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Altenpastoral: Europa braucht „Rettungsschirm der Menschlichkeit“

Europa brauche weniger einen finanziellen als einen „kulturellen Rettungsschirm der Menschlichkeit“, sagte Reimer Gronemeyer, evangelischer Theologe und emeritierter Professor für Soziologie der Universität Gießen, am Mittwoch bei dem Symposion „Kostbares Alter“ in St. Pölten. Die Zukunft Europas werde sich weniger an der Situation von Finanzen und Banken entscheiden, sondern „vielmehr daran, ob die nächste Generation noch eine humane Gesellschaft vorfindet“. Die Tagung der Arbeitsgemeinschaft Altenpastoral der österreichischen Diözesen und der Diözese Bozen-Brixen versteht sich als Beitrag des „EU-Jahres 2012 für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen“.
Europa werde die Herausforderungen aufgrund der stark zunehmenden Zahl alter und hochbetagter Menschen nur meistern, wenn es „nicht nur um technische und medizinische Versorgung geht, sondern um einen neuen Platz der Alten in der Gesellschaft“, betonte Gronemeyer. Papierzwang und ausufernde Dokumentationspflicht in der Pflege stünden zunehmend der eigentlichen Begegnung mit den alten Menschen im Weg. „Wir drohen Bürokraten der Versorgung zu werden, anstatt uns dem Wagnis nach einer Sinnsuche des Alterns zu stellen.“ Mit Geld alleine sei die Situation nicht in den Griff zu bekommen, so Gronemeyer: „Wir brauchen eine andere, eine wärmende Gesellschaft.“

Der mit Tanzania eng verbundene Soziologe führte südafrikanische Länder als Beispiel für einen alternativen Gesellschaftsentwurf an. Südlich des Äquators drehe sich der Begriff der Altenhilfe um: „Mit einem Mal sind die Alten für die Jungen wichtig.“ Die soziale Einbindung der alten Menschen in diesen Gesellschaften bewirke, dass diese aufgrund ihres Wissens und ihrer Erfahrung unverzichtbar seien, anerkannt und respektiert würden – ohne ein idyllisches Bild dieser Länder zeichnen zu wollen, wie Gronemeyer betonte.
In Afrika herrsche zwar große finanzielle Armut, jedoch ein kultureller Reichtum der Menschlichkeit. Europa habe hingegen eine Gesellschaft begründet, in der die Alten im Allgemeinen zwar ökonomisch gut versorgt seien, andererseits herrsche jedoch eine kulturelle Armut, „eine Verwüstung des Alters“, so Gronemeyer wörtlich. „Die Frage nach dem Sinn des Alters wird nicht gestellt.“

Zurzeit werde den alten Menschen vermittelt, dass all ihre Lebenserfahrungen „Schrott“ seien, wie Gronemeyer es ausdrückte: „Euch braucht niemand!“ Um noch ernst genommen zu werden, würden die Alten den Jungen „hinterher rasen“. Dabei würden sie schließlich mit leeren Händen dastehen. Doch sei dies auch eine Situation, die einen Neuanfang ermögliche. „Wir können die Situation nur überwinden, wenn wir die Gesellschaft neu begründen.“ Dazu brauche es Sensibilität für die Not des anderen und den Mut zu handeln, „auch wenn es in den Regeln nicht so vorgesehen ist“. Gronemeyer: „Das Himmelreich ist mitten unter euch – darum geht es!“