Erntekrone
Weinstöcke mit Trauben
Pilgergruppe im Herbst
 
 

Altenpastoral: „Antenne für spirituelle Bedürfnisse ausfahren“

„In Tirol wird im Alter sogar der Teufel katholisch“, zitierte Bischof Klaus Küng ein Sprichwort bei einem Gottesdienst am Donnerstag im Rahmen des Symposions „Kostbares Alter“ der Altenpastoral in St. Pölten. Im Alter setze bei vielen Menschen „im Inneren eine Entwicklung“ ein, die wahrgenommen werden müsse: „Wir müssen auch eine Antenne für die spirituellen Bedürfnisse ausfahren.“ Altenpastoral bedeute in erster Linie, „Wärme“ zu bringen, sagte Bischof Küng, es gehe jedoch auch um „die tiefere Dimension“. Mit Feingefühl und großem Respekt vor den Haltungen der Menschen sollten auch die „großen Fragen des Lebens“ angesprochen werden. Viele alte Menschen seien dankbar dafür, „ja sogar erleichtert“, betonte Küng. In der Altenpastoral tätige sollten den Wunsch haben, den Menschen ganzheitlich zu helfen: „Das ist ein Werk der Nächstenliebe.“

10 Gebote für das Alter

Die Gefahr von Freiheit sei es, „Dinge zu tun, die uns schaden“, sagte Elisabeth Jünemann, Professorin für Theologische Anthropologie und Theologische Ethik an der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen/Paderborn, in ihrem Vortrag „Wenn die Freiheit in die Jahre kommt“. Wie vor über 3.000 Jahren das Volk Israel, würde auch unsere Gesellschaft heute neue Gebiete erschließen und neue Freiheiten erfahren und dabei „Gefahr laufen, etwas zu wählen, wodurch wir unsere Freiheit verlieren“. So wie dem Volk Israel die 10 Gebote gegeben wurden, um seine Freiheit zu erhalten, so müssten diese Gebote sinngemäß auch auf das Alter und den Umgang mit alten Menschen angewandt werden.

Als ein Beispiel nannte Jünemann die Gefahr im Alter, Zeitstrukturen und damit Orientierung zu verlieren: „Wenn der Sonntag nicht mehr gefeiert wird, sind alle Tage eine Soße.“ Sonntagskleidung, Sonntagsbraten und –jause seien wichtige Symbole, ebenso die gewohnte Messe am Sonntagmorgen – „in bekannter Form und mit bekannten Liedern“, wie die Theologin betonte. Auch den Mitarbeitern in Betreuungseinrichtungen, die sonntags arbeiten müssen, sei zu „zeigen, dass sie etwas Besonderes machen, um den Sonntag zu ermöglichen“.