P. Clemens Hainzl OSB und Ministranten mit Adventkranz
Krippenausstellung im Diözesanmuseum
Adventmarkt
 
 

Erik Saties „Armenmesse“ im St. Pöltner Dom

St. Pölten, 09.10.2012 (dsp) Im Rahmen der Sonntagsmesse am 21. Oktober um 10.30 Uhr im Dom zu St. Pölten wird der Domchor unter der Leitung von Otto Kargl ein ganz spezielles musikalisches Werk aufführen: Erik Saties „Messe des Pauvres“ (Armenmesse). Eric Satie (1866-1925) komponierte diese Messe in den Jahren 1893-95. Das Werk stellt einen ersten Höhepunkt im Schaffen des ganz eigenen Genies Satie dar: Ausgehend von mittelalterlicher modaler Parallellakkordik, von Gregorianik und Neugotik stellt Satie in ganz neuartiger Weise kurze und kürzeste Thementeile zusammen, die nur auf den ersten Blick Baukasten mäßig, willkürlich, ohne Ordnung erscheinen.

Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich jeder einzelne der sieben Sätze als äußerst fein gebaute Form: Trinitarisch (Kyrie), antiphonal (Dixit dominus und Priére pour le salut de mon ame), ineinander kreisend (Priére des Orgues, Chant Ecclésiastique) doppelversig (Priére pour les voyageurs...) und Sonatenform (Commune qui mundi nefas). Zusätzlich enthält jeder Satz eine Fülle an zusätzlichen Formschemata en miniature – und das alles auf engstem Raum der einzelnen Sätze.

Unter der Prämisse, dass die Kunst eine heilige Sache ist, lässt sich Saties Armenmesse – wiewohl nicht für die nachkonziliare Eucharistiefeier gedacht – in die Liturgie durchaus sinnvoll integrieren. Neben den vielen meist übersehenen äußerlichen überraschenden Kunststücken dieser Messe des Pauvres muss man vor allem auch den idealistischen Mystiker Erik Satie sehen, der mit dieser Musik dem Ausdruck des „Unsagbaren“, des „Unsichtbaren“ ganz nahe kommt. Saties Bemühen um absolutes Künstlertum, letztlich unerreichbar und unfassbar, bleibt beeindruckend: Komponieren stellt sich für ihn als eine „heilige Handlung“ dar.

Ludwig Lusser

Bild: Domkapellmeister Otto Kargl (Foto: Franz Gleiss)