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Pilgergruppe im Herbst
 
 

900-Jahr-Jubiläum: Herzogenburger Augustiner pilgerten zur „Mutterstadt“

Die Augustiner-Chorherren von Herzogenburg erinnerten zum 900-Jahr-Jubiläum mit einer Pilgerfahrt an die Gründung ihres Stiftes durch Bischof Ulrich von Passau im Jahre 1112. Bischof Wilhelm Schraml hieß Niederösterreicher in ihrer „Mutterstadt“ Passau willkommen.
300 Pilger fuhren am vergangenen Samstag von Herzogenburg nach Passau in Niederbayern. Auf den Tag genau 900 Jahre nach der Gründung des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg durch Bischof Ulrich von Passau wurden die Wallfahrer von dessen 61. Nachfolger im barocken Dom der Bischofsstadt am Inn erwartet. Diözesanbischof Wilhelm Schraml begrüßte sie mit den Worten: „Sie blicken in diesem Jahr zurück auf eine reiche und bewegte Vergangenheit des Stiftes und spüren ihre Wurzeln auf. Wenn ein Baum wachsen und sich entfalten soll, darf er sich nicht von seinem Wurzelgrund trennen.“ Gemeinsam mit dem Herzogenburger Propst Maximilian Fürnsinn feierte Bischof Wilhelm Schraml ein Pontifikalamt im Gedenken an diese 900-jährige Stiftsgeschichte.

Ununterbrochene Geschichte

„Mit dem Kahlschlag des bewährten Alten und dem Aufgehen im bloß Heutigen aber lässt sich die Zukunft nicht gestalten“, sagte Bischof Schraml in seiner Predigt. Trotz aller Bedrohungen und Krisen habe das Stift Herzogenburg bis heute eine ungebrochene Geschichte. Er lobte dabei auch die Amtszeit des derzeitigen Propstes: „Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders in den letzten 30 Jahren konnte das geistliche Leben des Stiftes vorangetrieben und die Wirtschaft nach modernen Gesichtspunkten neu geordnet werden.“

Propst Maximilian und Stiftsdechant Mauritius Lenz waren mit der Mehrheit der aktiven Stiftskanoniker des 15-köpfigen Konventes nach Passau gekommen. Dabei konnte der Propst für das nahe Ordenshochfest des heiligen Augustinus ankündigen, dass ein Kleriker die Ewige Profess ablegen und ein junger Theologiestudent aus Salzburg in das Noviziat aufgenommen werde. „Das freut uns im Jubiläumsjahr natürlich ganz besonders“ sagte der Obere.

Die enge Verbindung des bayerisch-österreichischen Raumes kam auch im Besuch der Wallfahrer in Vornbach am Inn zum Ausdruck. Das dortige Benediktinerkloster war über 600 Jahre lang Grundherr des „Unteren Marktes“ von Herzogenburg. In der Abteikirche des ehemaligen Stiftes feierten die Pilger zum Abschluss eine Marienandacht.

Geschichte im größeren Kontext

Wie große Teile des östlichen Österreich, gehörte auch das Traisental über viele Jahrhunderte kirchlich zur Diözese Passau. Zahlreiche Klostergründungen gehen auf die niederbayerischen Bischöfe zurück. Dazu zählte unter anderem auch das Stift Göttweig, das von Ulrichs Vorgänger, dem heiligen Bischof Altmann von Passau gegründet wurde. Ulrich ließ sein neues Kloster im Jahre 1112 zunächst in St. Georgen am Zufluss der Traisen in die Donau errichten und übergab es dem Reformorden der Augustiner-Chorherren. Die Ungunst der Lage erzwang jedoch 1244 die Umsiedlung nach Herzogenburg. „An die Passauer Wurzeln erinnern in Ostösterreich die zahlreichen St.-Stephanus-Patrozinien, wie beispielsweise in Wien, aber auch bei uns in Herzogenburg“, erläutert Propst Maximilian Fürnsinn. Der heilige Diakon und Erzmärtyrer Stephanus ist der Diözesanpatron Passaus.

„Mit unserer Wallfahrt wollten wir an diesen unseren Ursprung erinnern. Schließlich ist unser Stift in eine größere Geschichte eingebettet, die unsere niederösterreichische Heimat im Kontext von Kaiser und Reich, von Papst und Reform erscheinen lässt“, erklärt Propst Maximilian. In diesem Zusammenhang erinnerte der Herzogenburger Prälat auch an das Augustiner-Chorherrenstift St. Nikola in Passau, das als Zentrum der Kirchenreform weit über die Bischofsstadt ausstrahlte. „Die Kirchenreform des Hochmittelalters entdeckte die Regel des heiligen Augustinus zum Leben der Priester neu“, so der Propst weiter. Denn Kirchenreform habe damals besonders auch Klerikerreform bedeutet.

Stift Herzogenburg

Fotos: Stift Herzogenburg