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Bischöfe: Probleme rund um Reproduktionsmedizin nicht negieren

Die zahlreichen ethischen, gesundheitlichen und psychischen Probleme rund um die Reproduktionsmedizin dürfen nicht negiert werden. Das fordert die Österreichische Bischofskonferenz in einer am Donnerstag veröffentlichten ausführlichen Erklärung zur Ethik des Lebens. Es sei nicht jedes Mittel zu rechtfertigen, die heutzutage verbreitete Unfruchtbarkeit zu umgehen; In-Vitro-Fertilisation und Präimplantationsdiagnostik seien abzulehnen, so die Bischöfe zum Abschluss ihrer Sommersession in Mariazell. Schwerwiegende Einwände erheben sie auch gegen künstliche Befruchtung in Fällen, in denen das "Recht der Kinder auf Vater und Mutter" von vornherein missachtet wird.
Die Bischöfe verlangen angesichts der Komplexität des Themas und der "weithin verschwiegenen" Probleme einen breiten öffentlichen Diskurs über die ernsten ethischen und rechtlichen Fragen, die durch die Reproduktionsmedizin aufgeworfen werden. "Dabei muss es immer um die Würde des Menschen, ganz besonders aber um das Wohl des Kindes gehen."

Ihre Standpunkte legen die Bischöfe in ihrer Erklärung ausführlich dar. Sie weisen zunächst auf "besorgniserregende Anzeichen für eine generell gestiegene Unfruchtbarkeit" hin, die vielen Paaren leider den sehnlichen Kinderwunsch versage. Den davon Betroffenen sprechen die Bischöfe ihre "tiefe Verbundenheit" aus "und appellieren zugleich an Wissenschaft und Politik, vor dieser Entwicklung nicht die Augen zu verschließen, sondern ernsthaft nach den Ursachen dafür zu forschen".

Aber nicht jedes Mittel sei zu rechtfertigen, um Eltern zu werden, halten die Bischöfe fest. "Gerade wenn es um das Leben von Menschen geht, sind die höchsten rechtlichen und ethischen Maßstäbe gefordert, die sich aus der Einzigartigkeit der Person und der Würde des Menschen ergeben."

Befruchtung außerhalb des Mutterleibes (In-Vitro-Fertilisation/IVF) lehnen die Bischöfe als "ethisch unzulässige Methode" ab. Schon bei der Zeugung eines Menschen als "Ebenbild Gottes" gelte es Liebe und Achtung vor dem Leben zu wahren. IVF führe zu einer hohen Zahl "überzähliger Embryonen", zu vermehrten Mehrlingsschwangerschaften und Frühgeburten. Mehrlingen werde im Mutterleib oft durch "gezielte Tötung eines der empfangenen Kinder" begegnet. Betroffene Frauen litten unter der hormonellen Behandlung, die Paarbeziehung durch Enttäuschungen und Reglementierungen während des Verfahrens der künstlichen Befruchtung. All diese gravierenden Probleme seien "Quelle großen Leids", so die Bischöfe.

Erwartungsdruck nach "perfekten" Kindern

Neue technische Möglichkeiten würden laufend die "Achtung vor dem Leben aushöhlen", warnen die Bischöfe - etwa die Präimplantationsdiagnostik (PID), bei der der Embryo vor seinem Transfer in den Mutterleib untersucht wird. "Die Möglichkeit der Selektion bei der künstlichen Befruchtung hat gravierende Folgen": "Statt Eltern grundsätzlich den sehnlichen Wunsch nach einem Kind zu erfüllen, werden sie dazu gebracht, nur mehr jene Kinder anzunehmen, die bestimmte Eigenschaften haben." Der gesellschaftliche Erwartungsdruck nach "perfekten" Kindern steige. Aber: "Jeder Mensch will angenommen werden, wie er ist" - auch Ungeborene, betonen die Bischöfe. Der Staat dürfe die Verantwortung für diese eugenischen Maßnahmen nicht Einzelnen bzw. Eltern aufbürden.

Eine scharfe Trennlinie ziehen die Bischöfe auch gegenüber der Forderung, Kinder durch "fremde" Ei- bzw Samenzellen zu zeugen. Deren Verwendung führe zu einer "Aufspaltung der Elternschaft". Unterschieden würden genetische, biologische und soziale/rechtliche Mutter bzw. genetischer und sozialer/rechtlicher Vater.

Gegen Elternschaft von Homo-Paaren

Bei homosexuellen Paaren werde zudem "von vornherein und mit Absicht in Kauf genommen, dass dieser nicht bei einem Vater und einer Mutter vereint aufwachsen darf". Darin liegt nach Überzeugung der Bischöfe ein "maßgeblicher Unterschied" zu Situationen, in denen eine derartige Konstellation "durch widrige Umstände im Nachhinein" entsteht - etwa bei Alleinerziehenden. "Größter Respekt und bestmögliche Unterstützung" habe jenen Betroffenen zu gelten, die alleine große Verantwortung tragen und schwierige Situationen meistern müssten. "Aber selbst sie sehen diese Lebensform zumeist nicht als Ideal an", geben die Bischöfe zu bedenken.

"Ein Kind hat ein Recht auf Vater und Mutter, das so gut wie möglich gewahrt werden soll", heißt es weiter in der Erklärung der Bischofskonferenz. Bei Vater und Mutter aufzuwachsen gebe den Kindern wesentliche Orientierung etwa für das Zusammenleben der Geschlechter und sei maßgeblich für die Identitätsbildung.

(kap)

Foto: (c) stock