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Pater und Jugendliche am Lagerfeuer
 
 

„Freude, das Papstbuch über die Kindheit Jesu zu lesen“

St. Pölten, 19.12.12 (dsp) Drei St. Pöltner Theologen würdigen bei Vorträgen an der philosophisch-theologischen Hochschule St. Pölten das neue Buch von Papst Benedikt über die Kindheitsgeschichten von Jesus. Rektor Josef Kreiml: „Es ist eine Freude, das Papstbuch über die Kindheit Jesu zu lesen.“
Kreiml verweist in seiner Analyse auf den renommierten deutschen Neutestamentler Klaus Berger: „Mit dem sicheren Griff des gestandenen Seelsorgers und Priesters betont Papst Papst Benedikt XVI. stets die auch heute noch zentralen Aussagen: von der Jungfrau Maria bis zum 12-jährigen Jesus im Tempel.“ Berger bezeichne die exegetische „Ehrenrettung Bethlehems“ durch den Papst als „geradezu verdienstvoll und mutig“. Obwohl viele Wissenschaftler für Nazareth als Geburtsort Jesu plädieren würden, sei die Antwort des Papstes „völlig richtig“: Jesus ist in Bethlehem geboren, aber in Nazareth aufgewachsen. Berger lobe weiters, dass „der Papst gesamtbiblisch denkt und arbeitet – mit sicheren Blick auf die Bedeutung alttestamentlicher Exegese“.

Religionspädagogin Hinterndorfer: Herausforderung religiöse Bildung

Was wollten die Evangelisten mit ihren Texten sagen? Ist das Gesagte wahr? Geht es mich an? Und wenn, wie? In diesem Sinn sei der Papst mit den Texten der Kindheitsevangelien in Dialog getreten, so die Katechetikerin und Religionspädagogin Irene Hinterndorfer. Der Religionsunterricht solle laut Hinterndorfer dazu beitragen, dass „die Schülerinnen und Schüler mit der erlösenden Verheißung im Christentum vertraut werden“. Die Geschichten über die Geburt Jesu würden sagen: „Jesus, der Retter ist da. Gott ist Heil. Es soll deutlich werden, Weihnachten und Ostern gehören zusammen.“ Die Herausforderung religiöser Bildung bestehe darin, Kindern und Jugendlichen im Religionsunterricht christlichen Glauben so anzubieten, dass sie seine Relevanz für ihr Leben sehen.

In letzter Zeit werde viel über den so genannten „kompetenzorientierten Unterricht“ gesprochen und aus religionspädagogischer Sicht erhebe sich die Frage, welche „Kompetenzen“ sollen Schüler denn erwerben? Sie sollen sich Wissen aneignen über die Kindheitsgeschichten Jesu. Der so genannte Ö3-Mikromann zeige durch seine Interviews immer wieder auf, dass manche Menschen keine Ahnung hätten, was an den Feiertagen eigentlich gefeiert wird, warum frei ist. Das heiße, es gehöre auch zur Allgemeinbildung, unsere Kultur mit ihren jüdisch-christlichen Wurzeln zu verstehen. Zusätzlich zu einem Faktenwissen gehe es um die Entwicklung einer religiösen Sensibilität, Wahrnehmungskompetenz und auch um Verstehens- und Urteilsfähigkeit. Die Schüler sollen anhand der biblischen Texte über die Geburt Jesu den Sinn des Weihnachtsfestes erfassen. Das Ziel sei – so Hinterndorfer - religiöse Handlungsbereitschaft, Handlungskompetenz, auch ethisch-moralische Kompetenz.

Theologe Knittel: Lange Reihe geschichtlicher Faktoren, die das Kommen Jesu bedingen

„Das universale Heilsangebot Gottes, das sich an jeden Menschen und an die ganze Welt richtet, knüpft sich an Zeit und Raum, an ganz konkrete, reale Rahmenereignisse der Geschichte, aber auch an kosmische Gegebenheiten“, so der Kirchenrechtler Reinhard Knittel. Lange sei diese Reihe der geschichtlichen Faktoren, die das Kommen Jesu bedingen und begleiten und im Papst-Buch würden sie meisterhaft auf das Wesentliche hin ausgedeutet. Etwa sei die Rede von der großen Hoffnung und Erwartung des Römischen Friedensreiches unter Kaiser Augustus, das dann im unbemerkten Kommen des Heilands, des wahren Friedensfürsten seine volle göttliche Erfüllung finde. Auch die bei Lukas erwähnte Volkszählung gehöre dazu, die erst Maria und Joseph nach Bethlehem ziehen lässt und damit den Geburtsort Jesu bestimmt, den Papst Benedikt, ganz in Übereinstimmung mit den beiden Kindheitsevangelien und der uralten bethlehemitischen Lokaltradition in Bethlehem wisse.

Die Verknüpfung zwischen kosmischer Naturerscheinung und Heilsgeschichte erkläre auch den Stern, dem die Weisen als Naturzeichen folgten. Der Papst wisse laut Knittel, dass der genannte Stern nur Werkzeug des Kindes sei und dass er als kosmisches Zeichen alleine nicht ausreichte, um die Weisen zum Erlöser zu führen, „weil das Hören auf das Wort Gottes, das ihnen die von Herodes befragten Priester in Jerusalem darlegen mussten, dazu treten musste, vor allem aber der innere Impuls der Gnade, der sie überhaupt suchen und finden ließ“. Immer wieder gehe es um Fügungen der Heilsgeschichte, die Weltgeschichtliches oder Kosmisches zu ordnen und zu nutzen weiß, die aber auch das Kommen des universalen Heils in Jesus Christus demütig an ganz konkrete, von Zeit und Ort bestimmte Ereignisse und Gegebenheiten, bindet.

Lesung mit Bischof Küng

Eine Lesung aus dem neuen Buch von Papst Benedikt XVI. veranstaltet die Buchhandlung Böck in St. Pölten am Donnerstag, den 20. Dezember um 19.30 Uhr in der Unterwagramerstraße 47. Bischof Klaus Küng wird in gemütlicher, adventlicher Atmosphäre ausgewählte Stellen aus dem dritten Band „Jesus von Nazareth“ vorlesen und einige Gedanken und Erfahrungen dazu vorstellen.

"Joseph Ratzinger - Benedikt XVI., Jesus von Nazareth. Prolog. Die Kindheitsgeschichten" 171 Seiten, Verlag Herder, Freiburg 2012, 20 Euro.

Bild: Rektor Josef Kreiml, Katechetikerin Irene Hinterndorfer, Kirchenrechtler Reinhard Knittel stellten in der Aula der philosophisch-theologischen Hochschule St. Pölten das neue Papst-Buch über die Kindheit Jesu vor.