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Andere Religionen: Konzil stellte Gemeinsamkeiten ins Zentrum

St. Pölten, 03.12.12 (dsp) Beim „Ökumenischen Studientag“ im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt sprachen Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche sowie von der alevitischen und islamischen Glaubensgemeinschaft darüber, wie sie die jeweils anderen sehen. Dabei betonte Prof. Josef Kreiml, Rektor der Philosophisch-theologischen Hochschule St. Pölten, dass für Europa die Beschäftigung aufgrund von Migration unabdingbar sei.
Rektor Kreiml stellte dabei das Dokument Nostra Aetate vor, die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils zu den nichtchristlichen Religionen. Dabei habe das Konzil die Gemeinsamkeiten hervorgestrichten, nicht die Unterschiede. Die Kirche besann sich laut Kreiml auf ihre eigentliche Aufgabe: Der Förderung der Liebe und der Einheit der Menschen untereinander. In Nostra Aetate habe die Kirche ein Stufenmodell (Zwiebelschalenmodell) vorgelegt: Nach einer Selbstreflexion thematisierte das Dokument die asiatischen Religionen, dann den Islam sowie das Judentum. Das Zweite Vatikanische Konzil habe dabei eine ganze Reihe von Gemeinsamkeiten mit dem Islam aufgezählt: Auch der Islam berufe sich auf göttliche Offenbarung oder verehre Jesus. Hier käme aber ein Unterschied hervor, weil die Kirche Jesus als Menschwerdung Gottes betrachten, während Muslime Jesus als Propheten sehen. Umgekehrt würden sich Christen schwer tun, Mohammed einzuordnen, weil aus kirchlicher Sicht mit Christus die Offenbarung abgeschlossen sei.

Die Konzilsväter wollten laut Kreiml ein neues Kapitel im Verhältnis zum Islam aufschlagen. Danach wurden rasch und energisch Strukturen geschaffen: etwa mit der Gründung des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog. Später habe Papst Johannes Paul II. weitere wichtige Initiativen gesetzt: Im Jahr 1986 gab es das erste Weltgebetstreffen in Assisi, 2000 bereiste er das Heilige Land und 2001 besuchte er als erster Papst in Damaskus eine Moschee.

Superintendant Weiland: Kontakte ausbauen

Der niederösterreichische Superintendent Paul Weiland appellierte, die Kontakte untereinander auszubauen: „Am Umgang zwischen den Religionsgemeinschaften wird auch die Glaubwürdigkeit der Religionsgemeinschaften gemessen.“ Für diese gelebte Toleranz und gegenseitige Achtung bedürfe es freilich auch des Wissens voneinander. Extremisten könnten dies unterminieren und so den Zugang vieler zu Religion erschweren. Dieses Miteinander habe schon das Dokument Charta Oecumenica eingefordert, das 2001 von der Konferenz Europäischer Kirchen erarbeitet wurde. Weiland verwies auch auf eine Reihe von gemeinsamen Gebeten – etwa in St. Pölten. Gleichzeitig dürften die wesentlichen theologischen Unterschiede zwischen den Religionsgemeinschaften nicht verschwiegen werden. Österreichs evangelische Christen empfehlen, die Traditionen der Muslime kennenzulernen, dies sei auch wichtig für die Selbstreflexion. Gleichzeitig solle auch nichts vereinfacht werden, es müssten Berührungspunkte und Differenzen diskutiert werden. Zudem müsse Begegnungen intensiviert werden.

Aleviten-Vertreter Karabulut: Toleranz zentrales Gebot

Der Vertreter der anatolischen Aleviten, Deniz Karabulut, stellte zahlreiche Berührungspunkte zum Christentum und zum Islam fest. Die Aleviten hätten islamische Wurzeln, würden sich aber als eigenständige Religion sehen, ähnlich dem Verhältnis Judentum – Christentum. Toleranz sei zentrales Gebot, selbst wenn man gekränkt werde. Die Aleviten würden alle Menschen, Völker und Religionen als gleichberechtigt erachten. Karabulut verwies auf den Monotheismus, den seine Konfession mit dem Islam und dem Christentum eine. Weiters werde Jesus als Prophet und Gesandter Gottes verehrt, wenn auch nicht die Vorstellung der Menschwerdung Gottes mit den Christen geteilt werde. Für die Aleviten sei – wie im Islam – Mohammed der letzte Verkünder der letzten Wahrheit Gottes. Die Aleviten würden auch die Bibel als göttliche Offenbarung akzeptieren, beim Koran fehle seiner Glaubensgemeinschaft einige Versen und Suren. Außerdem verehren die Aleviten Maria, die Mutter Jesu, genauso wie Fatima, die im Islam sehr wichtig ist, als „Mutter der Gläubigen“. Karabulut nannte Offenheit, aktive Begegnung und Respekt anderer als zentral, gleichzeitig dürfe aber nicht der eigene Glaube geleugnet werden.

NÖ-Islam-Vorsitzender Isik: Stärker gegenseitig informieren

Der Vorsitzende der Islamischen Religionsgemeinschaft St. Pölten für das Bundesland Niederösterreich, Mehmet Isik, verwies auf das Wachstum des Islam hierzulande: Waren es vor hundert Jahren, als das Islam-Gesetz beschlossen wurde, nur einige Hunderte, seien es nun Zehntausende in Niederösterreich mit dutzenden Gebetshäusern. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 habe es Skepsis gegenüber dem Islam gegeben, diese sei aber Interesse gewichen, was in den Moscheen passiert. Erst seit vor 10, 15 Jahren sei klar: Muslime wollten hier nicht Gäste sein, sondern würden hierbleiben und sich hier einrichten. Isik bedauerte, dass nur wenige Niederösterreicher bisher in ihrer Heimat ein islamisches Zentrum besucht hätten. Am Land gebe es kaum Begegnung zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, dies sei in größeren Städten wie St. Pölten anders. Trotzdem: Obwohl man sich einander kenne, würde man laut Isik kaum nach den Wünschen und Traditionen der Muslime fragen. Ziel müsse es sein, gemeinsam in diesem Land zu leben. Er wünsche sich dass sich Vertreter der Religionen und Gläubige stärker gegenseitig informieren.

Bild 1: V.l.n.r.: Ordinariatskanzler Gottfried Auer (Vorsitzender Ökumenischer Arbeitskreis NÖ-West), Deniz Karabulut (Vertreter der anatolischen Aleviten), Mehmet Isik (Vorsitzende der Islamischen Religionsgemeinschaft St. Pölten für das Bundesland Niederösterreich), Superintendent Paul Weiland, Evangelische Pfarrerin Baukje Leitner, Hans Bruckner (Fachinspektor für katholische Religion), Rektor Josef Kreiml.

Bild 2: Rektor Josef Kreiml, Superintendent Paul Weiland, Hans Bruckner (Fachinspektor für katholische Religion), Mehmet Isik (Vorsitzende der Islamischen Religionsgemeinschaft St. Pölten für das Bundesland Niederösterreich), Deniz Karabulut (Vertreter der anatolischen Aleviten).