya und Menuka Thapa zeigen, wo sie leben. Im Bild mit Karin Hintersteiner, Leiterin der Fastenaktion der Diözese St. Pölten.