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Kottes-Purk, Gemeinde Kottes-Purk
 
 

Erste „Theologische Umweltgespräche“ im Stift Herzogenburg

Herzogenburg, 06.10.12 (dsp) „Wir haben die Freiheit, dass wir uns den Himmel oder die Hölle auf Erde schaffen. Das liegt an uns“, so Propst Maximilian Fürnsinn vom Stift Herzogenburg, das gestern Gastgeber für die ersten „Theologischen Umweltgespräche“ war. Dieses wurde gemeinsam vom Land Niederösterreich und den Diözesen St. Pölten und Wien veranstaltet. Neben Propst Fürnsinn referierten und diskutierten NÖ-Umweltlandesrat Stephan Pernkopf, Meinungsforscherin Sophie Karmasin, der bekannte Theologe Wolfgang Treitler und Armin Haiderer, Präsident der Katholischen Aktion der Diözese St. Pölten.

Propst Fürnsinn: Kultur der Klöster heißt Abstriche machen

Propst Fürnsinn verwies darauf, dass zu seiner Studienzeit die Schöpfungsverantwortung und Umwelt keine wichtige Rolle gespielt habe, das habe sich in der Kirche mittlerweile geändert. Ein gutes Vorbild für den bewussten Umgang mit der Natur könnte die Kultur der Klöster sein: „Sie machen teilweise Abstriche, nehmen sich zurück, verzichten.“ Hilfreich sei dabei die Rhythmisierung des klösterlichen Alltages, die beispielgebend sein könnte. Man solle auch dankbarer sein für die großen Geschenke des Lebens – die wir nicht selbst bereitstellen können - und gleichzeitig Bedürfnislosigkeit lernen. Ihm sei auch wichtig, nicht nur sich selbst im Blick zu haben, sondern auch das Gemeinwohl, das lebten auch die Ordensgemeinschaften vor. Fürnsinn: „Gut leben hat damit zu tun, einfach zu leben in dem Sinne, dass man den anderen noch wahrnimmt.“

Landesrat Pernkopf: Auch der Einzelne kann viel tun

Auch der niederösterreichische Umweltlandesrat Stephan Pernkopf sagte, Menschen könnten so oder so handeln. Die negativen Auswirkungen auf den Umgang mit der Schöpfung mache schon vielen Angst: etwa aufgrund der zahlreichen Unwetter oder des Klimawandels. Er stellte eine Diskrepanz zwischen Denken und Tun fest. Gerade im Bereich der Mobilität sei das Umdenken schwierig. Dagegen gebe es beim Wohnbau und im Energiebereich viele Fortschritte, etwa was die Wärmedämmung oder die Photovoltaiktechnik betreffe. Österreich sei im Umweltschutz glaubwürdig, weil es auf Atomkraftwerke verzichtet habe. Der Ausstieg aus der Kernkraft sei möglich, das zeige derzeit Japan. Es sei nur eine Frage der Prioritätensetzung. Auch hierzulande sei noch viel möglich, viel stimme positiv: So gibt es in NÖ schon hunderte Stromsparfamilien. Der Umweltpolitiker: „Trotz der welt- und europaweiten beunruhigenden Situation dürfen wir den Kopf nicht in den Sand stecken. Wir müssen Tag für Tag handeln. Auch der Einzelne kann viel tun.“

Am 4. Dezember vergibt das Land Niederösterreich übrigens den diözesanen Umweltpreis an Pfarren, die ihre Feste umweltgerecht feierten.

KA-Präsident Haiderer: Naturschutz in Bibel verankert

Aus Sicht von Armin Haiderer, Präsident der Katholischen Aktion der Diözese St. Pölten, sei die die Bedeutung der Schöpfungsverantwortung „fest in der Bibel verankert“. Im Rahmen der jährlichen Schöpfungszeit vom 1. September bis 4. Oktober forderten die Kirchen, dass die Güter der Erde gerecht geteilt werden und Ressourcen auch für die Zukunft bewahrt bleiben. Er gab zu bedenken: „Wie werden die Menschen der Zukunft über uns urteilen?“

Theologe Treitler: Schöpfung geht in Richtung Erschöpfung

Der bekannte Wiener Fundamentaltheologe Wolfgang Treitler betonte, dass die Bibel unter Schöpfungsverantwortung verstehe, diese zu pflegen und nicht auszubeuten. Jede Handlung habe Auswirkung auf andere. Derzeit befinde sich die Schöpfung eher in Richtung Erschöpfung. Dies komme auch daher, dass Menschen allzu oft die Götzen Geld und Macht anbeten würden. Was heute oft vergessen werde: Der freie Tag – der Sabbat oder Sonntag – sichere die Qualität der Schöpfung. Das Gut des freien Tages sei ein kulturelles Gut, das wir zerstört hätten. Ziel der Schöpfung sei die Ruhe: „Ich arbeite, um Urlaub zu haben und nicht umgekehrt.“ Den Festtagen müssten wieder mehr Raum und Lebenswelt gegeben werden. Treitler: „Für mich heißt gut zu leben, einen Tag in der Woche nichts zu tun, nicht einmal den Computer aufzudrehen.“

Meinungsforscherin Karmasin: Lebensqualität mehr als Materielles

Die Menschen in Niederösterreich wollen ein „bodenständiges, ehrliches, verortetes Leben in ihrer Region“, zog Meinungsforscherin Sophie Karmasin ihre Schlüsse aus einer neuen Meinungsumfrage ihres Institutes. Lebensqualität sei mehr als nur Materielles. Über die Hälfte der Befragten wünschte sich ein bodenständiges Leben in Einklang mit der Natur. Fast ein Drittel könnte sich vorstellen, auf das Auto zu verzichten. Die Erreichung der Klimaziele setzten die Umfrageteilnehmer nicht mit Einschränkung und Verzicht gleich, sondern mit höherer Lebensqualität, Entschleunigung und „von mehr Natur umgeben“ zu sein. Laut Karmasin sei den Menschen bei Umweltthemen die Wahrheit zumutbar, sie möchten ehrliche Antworten. Die Meinungsforscherin sieht trotz aller Wertschätzung der Niederösterreicher für Umwelt und Natur eine Gefahr: „Man spricht oft nur darüber, aber die Umsetzung ist nicht klar.“

Die ersten „Theologischen Umweltgespräche“ wurden von der Energie- und Umweltagentur Niederösterreich sowie von der Katholischen Aktion der Diözese St. Pölten und vom Umweltbüro der Erzdiözese Wien veranstaltet. Birgit Perl vom ORF NÖ moderierte den Abend, der unter dem Motto „Einfach gut leben“ stand.

Foto: Theologe Wolfgang Treitler, Propst Maximilian Treitler, Moderatorin Birgit Perl, Umweltlandesrat Stephan Pernkopf, Meinungsforscherin Sophie Karmasin, Markus Gerhartinger, Umweltreferent der Erzdiözese Wien, Armin Haiderer, Präsident der Katholischen Aktion der Diözese St. Pölten.