Sportlermesse mit Fußball-Segnung
Kinder an der Orgel
Pater und Jugendliche am Lagerfeuer
 
 

"Goldenes Byzanz" zeigt christliche Wurzeln Europas

Wer denkt schon daran, dass das römische Reich erst im 15. Jahrhundert untergegangen ist? Wem ist bekannt, wer mit einer ungebrochenen Tradition die Brücke von der Antike zur Neuzeit geschlagen hat? In welchem christlichen Reich mit über tausendjährigem Bestand liegen Europas Wurzeln? Das Byzantinische Reich, benannt nach der kleinen, ursprünglich griechischen Kolonie Byzantion, das Kaiser Konstantin als "Konstantinupolis" zur neuen Hauptstadt, zum "östlichen Rom" machte, ist das Thema der diesjährigen Ausstellung auf der Schallaburg.
Die Ausstellung "Goldenes Byzanz" spannt einen Bogen von der Gründung Konstantinopels im Jahr 330 bis zur Eroberung der Stadt durch die Osmanen 1453 und zeigt auch die Wirkungsgeschichte des byzantinischen Reiches bis in die Gegenwart auf. Im heutigen Istanbul regierten die byzantinischen Kaiser ein Imperium, das sich zeitweise von Italien bis Armenien, von der Donau bis nach Ägypten erstreckte. Deutlich wird auf Schritt und Tritt, wie sehr das Christentum fast alle Bereiche des byzantinischen Lebens prägte und wie sehr letztlich auch das orthodoxe Christentum Europa prägte und prägt.

Patriarchen, Ikonen, Reliquien

Umfassenden Informationen über das kirchliche Leben im Byzantinischen Reich und die orthodoxe Kirche in Vergangenheit und Gegenwart sind wesentlicher Bestand der gesamten Ausstellung. Eines der bedeutendsten Schaustücke sind zwei Seiten aus dem "Patriarchatsregister", das in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt wird. Das Register gibt Einblicke in das Leben der Kirche im byzantinischen Reich, über administrative und kirchenpolitische Angelegenheiten aber auch über das tägliche Leben am Sitz des Ökumenischen Patriarchen in Konstantinopel. Weitere bedeutende historische Schriftstücke, etwa wie Konzilsakten, sowie Ikonen, Reliquiare und Informationen zum byzantinischen Kirchenbau, zum Pilgerwesen und zum Mönchtum gehören ebenfalls zu Schau.

Aufgrund zahlreicher Reliquien war Konstantinopel von jeher eine bedeutende Pilgerstätte. Die Hagia Sophia war rund 1.000 Jahre die größte Kirche der Christenheit und sei wohl das beeindruckendste Zeugnis der christlichen Ausrichtung Konstantinopels, so Prof. Falko Daim, Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz und Kurator der Ausstellung. In Byzanz seien immer wieder wichtige kirchliche Weichenstellungen unternommen worden, etwa bei den beiden Konzilien in Nicäa oder den drei in Konstantinopel selbst abgehaltenen. Das "Goldene Byzanz" war auch die Wiege des orthodoxen Christentums, das heute in Ost- und Südosteuropa verbreitet ist.

Wie Daim weiter sagte, habe das Byzantinische Reich eine bedeutende Vermittlerrolle zwischen Orient und Okzident eingenommen. Im Gegensatz zu Westeuropa sei in Byzanz das antike römische und griechische Erbe lebendig gehalten worden; es gelangte so vor allem ab dem 15. Jahrhundert wieder in den Westen. Die byzantinische Kunst habe sich in einem ständigen Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation bewegt und - weitgehend unbekannt - die westliche Architektur und Malerei inspiriert, zuletzt im Wiener Jugendstil. Auch dieser Aspekt werde in der Ausstellung beleuchtet, so Daim. Ein Modell der Otto-Wagner-Kirche am Steinhof legte beispielsweise Zeugnis davon ab.
Ohne Byzanz sei das moderne Europa undenkbar, betonte Daim: "Wussten Sie etwa, dass das heutige europäische Recht auf dem 'Codex juris civilis' von Kaiser Justinian I. aus dem 6. Jahrhundert basiert?"

Originalgetreue Rekonstruktionen

Bereits vor der eigentlichen Ausstellung erwartet die Besucher auf der Schallaburg die funktionstüchtige Rekonstruktion einer wasserbetriebenen byzantinischen Steinschneidemaschine aus dem frühen 7. Jahrhundert, deren Vorbild in Ephesos gefunden wurde. Ausgangspunkt der Ausstellung selbst ist dann der zu einem byzantinischen Thronsaal umgebaute Festsaal der Schallaburg. In der Ausstellung sorgt u.a. eine originalgetreu nachgebaute byzantinische Doppelorgel zu speziellen Anlässen für Klangerlebnisse.

Die Ausstellung auf der Schallaburg entstand in Kooperation mit dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz und dem Institut für Byzanzforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Sie vermittelt den Besuchern nicht nur byzantinische Kunst und Kultur, sondern zeigt auch die Alltagswelten im Vielvölkerreich und die wechselseitigen Beziehungen zwischen dem Reich und seinen Nachbarn. Dafür wurden der Ausstellung 400 herausragende Objekte aus den Beständen bedeutender europäischer Museen wie dem Benaki-Museum in Athen, dem Archäologischen Institut mit Museum in Sofia oder dem Nationalmuseum in Budapest zur Verfügung gestellt. Unter anderem ist der Goldschatz von Preslaw (ein archäologischer Fund aus dem heutigen Bulgarien) erstmals in Österreich zu sehen.
(dsp/kap)

www.schallaburg.at