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300 Jahre Prandtauerkirche in St. Pölten

Das heute als Prandtauerkirche bekannte St. Pöltner Gotteshaus verdankt seine Errichtung der kinderlosen Fürstin Maria Antonia Josepha Montecuccoli, die in St. Pölten ein Karmeltinnenkloster stiftete. Vor 300 Jahren wurde die Kirche geweiht. Nach der Klosteraufhebung durch Joseph II. nur 70 Jahre nach dem Einzug der Karmelitinnen hatte der Bau eine wechselvolle Geschichte. Die Rektoratskirche begeht ihr Jubiläum im Rahmen eines Festgottesdienstes mit dem Provinzial der Karmeliten in Österreich, P. Paul Weingartner, am Ostermontag, dem 9. April um 9.30 Uhr. Dabei erklingt die „Missa à tre voci“ von Ernest Frauenberger (1791).
Die verwitwete und kinderlose Fürstin Montecuccoli aus dem Schloss Walpersdorf hegte ab dem Jahr 1704 den Wunsch, in St. Pölten ein Kloster der Karmelitinnen zu stiften. Damit stieß sie aber sowohl bei der kirchlichen als auch bei der weltlichen Obrigkeiten zunächst auf taube Ohren. Richter und Rat von St. Pölten, der Propst des damaligen St. Pöltner Chorherrenstiftes und auch der zuständige Passauer Bischof sprachen sich dagegen aus, siedelte sich doch gerade erst in der Linzer Straße das Institut der Englischen Fräulein an.

Die Fürstin ließ aber nicht locker und erreichte durch ihre Beharrlichkeit und über Intervention der Kaiserin-Witwe Eleonore die Zustimmung durch Kaiser Joseph I. Nun billigte auch der Passauer Fürstbischof den Plan. 1706 zogen vier Karmelitinnen aus Wiener Neustadt und Wien sowie vier Kandidatinnen in eine provisorische Unterkunft am Rathausplatz ein. 1707 konnte der Bauplatz für Kirche und Kloster angekauft werden. Im Herbst des selben Jahres begann man mit dem Abriss der bisherigen Häuser und im Frühjahr 1708 konnten die Bauarbeiten beginnen. Die Pläne stammten vom Klosterarchitekten Martin Witwer, die Bauausführung lag in den Händen von Jakob Prandtauer.

Am 9. April 1712, also vor 300 Jahren, konnte der Propst des St. Pöltner Chorherrenstiftes die mit behelfsmäßigen Altären ausgestaltete Kirche benedizieren, am Tag darauf zogen die Karmelitinnen in das neue Kloster ein. Die feierliche Weihe der Kirche erfolgte erst nach Fertigstellung der Inneneinrichtung am 10. Juni 1725 durch den Passauer Fürstbischof Graf Lamberg. In ihren letzten Lebensjahren wohnte auch die Stifterin im Karmel, wo sie am 2. Jänner 1738 starb und bestattet wurde. Nach der Aufhebung des Klosters und der völligen Profanierung der Kirche wurde ihr Leichnam in die Schlosskapelle in Walpersdorf überführt.

Vom Kloster zur Kaserne

Am 6. Dezember 1781 hatte Kaiser Joseph II. verfügt, dass alle Klöster, in denen ein beschauliches Leben geführt wurde, aufzuheben sind. Das traf auch die 19 Karmelitinnen im St. Pöltner Kloster mit voller Härte. Im Februar 1782 wurde ihnen beschieden, dass das Kloster aufgehoben und der gesamte Besitz der kaiserlichen Kommission auszuliefern ist. Mit einer Pension versehen wurden die Nonnen bis Herbst 1782 in andere Klöster verschickt, eine trat in den weltlichen Stand zurück.

Die wertvollen und leicht zu transportierenden Teile des Inventars der Kirche gingen an die kaiserliche Kasse in Wien, der Hochaltar kam nach Tulln-St. Stephan, die beiden Seitenaltäre nach Michelhausen und Ober-Grafendorf. Das Kloster und die Kirche wurden dem Militär übergeben, ab 1834 dienten die Gebäude als Karmeliterkaserne dem Infanterieregiment Nr. 49 als Standort, die Kirche wurde zum Militärdepot.

Revitalisierung als Kirche

Nach dem Ende der Monarchie gingen die Räume in die Nutzung der Stadt St. Pölten über, auch einige Notwohnungen wurden eingerichtet. Im Jahr 1930 trat das Bischöfliche Ordinariat mit der Bitte an die Stadt heran, die ehemalige Kirche pachten zu dürfen. 1934 trat ein Mietvertrag in Kraft, mit der Wiederherstellung des Kirchenraumes konnte Dank zahlreicher Spenden aus der Bevölkerung begonnen werden. Am 24. November 1934 weihte Bischof Michael Memelauer das Gotteshaus. Die Gruft diente noch bis 1938 den Altkatholiken als Kapelle. 1964 ging die Kirche im Tausch gegen ein Grundstück zum Schulbau in Diözesanbesitz über.

Der heutige Hochaltar stammt aus der Schlosskapelle Aschach an der Donau und wurde nach einem Entwurf von Lukas von Hildebrandt 1712 geschaffen. Er kam 1961 in die Prandtauerkirche. Die aus statischen Gründen an der rechten Rundung vom Chor zum Langhaus angebrachte neubarocke Kanzel wurde 1949 angeschafft. Gegenüber befindet sich der Devotionsaltar zu Ehren der Gottesmutter mit einer barocken Statue der Unbefleckten Empfängnis.

Derzeit wird eine neue Orgel errichtet, die zum Großteil aus Spenden finanziert wird. Das Instrument stand bis 2010 in der Franziskanerkirche, wo auch das barocke Orgelgehäuse bleibt. In der Prandtauerkirche wird daher ein neues, die gesamte Emporenfläche füllendes Gehäuse errichtet. Die Weihe der neuen „Fürstin-Montecuccoli-Orgel“ wird voraussichtlich im Oktober 2012 stattfinden.

Pflege des Ritus von 1962

Kirchenrektor ist seit 1996 der Offizial des Diözesangerichtes DDr. Reinhard Knittel. In den Gottesdiensten wird die außerordentliche Form der römischen Liturgie (Ritus von 1962) gepflegt. Die Gottesdienstgemeinde setzt sich aus Gläubigen aus verschiedenen Orten Niederösterreichs zusammen. Die geschichtliche Verbindung der Prandtauerkirche mit dem Karmel und mit dem Militär prägt auch zwei Anlässe im Jahr. Das Patrozinium wird am Sonntag nach dem 16. Juli, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel, gefeiert. Besonders mit der Spiritualität des Karmel ist die an der Rektoratskirche errichtete Skapulierbruderschaft verbunden.

Josef Wessely (Kirche bunt)