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Christentum: Der eigentliche Impuls kommt von außen

St. Pölten, 23.12.2012 (dsp) Es sei immer schon die Versuchung des Menschen gewesen, „alles aus eigener Kraft zu schaffen“, sagte der Weihbischof der Diözese Graz-Seckau, Franz Lackner, bei der dritten Katechese zum „Jahr des Glaubens“ in der Franziskanerkirche in St. Pölten. Das Christentum als Offenbarungsreligion lebe jedoch davon, dass „der eigentliche Impuls von außen kommt; wir sind uns nie genug“. Es brauche die „Hinneigung“ auf das, was wir uns nicht selber geben können, so Lackner. So seien auch die Worte in den Evangelien „Die Zeit ist erfüllt“ im Zusammenhang mit der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus „von Gott her zu verstehen“, wie Lackner betonte: „Sein Ankommen bei uns ist die Fülle der Zeit.“

Maria sei wie das Volk Israel von Gott erwählt worden, erklärte Weihbischof Lackner. Gott habe an diesem Volk beispielhaft gezeigt, dass er „mit uns sein“ wolle. Die Menschen hätten diese Nähe Gottes aber nicht zugelassen. Am Ende des „Werbens Gottes“ durch die Jahrhunderte stehe eine einzelne Person: Maria als der „heilige Rest Israels“, als das „wahre Sion“, mit der das neue Israel beginne. In ihr konnte Gott in einer Art und Weise ankommen, wie es woanders – etwa im Tempel zu Jerusalem – nicht verstanden worden wäre, wie Lackner ausführte.

Zur Verheißung des Propheten Jesaia, dass eine Jungfrau einen Sohn gebären werde – im hebräischen Original: „eine junge Frau“ –, sagte Lackner, dass im Alten Testament „die Fülle der Verheißung noch nicht sichtbar“ werde. Sie erscheine nur als „Hinweis“, so wie auch viele andere Zeichen als Vorausbilder auf die Erfüllung im Neuen Bund gedeutet würden. Papst Benedikt XVI. bezeichne in seinem neuen Jesus-Buch die Verheißung von der „jungen Frau“ als „wartendes Wort“. Ähnlich wie im Lied vom Gottesknecht sei dessen Aussagekraft noch nicht voll entfaltet und warte auf den kairos (den rechten Zeitpunkt), „voll und ganz ausgesprochen zu werden“, so Lackner.

Unbefleckte Empfängnis: „Gott nicht vorschreiben, wie er zu handeln hat“

Zur Frage der „Unbefleckten Empfängnis“ Mariens, ihrer Bewahrung vor der Erbsünde, betonte Weihbischof Lackner, dass „der Heilsuniversalismus nicht in Frage gestellt“ sei, weil dadurch – so die Einwände – nicht alle Menschen erlösungsbedürftig seien. Der scholastische Theologe und Philosoph Duns Scotus habe bereits formuliert, dass auch Maria ein erlösungsbedürftiger Mensch gewesen, jedoch im Voraus erlöst worden sei. „Wir schreiben Gott immer vor, wie er zu handeln hat“, kritisierte Lackner in diesem Zusammenhang: „Er ist der Herr, nicht wir!“ Wir sollten Gott „zutrauen, dass er einen einzelnen Menschen herausnehmen und im Hinblick auf das Kreuz erlösen könne“. Schließlich sei es nach Duns Scotus auch „angemessen aufgrund der Schöpfungsgüte Gottes“, dass dieser in Maria einen „heiligen Rest“ bewahrt habe, da der Bruch zwischen Gott und Mensch „nicht absolut gesehen“ werden könne, wie etwa auch das Beispiel des Gleichnisses vom Verlorenen Sohn zeige, so Lackner.

In einer Katechese werde die Lehre der Kirche verkündet, betonte Lackner, und nicht, „was jemand persönlich glaubt“. Deswegen werde vieles, was die Kirche seit zwei Jahrtausenden glaubt, auch „nicht mehr gesagt“. Das persönliche Zeugnis und die Lehre der Kirche dürften natürlich nicht zu weit „auseinanderklaffen“, warnte Lackner. Das Verkünden der Lehre der Kirche sei jedoch auch eine Entlastung, da die Möglichkeiten des Einzelnen Erkenntnis zu erwerben in einem kurzen Leben viel zu gering seien. Dabei müssten Glauben und Denken einander ergänzen, so Lackner: „Nur durch betendes Denken oder denkendes Beten werden wir die Tiefe der Weisheit Gottes halbwegs erfassen können.“

Die Katechese zum Nachhören