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Augustinusfest in Herzogenburg: „Gemeinsames über Eigenes stellen!“

Das Augustinusfest 2012 war einer der Höhepunkte zum 900-Jahr-Jubiläum des Augustiner-Chorherrenstifts Herzogenburg. Beim Pontifikalamt am 28. August freute sich die Ordensgemeinschaft über weitere Feiergründe: Propst Maximilian Fürnsinn und Dechant Wolfgang Payrich feierten ihr 40-jähriges Priesterjubiläum und H. Quirinus Greiwe legte die Ewige Profess ab. Bereits am Tag zuvor wurde Gebhard Brandweiner als Ordensbruder eingekleidet, der den Ordensnamen Georg annahm. Das Augustinusfest feierten die Herzogenburger Chorherren mit den Göttweiger Benediktinern.
Propst Maximilian verwies zusammenfassend in seiner Predigt auf die „Goldene Regel“ des Hl. Augustinus: Das Gemeinsame über das Eigene stellen, das Gemeinschaftsinteresse vor dem Eigeninteresse und die Belange der Gemeinschaft vor eigenen Belangen setzen. Augustinus wisse nämlich, dass der Mensch zum Egoismus neige: „Das war zu seiner Zeit so, das ist auch heute so.“ Wir würden heute aufgrund des Prinzips „Zuerst komme ich, dann lange niemand und dann du“ eine Zunahme der Entsolidarisierung der Gesellschaft erleben. Das führe bei vielen zu einem übersteigerten Selbstwertgefühl mit „kindischem Konkurrenzdenken“ - und auf der Ebene der Wirtschaft zu einem heftigen Kampf. Daher bekomme der Satz des Hl. Augustinus „Das Gemeinsame wieder mehr über das Eigene stellen“ eine neue Aktualität.

Der moderne Lebensstil schwappe heute hinter die Klostermauern über. Selbst dort gebe es Egozentriker, Solisten und Selbstdarsteller, oft versteckt hinter maskenhaften Ausformungen. Aber im Kloster dürfe man „den anderen und die anderen nicht aus dem Blick verlieren. Das ist Kernanliegen des Hl. Augustinus“, so der Herzogenburger Propst.

Kloster hat Vorrang

Ob man das ernst nimmt, zeige sich an einfachen Punkten des gewöhnlichen Klosteralltags: etwa bei der Teilnahme am gemeinsamen Gebet und am gemeinsamen Tisch, wo die Gemeinschaft bei Gespräch und Humor zusammenwachse. Und es zeige sich auch am Dienst für den Konvent. Das Konzil habe die Rangordnung für die Orden eindeutig festgelegt: Das Gemeinsame und Gemeinschaftliche eines Klosters würden immer den verschiedenen Aufgaben vorangehen. Das müsse in der konkreten Lebensgestaltung – bis hin zum Terminkalender – spürbar sein. Wer dies ständig ignoriere, stelle das Eigene über das Gemeinsame. Aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung wisse Propst Maximilian, dass der Hl. Augustinus mit diesem Postulat einen Knackpunkt klösterlichen Lebens berühre. Der Ordensgründer bezeichne dies als „Prüfstein für die Reife eines Klosters und seiner Mitglieder“.

Diese „Goldene Regel“ stehe in der Mitte der Augustinus-Regel und darin zeichne er auch die „liebende Lebenshaltung Jesu“ nach: Jesus, der hilft und sein Leben hingibt; Jesus, der das Reich Gottes bringt und gegen alle Formen des Egoismus ankämpft; Jesus, der eine Liebe ohne Widerruf lebt; Jesus, der am Kreuz eine Liebe bis zum Äußersten verschenkt. Jesus habe diese „Goldene Regel“ gelebt, er habe das Gemeinsame über das Eigene gestellt.

TV-Gottesdienst am Sonntag aus Herzogenburg

Am kommenden Wochenende findet im Stift Herzogenburg der zweite Teil der Kindersommerspiele statt. Dabei übertragen ORF 2 und ZDF am Sonntag, 2. September um 9:30 Uhr auch den Fernsehgottesdienst aus dem Stift. Zelebranten sind Propst Maximilian Fürnsinn, Herr Petrus Stockinger und Stiftsdechant Mauritius Lenz. Das Motto lautet: "Der Geist führt uns zum Leben!"

Bild 1: H. Quirinus Greiwe (legte die Ewige Profess ab), Herzogenburgs Propst Maximilian Fürnsinn, Göttweigs Abt Columban Luser, Dechant Wolfgang Payrich, H. Georg Brandweiner.
Bild 2: H. Quirinus Greiwe beim Friedensgruß mit Propst Maximilian Fürnsinn nach Ablegung der Ewigen Profess; weiters im Bild: Abt Columban Luser, Dechant Wolfgang Payrich und der Herzogenburger Konvent.